Sembach
So lief der „Große Preis von Sembach“
Je näher man dem Ende der Junkersstraße kam, desto stärker lag ein Geruch von Motorabgasen in der Luft und desto stärker wurde das Geräusch von Motoren, die auf hohen Drehzahlen liefen. Dort, wo bis Mitte der 1990er Jahre US-amerikanische Jagdflugzeuge starteten und landeten, jagten am Samstag und am Sonntag Rennfahrer aus vier Nationen auf verwegenen Gefährten Zeiten und Rundenzahlen hinterher. Das, was vor mittlerweile exakt 20 Jahren auf einer Wiese beim Randeckerhof als eine Kneipen-Idee begann, hat sich mittlerweile zu einem echten Rennspektakel mit internationalem Flair entwickelt. Nicht nur Teams aus der Region, aus Deutschland und dem benachbarten europäischen Ausland zieht es im Juni nach Sembach, sondern regelmäßig auch mehrere Tausend Besucher.
2014 feierte das Rennspektakel seine Premiere im Sembacher Gewerbepark, wegen der Corona-Pause steht das 20-jährige Bestehen aber erst im kommenden Jahr an. Ungeachtet dessen wurde auch die 19. Auflage des „Großen Preises von Sembach“ für den Verein zu einer Erfolgsveranstaltung. Das lag unter anderem an der bei den 18 vorangegangenen Rennen stetig weiterentwickelten Organisation, mehreren Dutzend Helfern vom ausrichtenden Verein, die an der Strecke, hinter der Theke oder bei der Rennleitung dafür sorgten, dass alles rundlief, aber natürlich auch an den Fans und nicht zuletzt an den Rennteams, die überaus professionell ans Werk gingen, wie ein Besuch des Fahrerlagers zeigte. Dort war zwischen den einzelnen Läufen auch Philipp Becker, der Zweite Vorsitzende des Rasentrecker-Vereins aus Neuhemsbach zu finden, der beim „Großen Preis“ nicht nur für die Organisation mitverantwortlich zeichnete, sondern auch selbst an den Start ging. „Wir können in diesem Jahr 40 Teams mit 70 Fahrern aus vier Nationen begrüßen“, sagte Becker.
Bis zu 50 Stundenkilometer schnell
Zwischen 17 und 58 Jahre alt sind die Fahrer, die sich an den beiden Renntagen samstags und sonntags hinter die Lenkräder der getunten Aufsitzmäher klemmten und mit bis zu 50 Stundenkilometern über die rund 700 Meter lange Rennstrecke heizten. Dabei geht es, wie Becker berichtete, nicht um Renn- und Rundenzeiten oder maximale Geschwindigkeiten, sondern um die Anzahl der gefahrenen Runden. „Ein normales Rennen dauert 15 Minuten. Jeder Fahrer geht am Wochenende viermal an den Start, und wer bei den vier Rennen die meisten Runden gefahren hat, ist der Gewinner“, verdeutlichte der Zweite Vereinsvorsitzende. Neben den normalen Rennen gab es an beiden Tagen als besondere Höhepunkte zwei Ausdauerrennen über 90 Minuten, „eine echte Bewährungsprobe sowohl für das Material als auch den Fahrer, der schon ziemlich fit sein muss“, betonte Becker Parallelen zum Rennsport, beispielsweise mit den Tourenwagen.
Parallelen gab es ebenso bei den „Boliden“, mit denen in Sembach an den Start gegangenen wurde und für die es ebenso wie für die Rennwagen der Formel eins ein Reglement gibt, in dem unter anderem klar definiert ist, dass ausschließlich Fahrzeuge zugelassen werden, „die im Hauptzweck zum Rasenmähen gedacht sind oder waren und als solche auch noch zu erkennen sind“. Natürlich gehen die Rennfahrzeuge in Sembach ohne das Mähwerk an den Start und sind auch hinsichtlich der Getriebeübersetzung etwas modifiziert, allerdings dürfen in die kleinen Traktoren keine hochgetunten Motoren eingebaut werden, sondern ausschließlich solche, die es im Handel für Rasentraktoren gibt und die je nach Starterklasse zwischen 340 und 510 Kubikmeter Hubraum und zwischen elf und maximal 25 Pferdestärken Leistung haben. Bevor die Fahrzeuge an den Start gehen, müssen sie sich einer technischen Überprüfung unterziehen, bei der ganz genau geschaut wird, ob die Vorgaben des Reglements auch eingehalten wurden.
Geschick der Fahrer entscheidet
Deshalb entscheidet wie bei den großen Rennen ausschließlich die Kunst der Fahrer über Sieg oder Niederlage. Das galt besonders für die Rennen am Samstagnachmittag, hatten doch Regenfälle dafür gesorgt, dass die Rennstrecke vor allem im Kurvenbereich ziemlich rutschig war und es schon einer ordentlichen Portion fahrerisches Geschick bedurfte, um die ideale Linie einzuhalten und möglichst viele Runden in der vorgegebenen Zeit zu absolvieren.
Und während tagsüber die tollkühnen Rennfahrer beiderlei Geschlechts in ihren rasenden Kistchen für jede Menge Stimmung an der Rennstrecke sorgten, machten das im Festzelt am Freitagabend die Band „Fused“, am Samstagabend die Partyband „Magic“ und am Sonntag zum Frühschoppen der Musikverein aus Sembach.