Kreis Kaiserslautern
Sembach: Jede Menge los beim Rasentrecker-Rennen
Wie im echten Rennsport: Das Rasentrecker-Rennen Neuhemsbach, das seit sechs Jahren im Gewerbepark Sembach ausgefahren wird, ist eine Bereicherung für die Region. Es gibt ein Nennbüro, eine technische Abnahme und am Schluss eine stimmungsvolle Siegerehrung.
Ausgefahren wird der „Große Preis von Sembach“ auf einer 650 Meter langen Strecke mit Gefällpassagen und Anstiegen. Interessant sind die Sonderprüfungen, zu denen sich viele Zuschauer versammeln. „Wir haben eine Tunneldurchfahrt, eine Überfahrt und einen Kreisel eingebaut“, erklärt Rennleiter Donald Betz. Geschick ist beim Ballonwerfen und Treffen gefragt, wobei Rundengutschriften erzielt werden können.
Gewitterregen schafft optimale Voraussetzungen
Durch Gewitterregen und Bewässerung finden die Teilnehmer in allen Klassen optimale Voraussetzungen vor. So auch die 39-jährige Thailänderin Sukanya Aunkaew. Sie ist mit ihrem amerikanischen Verlobten derzeit zu Gast bei Freunden in der Pfalz. Als Aunkaew das hektische Schrauben an den Rasentreckern wenige Tage vor dem Ereignis gesehen hatte, kam spontan die Entscheidung zur Teilnahme. „Das will ich auch“, sagte sie ihrem Lebenspartner und schon stellte ihr das Team Becker-Racing ein Serienmodell zur Verfügung. „Mit Pferdestärken kann sie umgehen“, sagen ihre Begleiter. Nicht zuletzt habe sie früher die tonnenschweren Lastkraftwagen ihres Vaters bewegt. Beim Rasentraktorrennen waren es dann nur 18 Pferdestärken. „Zu langsam“, resümiert die rennsportbegeisterte Frau dann schließlich, freut sich aber über ihren fünften Platz als beste Frau in der Klasse der Serienfahrzeuge.
Auf Sicherheit wird großen Wert gelegt
Bevor die Fahrzeuge an den Start gehen, werden sie einer technischen Prüfung unterzogen. „Wir legen großen Wert auf die Sicherheit“, erklärt Prüfingenieur Sebastian Schweitzer. Ganz wichtig sei, dass das Not-Aus richtig funktioniere, die Lenkung keine Mängel aufweist und dass die Bremsen ihre Leistungen bringen. Darüber hinaus werde darauf geachtet, dass die Vorgaben des Reglements eingehalten werden und sich kein Team einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Geprüft wird auch die persönliche Sicherheitsausrüstung wie Helm, Stiefel, Handschuhe und Rückenprotektor. Die Strecke selbst ist entsprechend abgesichert, sagt Vorstandsmitglied Thomas Becker.
Bis zur letzten Minute am Trecker geschraubt
„Wir haben bis zur letzten Minute an der Fertigstellung gearbeitet. Hauptsache der Rasentrecker läuft, egal in welcher Farbe“, so das Fazit von Achim Klug aus Mehlingen. Er musste ein komplett neues Gefährt aufbauen. Beim Rennen im vergangenen Jahr war ihm ein Konkurrent ungebremst ins Heck gedonnert, am Fahrzeug entstand Totalschaden. Für den 53-jährigen selbstständigen Anlagenmechaniker ist es die 14. Teilnahme. Der Spaß sei noch immer groß. Sein Prototyp ist mit einem Motor mit 413 Kubikzentimetern Hubraum ausgestattet und leistet 14 Pferdestärken. Mit dabei sind die Söhne Jan (19 Jahre) und Leon (zwölf Jahre), die in getrennten Klassen fahren. Sein Team hat letztlich die Mannschaftswertung gewonnen.
Nico Holstein hat internationale Erfahrung
Der 29-jährige Metallbau-Meister Nico Holstein aus Enkenbach-Alsenborn hat bereits internationale Erfahrungen. Als Titelverteidiger hat er große Ziele und vertraut dabei auf sein Gefährt, das er mit Sven Kraft teilt. Die Krone auf dem Kotflügel erinnert an den Erfolg im vergangenen Jahr. Nach einem guten Start und der Führung gab es zur Mitte des Rennens der Prototypen technische Probleme, so dass es letztlich nur ein Mittelfeldplatz wurde.
Wieder gut in Form ist Weltmeister Bob Koedinger. Der Luxemburger musste wegen der Verletzung eines Fingers nach einem Arbeitsunfall auf Rennen verzichten, war aber in Sembach am Start. Am Samstag gewann der 33-jährige Schlosser das Nachtrennen und am Sonntag die Klasse der Super-Standard.
Als Team sind sie in der Deutschen Rallye-Meisterschaft unterwegs, in Sembach waren sie gemeinsam auf einem Rasentrecker: Doch den Erfolg im Rallyesport konnten Marco Thomas aus Nonnweiler und Benedikt Preissmann aus Obertiefenbach nicht auf die wenigen Pferdestärken übertragen. Letztes Jahr wurden sie deutsche Vize-Meister in der Klasse der Fahrzeuge bis 1600 Kubikzentimeter Hubraum, mit den 500 Kubikzentimeter gab es technische Probleme und somit keine Platzierung. „Es ist eine verrückte Veranstaltung, die aber Spaß macht“, resümieren die Rallyepiloten nach einem Abstecher in die Pfalz.
Mit der Rennveranstaltung war auch die Ausstellung von historischen Nutzfahrzeugen verbunden. Geboten wurde ein Unterhaltungsprogramm mit viel Musik. So am Freitag mit DJ Danny Malle und am Samstag die Traktorparty mit der Band „Magic“.
Ergebnisse
Prototypen: 1. Hardttrecker-Racing mit Roland Weber/Niklas Weber, 122 Punkte; 2. Team Korz mit Dominik Korz/Luca Bärtzler, 121 Punkte; 3. Becker-Racing mit Alexander May/Philipp Becker, 115 Punkte; Super-Standard: 1. Bob Koedinger, 75 Punkte; 2. Markus Müller, 68 Punkte; 3. Christian Soest,61 Punkte; Serie Plus: 1. Team Rölle mit Nikolai Rölle, 110 Punkte; 2.Betzemänner mit Alex Simonis/Florian Hoffmann, 109 Punkte; 3. Fremgen-Racing mit Fabienne Hintner, 97 Punkte; Serie: 1. Betzemänner mit Fynn Betz, 89 Punkte; 2. Renntreckerfreunde Pfalz mit Paul Kraft/Tim Martin, 87 Punkte; 3. Becker-Racing mit Max Bräuning, 86 Punkte; Abendrennen: 1. Bob Koedinger, 35 Runden; 2. Markus Müller, 31 Runden; 3. Ralf Kögler, 29 Runden; Teamwertung: 1. Shark-Racing, 87 Punkte; 2. Renntreckerfreunde Pfalz,80 Punkte; 3. Betzemänner, 76 Punkte.