Otterberg RHEINPFALZ Plus Artikel So steht es um die Pläne des neuen Bauhofs in Otterberg

Aktuell wird das Gelände der alten Kläranlage als Sammelplatz für Gartenabfälle genutzt. Hier will die VG Otterbach-Otterberg ih
Aktuell wird das Gelände der alten Kläranlage als Sammelplatz für Gartenabfälle genutzt. Hier will die VG Otterbach-Otterberg ihren Bauhof ansiedeln – der bürokratische Aufwand allerdings ist immens.

Auf dem Areal der alten Kläranlage will die VG Otterbach-Otterberg ihren neuen Bauhof ansiedeln. Bis zur Grundsteinlegung aber dauert’s – wegen der Mühlen der Bürokratie.

Draußen im Westen, weit außerhalb der Stadt, tat einst eine Kläranlage ihren Dienst. Erbaut in den 1950er-Jahren, reinigte sie das Abwasser vom Schmutz der Bürger – als eines der ersten Werke der Region. Hier, an der Landstraße von Otterberg nach Erlenbach, zeugt noch heute einiges von der, Verzeihung, miefenden Vergangenheit: die mit Regen gefüllten Betonbecken, zwei alte Garagen, ein abgeschirmtes Pumpwerk. Nur, dass das alles schon mal bessere Tage erlebt hat. Hinter Gestrüpp und knorrigen Birken reihen sich zerlegte Autowracks auf dem Asphalt, von den Wänden des früheren Hauptgebäudes platzt der Putz, und oben, über moosbewachsenen Dächern, flattert Absperrband im Wind. Zur Begrüßung ein rostiges Schild. „Betreten der Kläranlage verboten“, steht da noch immer am Zufahrtstor eines Areals, das im Juni 2000 stillgelegt worden ist – und mittlerweile als Deponie für Gartenabfälle dient.

2014 waren es acht, heute sind es 20 Mitarbeiter

Doch es gibt Pläne für das Gelände, geschrieben in den Büros der Verbandsgemeinde. Im April 2023 hatte sich der VG-Rat für die Errichtung eines neuen Bauhofs ausgesprochen, die Entscheidung damals fiel einstimmig. Also machte sich die Verwaltung auf die Suche nach einem passenden Ort, und sie fand: das aufgegebene Klärwerk. Auf dem Weg zum Umzug hat der Rat am Donnerstag nun den nächsten Schritt veranlasst. Bald soll der Flächennutzungsplan (FNP) geändert werden – eine bloße Formalität nur, aber eine dringend nötige. Denn ohne sie: keine Genehmigung.

„Betreten verboten“, prangt auf einem Schild am Zufahrtstor. Das Areal ist gut gesichert.
»Betreten verboten«, prangt auf einem Schild am Zufahrtstor. Das Areal ist gut gesichert.

Um was genau geht es hier also gerade an der Straße zwischen Otterberg und Otterbach?

Harald Westrich (SPD), der VG-Bürgermeister, sagt, „wir brauchen einfach mehr Platz“. Gemeint sind natürlich die Kapazitäten des Bauhofs. Als er nach der Fusion 2014 mit sechs bis acht Angestellten loslegte, reichte die Kolonne für die anfallenden Arbeiten noch aus. Heute allerdings zählt der Stamm 20 Beschäftigte – weshalb der Bauhof längst aus allen Nähten zu platzen droht. Über die Jahre wurde regelmäßig das Personal aufgestockt, auch weil Niederkirchen, Mehlbach und Otterbach ihre Aufgaben an die VG übertragen haben. Die Gründe waren vielschichtig, von überbordenden Vorschriften über ein verschärftes Umsatzsteuergesetz bis zum Mangel an Fachkräften. Und wer weiß, welche Gemeinden dem Beispiel in Zukunft folgen werden. Eine zweite Belastung: Untergebracht ist der VG-Bauhof derzeit in der Otterberger Hauptstraße, unter einem Dach mit der städtischen Feuerwehr – nur muss für deren Einsatzwagen jetzt eine eigene Werkstatt her. Im Gebäude. Während der Platzbedarf also steigt, schwindet der Raum. Die Umsiedlung des Bauhofs, sie ist unausweichlich.

Geschätzte Kosten des Neubaus: 1,3 Millionen Euro

„Um effizienter arbeiten zu können, müssen wir umziehen“, betont Westrich im RHEINPFALZ-Gespräch. Mehr Duschen, Umkleiden und Toiletten, größere Aufenthaltsräume, ein breiteres Lager – das alles verspricht der Neubau auf dem Gelände der stillgelegten Kläranlage, eingerahmt vom rauschenden Otterbach, einem Wäldchen und der L387. Auf 1,3 Millionen Euro wurden die Kosten des Projekts 2023 mal geschätzt. Wann aber der Grundstein gelegt werden kann, das stehe heute noch nicht fest, so Westrich.

Wundern wird das niemanden. Wer mal durch die Akten blättert, den holt schnell die Erkenntnis ein: So ein Umbau kann sich zu einem bürokratischen Monstrum aufblähen – und das, obwohl gerade „nur“ die Umschreibung des Flächennutzungsplans ansteht. Westrich spricht von einem „langwierigen Verfahren“, er meint: „Bis da ein Stein auf dem andern sitzt ... Das ist ja das große Problem.“ Kurz gesagt, um allein den FNP zu ändern, musste die VG alle Behörden und Firmen anschreiben, deren Interessen auch nur im Entferntesten vom Eingriff im alten Klärwerk berührt werden könnten – 19 an der Zahl. Das Prozedere ist streng: Bringen sie Einwände vor, muss Westrichs Verwaltung reagieren. Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE), Vodafone, Forstamt, Industrie- und Handelskammer, die Liste ist lang. Allein fünf Ämter der Kreisverwaltung hat die VG um eine Stellungnahme gebeten.

Das alte Klärwerk liegt außerhalb von Otterberg, zwischen der L387, einem Gehölzstreifen und dem Otterbach.
Das alte Klärwerk liegt außerhalb von Otterberg, zwischen der L387, einem Gehölzstreifen und dem Otterbach.

Vorweg, große Einsprüche erhob keine der 19 Stellen. Gerade der Landkreis Kaiserslautern aber tischte eine Reihe von Bedenken auf, seine Antworten liegen der RHEINPFALZ vor. Am 6. Januar etwa teilte er mit, dass das Areal der einstigen Kläranlage „in einem landesweit bedeutsamen Bereich für den Grundwasserschutz“ liege. Außerdem genieße die Natur dort Vorrang – weshalb die VG die Wahl des Standorts detailliert begründen, alternative Plätze suchen müsse.

Keine Gefahren für Natur, Mensch und Gesundheit

Aber nicht nur das. Unter anderem wollte der Kreis wissen: Könnte durch den Neubau das angrenzende Naturschutzgebiet gefährdet werden? Ist der künftige Bauhof sicher vor Hochwasser? Und wo sollen die Bürger demnächst eigentlich die 420 Tonnen an Gartenabfällen entsorgen, die sie hier jedes Jahr ankarren? Eine Lösung der letzten Frage konnte Westrich noch nicht präsentieren – andere Unklarheiten jedoch könne seine Verwaltung zügig aus dem Weg räumen. Weder Natur noch Landschaft würden beeinträchtigt, versicherte der Bürgermeister am Donnerstag auf Basis eines Gutachtens, gebaut werde zudem „hochwasserangepasst“. Es entstünden, so Westrich, keinerlei Gefahren für Umwelt, Mensch und Gesundheit, das sei klar.

Und selbstverständlich habe man vorab Alternativen geprüft, in Otterbach oder Mehlbach zum Beispiel, erklärte er. Nur kämen die aufgrund mehrerer Hürden nicht in Frage. Insofern nehme er die Hinweise der 19 Adressaten zwar zur Kenntnis, sagte Westrich – eine Abwägung jedoch ist „nicht erforderlich“, wie es in den Unterlagen heißt. Nun bedeutet das allerdings keineswegs, dass die VG auf dem Grundstück des früheren Otterberger Klärwerks einfach die Radlader auffahren lassen darf. Denn zuerst, so die Regel, muss sie die 19 betroffenen Träger unterrichten. Und einmal mehr warten – auf die Freigabe. So mahlen eben die Mühlen der Bürokratie.

Heute, knapp zwei Jahre nach dem ersten Beschluss, hofft Harald Westrich, dass die Arbeiten zum neuen Bauhof 2026 beginnen können. In Stein meißeln könne er ein Datum aber noch lange nicht, mahnt er, „alles wäre Spekulation“. Auf dem Dach des einstigen Hauptgebäudes wächst also erst einmal weiter das Moos.

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