Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Sommerinterview: WfK-Geschäftsführer Philip Pongratz spricht über Wirtschaft im Landkreis

Warnt vor zu laxem Umgang mit der Hygiene und Folgen für die Wirtschaft: WfK-Geschäftsführer Philip Pongratz im Gespräch mit RHE
Warnt vor zu laxem Umgang mit der Hygiene und Folgen für die Wirtschaft: WfK-Geschäftsführer Philip Pongratz im Gespräch mit RHEINPFALZ-Redakteurin Gundula Zilm.

Der Lockdown wegen Corona hat der Wirtschaft weltweit stark zugesetzt. Der Kreis Kaiserslautern scheint bisher noch recht gut davongekommen zu sein, lautet das Zwischenfazit von Philip Pongratz, Geschäftsführer der WfK (Wirtschaftsförderungsgesellschaft Stadt und Landkreis Kaiserslautern mbH). Und er erklärt, warum der Gewerbepark Sembach einem einladenden Essen gleicht, das nicht angerührt werden darf.

Herr Pongratz, wie stark hat sich denn Corona auf die Wirtschaft im Landkreis Kaiserslautern ausgewirkt?
Bis Ende des vergangenen Jahres und auch Anfang dieses Jahres hatten wir eine gute Entwicklung, wir waren auf Expansionskurs. Die Nachfrage von Logistikern zum Beispiel ist hoch. Und die Charrak Nutrition GmbH hat gerade im Industriezentrum Ramstein zirka 28.000 Quadratmeter für ihre Produktion gekauft.

Die Firma wollte ja ursprünglich in den Gewerbepark Sembach...
Ja, aber wegen der Kontaminierung des Bodens dort sind Ansiedlungen derzeit nicht möglich. Dort herrscht nun Stillstand.

Schon vor etlicher Zeit wurden ja PFC-Belastungen des Trinkwassers in Mehlingen entdeckt, aber der Ursprung wurde nie hundertprozentig ausgemacht. Über den ehemaligen Flugplatz Sembach wurde immer nur spekuliert. Seit wann ist denn die Kontaminierung des Bodens dort bekannt?
Uns ist die PFC-Belastung im Gewerbepark Sembach noch nicht lange bekannt! Wir haben erst durch das Ansiedlungsvorhaben der Firma Charrak davon erfahren.

Aber jetzt ist es sicher?
Ja, man weiß jetzt, dass an vielen Stellen PFC im Boden ist. Ursprünglich dachte man, die Kontaminierung bestehe nur im Bereich der Feuerwehr – denn die Chemikalie kommt mutmaßlich vom Löschwasser. Aber sie wurde an vielen Stellen im Gewerbepark nachgewiesen: Das rührt offenbar von den großen Erdbewegungen für die Herrichtung des Geländes.

Und was heißt dies für bereits angesiedelten Firmen? Haben die nun ein Problem?
Es ist noch offen, wie man damit umgeht. Aber gerade weil in Sembach noch große Flächen zur Verfügung stehen, ist der Stillstand sehr bedauerlich. Das ist quasi so, als ob ein leckeres Essen angerichtet ist – und man es nicht anrühren darf.

Null-Diät für die Wirtschaft.
Ja, leider.

Die Böden sollen ja versiegelt sein, damit möglichst wenig der Chemikalie ins Grundwasser dringt.
Genau, und das ist ja in der Regel auf Gewerbeflächen so. Keine Firma lässt eine größere ungenutzte Grünfläche stehen.

Ein Fußballplatz wäre also keine gute Idee dort...
Nein, sicher nicht. – Aber die Nachfrage für Sembach besteht weiter! Große Logistiker signalisieren weiterhin Interesse.

Aber keine, die mit A beginnen?
Nein, aus dieser Richtung sind uns keine Anfragen für den Gewerbepark Sembach bekannt.

Und die Logistiker haben so viel Geduld?
Ja. Die brauchen gleichmäßig über die Fläche verteilt Standorte. Deshalb warten die auch mal länger. Das Sanierungskonzept für Sembach, das von der Bima – Bundesanstalt für Immobilienaufgaben – und der Behörde SGD Süd ausgehandelt wird, kann Monate oder auch Jahre dauern.

Wo gibt es denn sonst im Kreis noch freie Gewerbeflächen?
Es gibt vereinzelt kleinere Restflächen. Aber ein Logistiker braucht schon acht bis zehn Hektar.

Und gibt es sonst noch Potenzial im Kreis?
Wir haben dazu eine Potenzialanalyse beauftragt: Bestehende Gewerbe- und Industriegebiete könnten erweitert werden. Ansonsten wären hier und da noch kleinere Areale möglich.

Wer siedelt sich denn eigentlich hinter Rettenmeier in Ramstein an?
Die Fläche ist verkauft, aber wer kommt, noch unklar. Für uns ist der positive Arbeitsplatzeffekt wichtig: Aufgrund der großen Fläche wäre eine Ansiedlung mit mehr als 250 Arbeitsplätzen wünschenswert.

Apropos Arbeitsplätze: Für den Automobilzulieferer Ideal in Otterberg sieht es nach dem Großbrand im März nicht gut aus. Haben Sie Einblick in die Firma?
Nein, die Parteien verhandeln, wir haben keinen Einfluss.

Ist denn die allgemeine Flaute in der Automobilbranche der mangelnden Nachfrage geschuldet oder auch den stockenden Zulieferketten?
Die Nachfrage fehlt. Wer nicht weiß, wie es im Job weitergeht, verzichtet erstmal auf eine nicht nötige größere Anschaffung. Da muss der große Fernseher oder der Kühlschrank mit Eiswürfelbereiter noch warten.

Und wann wird sich die Konsumlage Ihrer Meinung nach wieder normalisieren?
Ich bin da optimistisch: Im nächsten Jahr wird eher noch Zurückhaltung herrschen, aber 2022 wird es sich wieder normalisiert haben.

Glauben Sie, dass sich das Verhalten der Menschen durch Corona dauerhaft verändern wird?
Ich glaube nicht. Es wird wieder wie früher.

Waren denn die von vielen als übertrieben bezeichneten Corona-Maßnahmen gerechtfertigt? Gerade die Wirtschaft hat ja stark gelitten.
Ja, ich denke, das war gerechtfertigt. Man hatte ja keinerlei Erfahrungen mit dem Virus. Aber gerade die Hygieneregeln wie das Maskentragen sollten weiter eingehalten werden! Denn eine zweite Welle wäre sehr schädlich für die Wirtschaft. Und ich empfinde es auch nicht als große Einschränkung: Wir hier im Büro halten uns auch an unser Hygienekonzept.

Wie sieht das denn aus?
Außerhalb des Büros tragen wir Masken – gerade, weil die Flure so eng sind –, wir nutzen Desinfektionsmittel für die Hände und Oberflächen, und mehrmals täglich werden die Türklinken abgewischt.

Da kommt jeder dran? Sind Sie auch am Klinkenputzen?
Ja, jeder beteiligt sich, auch ich. Schon im eigenen Interesse wische ich den Schreibtisch oder das Telefon ab.

Gibt es Zahlen, an denen man die regionalen Corona-Auswirkungen ablesen kann?
Die Arbeitslosenquote im Landkreis lag im Juni bei 5,9 Prozent, im Januar bei 5,0. Das hält sich also in Grenzen. Bei der Kurzarbeit ist es deutlicher: Von Mitte März bis 25. Juni gab es zirka 1000 Anzeigen auf Kurzarbeit.

Aber die sagen nichts darüber, in welchem Umfang Kurzarbeit stattfand? Ein paar Tage, mehrere Monate?
Nein, leider nicht. Deshalb ist die Zahl über die Auszahlung von Kurzarbeitergeld aussagekräftiger: Vom 1. Januar bis Ende Juni wurden – in der gesamten Westpfalz! – rund 44,4 Millionen Euro Kurzarbeitergeld gezahlt. Im Vorjahr waren es in diesem Zeitraum zirka 145.000 Euro.

Oh ja, das ist deutlicher! Und wie sieht es mit Firmenschließungen aus?
Uns sind bisher keine bekannt. Aber von kleinen Unternehmen kriegen wir das nicht unbedingt zeitnah mit, sofern diese sich nicht direkt an uns wenden.

Und was wissen Sie über die Corona-Hilfszahlungen? Da gab es ja anfangs Kritik, dass das Geld nicht ankommt.
Ja, das war wohl allein der Masse geschuldet, so dass man mit der Bearbeitung nicht hinterher kam. Inzwischen läuft es aber. Wir haben auf der WfK-Homepage auch tagesaktuell über Hilfsangebote informiert. Das wurde gut genutzt.

Zum Abschluss noch eine eher hypothetische Frage: Seit Donald Trumps Äußerung, Militär aus Deutschland abzuziehen, wird über Konversionsmaßnahmen spekuliert. Können Sie sich vorstellen, dass bei uns irgendwo Konversionsflächen frei werden?
Nein. Über Jahrzehnte sind hier die Strukturen mit den USA und der Nato gewachsen, die Air Base ist eines der wichtigsten Drehkreuze der Amerikaner. Hier wird sich meiner Meinung nach so schnell nichts verändern.

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