Kreis Kaiserslautern
Sembach: Düngerfirma Lebosol floriert und will weiter expandieren
An zwei Standorten im Gewerbepark Sembach produziert die mittelständische Lebosol Dünger GmbH Düngemittel für ganz Europa. Die florierende Firma mit Hauptsitz in Elmstein plant eine weitere Expansion. Nur das schleppende Genehmigungsverfahren bremse sie aus, klagt der Geschäftsmann.
In chemischen Prozessen werden Wirkstoffkombinationen hergestellt, mit der auf spezifische Mangelerscheinungen von Nutzpflanzen reagiert werden kann. 80 Mitarbeiter, davon sieben im Außendienst, produzieren und vertreiben Blattdünger-Kombinationen hoch automatisiert und in großen Mengen. Abnehmer ist der Großhandel.
„An dieser Maschine lässt sich die Flexibilität unserer Produktion ablesen“, erklärt der geschäftsführende Inhaber Rene Verdaasdonk. Damit öffnet er am Mittwochmittag der großen Besucherdelegation unter Führung von Landrat Ralf Leßmeister die Tür zu einem Nebenraum in der modernen Produktionshalle. Zu sehen ist eine zerklüftet wirkende Maschine aus Metall. Für den Laien erkennbar sind die mächtige Papierrolle auf der linken Seite sowie ein blau bedruckter Streifen, der über verschiedene Rollen geleitet wird.
Versand „über die europäischen Länder hinaus“
Auch Monitore zur Steuerung des Geräts fallen auf. Fast wie ein Fremdkörper erscheint dann aber eine Art vielblättrige Papierblume, die am oberen Rand aus dem metallischen Maschinenkörper ragt. Rund um eine starke Achse reihen sich in vielen Schichten schmale, längliche Papierstreifchen. Kontrollbelege sind das für die hier bereits gedruckten Etiketten, mit denen versehen die Plastikkanister ganz unterschiedlicher Größe „längst über die europäischen Länder hinaus“ versandt werden, wie Firmenchef Verdaasdonk feststellt.
Vom eigentlichen Produktionsvorgang der vielen unterschiedlichen Düngemittel ist beim Rundgang nichts zu sehen. Ins Auge fallen lediglich die mächtigen Edelstahl-Silos in dem hohen Hallenkomplex. Ein filigranes Rohrleitungssystem durchzieht die hallenhohe Anordnung der Behälter. Das eine oder andere Silo ist zudem ausgestattet mit Apparaten, von denen einige aussehen wie Elektromotoren. Es sind flüssige Düngermischungen, die hier entstehen. In den Räumen zwischen den Stahlbehältern stehen hier und da Kunststoffkanister in Ausmaßen von Paletten für den Transport der Spezialdünger.
Behälter werden für die BASF mit AdBlue befüllt
Eine weite Fläche innerhalb der Produktionshalle nimmt die vollautomatische Abfüllanlage ein. Hier könne das Abfertigen von Kunststoffkanistern unterschiedlicher Größe und Gebinde zwischen vier und 1000 Litern kontrolliert und gesteuert werden, erläutert Prokurist Franz Schön. Zurzeit würden Behälter mit AdBlue befüllt, dem Zusatz zur Entgiftung der Abgase von Dieselmotoren. Für die BASF werde dieser Auftrag ausgeführt, um auch saisonale Produktionsschwankungen auszugleichen, ergänzt Verdaasdonk.
„Begonnen hat die Entwicklung des Unternehmens im Jahre 1985 in Deidesheim“, hatte Verdaasdonk zuvor zur Geschichte der Firma erklärt. Drei Mitarbeiter hätten von dort aus den Vertrieb des Düngemittels Aminosol besorgt. Ein großer Entwicklungsschritt sei dann im Jahre 2007 erfolgt mit dem Aufbau der firmeneigenen Produktion in der Sembacher Zeppelinstraße. Eine weitere Produktionsstätte wurde 2014 ein paar Straßen weiter in Betrieb genommen, so der Geschäftsführer. Nunmehr 58 Mitarbeiter seien im Unternehmen mit dem Produktionsbeginn in der Junkersstraße beschäftigt gewesen. Seit 2004 befinde sich der eigentliche Firmensitz mit sieben Mitarbeitern im Elmsteiner Ortsteil Iggelbach. „Wenn ein Lkw-Fahrer diesen mit der Adresse einer Produktionsanlage verwechsele“, so der Geschäftsführer, „dann haben wir zwei Stunden damit zu tun, um das Fahrzeug rückwärts wieder auf die normale Straße zu bringen.“
„Es geht nicht nur darum, im Landkreis für die Neuansiedlung von Firmen zu sorgen“, erklärte Landrat Leßmeister. Ihm gehe es natürlich auch darum, die bereits ansässigen Firmen zu unterstützen. So sei er auch hier, um sich über die strategische Ausrichtung des Unternehmens zu informieren.
Das große Problem seien die immer komplizierter werdenden Genehmigungsverfahren, entgegnete Verdaasdonk. „Vor einigen Jahren ist es so gewesen, dass bestimmte Anforderungen erfüllt sein mussten“, dann habe es losgehen können, erinnerte sich der Geschäftsführer. Heute sei es so, dass das Genehmigungsverfahren „häppchenweise“ ablaufe. Kaum sei eine Etappe geschafft, gebe es weitere Bedingungen für den Baubeginn.
Dünger aus Bierabfällen
„Wir planen eine Erweiterung unserer Produktion für Düngemittel, die aus Abfällen der Bierproduktion hergestellt werden können“, sagte Verdaasdonk. Hier müsse mit einem Genehmigungsverfahren gerechnet werden, das zwei bis drei Jahre dauere. Das sei anderswo leichter, erklärte der Geschäftsführer. Die rumänischen und bulgarischen Lebosol-Tochterfirmen könnten dort mit einer Erlaubnis zur Firmenerweiterung binnen sieben Wochen rechnen, argumentierte der Firmenchef. Er betonte dabei, dass es ihm aus eigenem Interesse darum gehe, gesetzliche Bestimmungen einzuhalten. Er schätze auch die gute Infrastruktur hierzulande, aber die wachsenden bürokratischen Hürden lähmten die Flexibilität von Unternehmen.