Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Seniorenheime warten auf Impftermine

Trost und Nähe zu spenden, war in diesem Jahr in Altenheimen besonders schwer.
Trost und Nähe zu spenden, war in diesem Jahr in Altenheimen besonders schwer.

Noch stehen die Seniorenheime im Landkreis Kaiserslautern für Corona-Impfungen in Warteposition. Die Priorisierung anhand hoher Inzidenzwerte wurde zwar am Dienstag aufgehoben, doch auch jene Heime, die sämtliche Vorbereitungen bereits erledigt haben, müssen sich noch gedulden. Kritik an der Politik wird ebenfalls laut.

Thomas Barz erwartet in der ersten Januarhälfte Besuch. Der Geschäftsführer und Leiter des Otterbacher Heims Senium Seniorenhilfe hat noch vor Weihnachten den „riesigen Bürokratieaufwand“ hinter sich gebracht und alle impfwilligen Bewohner und Mitarbeiter zur Impfung angemeldet. „Gerade gestern hatte ich Kontakt zum Impfkoordinator, und der hat mir in Aussicht gestellt, dass ein mobiles Impfteam in der ersten oder zweiten Januarhälfte kommen wird.“

Dürfen nicht vorsorglich schließen

Dafür musste von allen Bewohnerinnen und Bewohnern oder deren Bevollmächtigen die Einwilligung zur Impfung eingeholt und deren Daten erfasst werden, ebenso wie vom Personal. „Ausgedruckt sind das 900 Seiten“, macht er den Aufwand deutlich.

Barz ist auch Geschäftsführer des Seniorenheims „Haus Waldkrone“ in Vogelbach, das sein Sohn Jan-Eric Barz leitet. „Dort sind wir noch nicht so weit mit dem Impfprozedere, da die Eindämmung der Infektionen noch im Vordergrund steht“, erläutert er. Das Haus im Bruchmühlbach-Miesauer Ortsteil war Anfang Dezember von einer Infektionswelle erfasst und daraufhin geschlossen worden.

Thomas Barz kritisiert ebenso wie sein Sohn, dass die Senioren-Einrichtungen nicht vorsorglich für Publikumsverkehr schließen dürfen, denn dann „hätten wir deutlich weniger Infektionen und Opfer zu beklagen“, richtet er seinen Appell an die Politik, der er Versagen vorwirft. Statt „Russisches Roulette“ mit dem Leben der Bewohner zu spielen, könnte man jene selber über Öffnung und Schließung bestimmen lassen; sonst sei der Verweis auf die Grundrechte nichtig.

Relativ hohe Impfbereitschaft

Seit vier bis fünf Wochen setzt er Schnelltests für jeden Besucher und zweimal wöchentlich fürs Personal ein. „Doch es ist immer noch viel Glück dabei, ob eine Einrichtung vom Coronavirus verschont bleibt oder nicht.“ Um die Testungen stemmen zu können, hat er das Personal aufgestockt, denn „das Testen bindet drei Stellen!“. Von den maximal 77 Heimplätzen in Otterbach lässt er derzeit vier bis fünf frei, damit Platz für eventuelle Quarantäne ist.

Die Impfbereitschaft liege bei ihm „relativ hoch“: Rund 85 bis 90 Prozent der Bewohner wie auch Mitarbeiter haben eingewilligt. Die vorherige Aufklärung der Impflinge dürfe neben dem Hausarzt seit Kurzem auch der Impfarzt direkt vor dem Termin übernehmen, habe er vom Impfkoordinator erfahren.

Ähnliche Zahlen meldet auch Klaus Zimmermann, Geschäftsführer der Protestantischen Altenhilfe Westpfalz. Fünf vollstationäre Einrichtungen betreibt die Gesellschaft, darunter das „Haus an den Schwarzweihern“ und das „Menno-Heim“ in Enkenbach-Alsenborn. „Ungefähr 80 bis 90 Prozent der Bewohner und des Personals wollen sich impfen lassen“, informiert Zimmermann. Intern sei dazu alles vorbereitet: Die Listen mit den Einwilligungen samt persönlicher Daten seien teils verschickt, teils kommen sie Anfang nächster Woche auf den Weg, „und die Räumlichkeiten stehen bereit“.

Viel bürokratischer Aufwand

Die bürokratische Arbeit ist in den beiden kleineren DRK-Seniorenheimen in Queidersbach und Ramstein mit je 45 bis 50 Bewohnern schon erledigt, „die Listen für das Weilerbacher Heim gehen jetzt raus“, sagt Michael Nickolaus, Geschäftsführer des DRK Kaiserslautern-Land. Dann bleibt auch dem Haus mit 80 bis 90 Bewohnern nur noch das Warten auf den Impftermin.

„Der Aufwand fürs Personal ist sehr groß, zumal nach rund drei Wochen eine zweite Impfung nötig ist“, sagt er. Seit 14 Tagen werde auch in den DRK-Heimen jeder Besucher getestet, die Bewohner wöchentlich und das Personal zweimal wöchentlich. „Diese Arbeit nehmen uns zum Glück Ehrenamtliche ab.“

Die Zahlen zur Impfbereitschaft hat Nickolaus genau parat: „In Ramstein lassen sich 85 Prozent der Bewohner und 78 Prozent der Mitarbeiter impfen, in Queidersbach sind es 82 Prozent der Bewohner und 60 Prozent des Personals.“ Die Informationsveranstaltung des Betriebsarztes, in der einige Skepsis ausgeräumt werden konnte, habe die Bereitschaft beim Personal erhöht, macht er die Wichtigkeit von Aufklärung deutlich.

Eigentlich wäre er im Urlaub, ist aber diese und nächste Woche nun im Büro: Unter anderem damit demonstriert Thomas Matz, Leiter des Caritas-Altenzentrums in Landstuhl, wie belastend und unplanbar dieses Jahr für die Pflege ist. Er habe vor Weihnachten die Bevollmächtigten und die noch selbst entscheidenden Bewohner wegen der Impfeinwilligung schriftlich angefragt. „Zehn Seiten pro Person!“, stöhnt auch er über die Bürokratie. Er stehe in ständigem Kontakt mit der Impfkoordination in Mainz und hofft, dass es „Mitte Januar losgehen kann“.

Aktionismus beklagt

Die Politik stelle jedoch die Heime vor etliche Herausforderungen: Er habe noch nicht die definitive Aussage erhalten, dass ein Aufklärungsgespräch durch den Hausarzt unnötig sei. So sieht er einerseits das Problem, dass viele Praxen derzeit geschlossen seien und andererseits habe er gehört, dass die Ärzte solche Gespräche eventuell nicht vergütet bekämen.

Generell sieht er derzeit zu viel Aktionismus und auch Lobbyismus: „Wonach wurden die Heime ausgewählt, die vorgeprescht sind?“, stellt er in den Raum. Er hat das Gefühl, dass die Pflege verbrannt werde und fürchtet eine weitere Spaltung der Gesellschaft durch die Diskussion um Privilegien für Geimpfte. „Manche Heime stellen zum Beispiel nur gegen Masern geimpfte Pfleger an. In diesen Beruf zu gehen, werden sich immer mehr vorher überlegen“, fürchtet er einen zunehmenden Pflegenotstand.

Obwohl er zwei Personen zusätzlich organisiert habe, schaffe es das Heim nicht, Besucher zu testen, sondern nur das Personal. Dass die Heime im Frühjahr sechs Wochen schließen mussten, „bei Infiziertenzahlen, über die wir jetzt lächeln“, und in denen niemand vereinsamt sei, sie jetzt aber für Besucher geöffnet haben müssen, entbehre für ihn jeder Logik.

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