Kreis Kaiserslautern
Sembach: Anwohner fordern Maßnahmen gegen Raser auf der L393

Der Abschnitt der L393 im Süden Sembachs, der zwischen den beiden Kreiseln am Gewerbepark verläuft, wird als Rennstrecke missbraucht: Dieser Ansicht sind die Anwohner der Passage. Auch der Lärm, der offenbar durch manipulierte Auspuffanlagen von den vorbeifahrenden Autos verursacht wird, nervt sie.
„Die Schilder erlauben 70 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit, auch an dieser schwer einsehbaren Zufahrt zur Siedlung“, beschwert sich Brigitte Ohrenberg. Aber sehr viele Motorrad- und Autofahrer hielten sich nicht an diese Begrenzung, sagt die Anwohnerin, die auf dem Eckgrundstück an der Einmündung zur Raiffeisenstraße lebt. „Zwei Unfälle hat es in letzter Zeit hier gegeben, die ganz offensichtlich mit den hohen Fahrgeschwindigkeiten zusammenhängen“, berichtet die Anwohnerin.
Am 7. Januar dieses Jahres habe eine Autofahrerin an dieser Stelle die Kontrolle über ihr Fahrzeug verloren, sei ins Schleudern geraten und schließlich in der Zaunanlage des Gewerbeparks gelandet, so Ohrenberg. Und am 17. Juli habe eine ältere Dame an der Einmündung zur Raiffeisenstraße zum Abbiegen gehalten, erzählt Jasmin Klebrowski, deren Grundstück ebenfalls an die L393 grenzt. „Ein nachfolgendes Fahrzeug hat nicht mehr rechtzeitig bremsen können und ist mit voller Wucht aufgefahren“, berichtet die Anwohnerin. Bis drei Meter vor den Swimmingpool in ihrem Garten sei das Auto der älteren Dame geschleudert worden, sagt Klebrowski.
„Der Lärm morgens und abends ist unerträglich“, klagen die Anwohner
Morgens zwischen 5 und 8 Uhr und nachmittags von 16 bis 19 Uhr sei der Lärm durch die Raser von der Landesstraße her unerträglich, berichten die Anwohner Martina und Nicole Scherer von ihrem Anwesen dort. „Im Schlafzimmer haben wir Lärmschutzfenster einbauen lassen“, fügen sie an. Der Aufenthalt sei dort und auch im Garten ohne Ohrenstöpsel gar nicht möglich, resümieren die beiden Frauen. Wilfried Frei wohnt mit seiner Familie in der Hartwiese 8. Die Grundstücke dort lägen etwas weiter von der Landesstraße entfernt, die Lärmbelästigung sei aber dort auch nicht zumutbar, erklärt der Bestattungsunternehmer.
„Morgens ab 5 Uhr geben da vor allem Mustangs und Pickups am westlichen Kreisel sehr geräuschvoll Gas“, erklärt Frei. Es seien wohl viele Amerikaner darunter, die auf dem Heuberg bei der Army arbeiteten. „Aber auch große Lkw benutzen die Straße, um in den Gewerbepark zu fahren“, meint Frei. Der zweite Kreisel dort an der Einfahrt in den Park sei nämlich viel zu eng für diese Fahrzeuge. Das sei deutlich an den Reifenspuren an dessen Randsteinen zu sehen.
„Die Gemeinde ist nicht zuständig“, sagt der Ortsbürgermeister
Er kenne die Probleme, sagt Ortsbürgermeister Fritz Hack (SPD). Er sei allerdings in diesem Fall nicht zuständig, weil die L393 außerhalb der Gemeindegrenze liege. „Ich würde mich mit den Anwohnern sehr darüber freuen, wenn dort eine Geschwindigkeitsreduzierung durchgesetzt werden könnte“, so Hack.
„Schalltechnische Berechnungen für den fraglichen Streckenabschnitt der L393 wurden unsererseits bisher keine durchgeführt“, berichtet Eva Johanna Steinecke von der Pressestelle des Landesbetriebs Mobilität (LBM). In erster Linie seien die Verkehrsbehörden der Verbandsgemeinden und Kreisverwaltungen sowie die Polizei gefragt, erklärt die LBM-Sprecherin. Werde festgestellt, dass sich Unfälle an bestimmten Stellen häuften, sei es Sache der Unfallkommission, die Situation zu beurteilen und daraus Konsequenzen zu ziehen. „Hier kommen Experten von Polizei, örtlicher Straßenverkehrsbehörde und dem LBM zusammen und diskutieren darüber.“
„Ist dort ein Unfallschwerpunkt ?“, fragt der VG-Beigeordnete
An der Einmündung der Raiffeisenstraße in die L393 seien bereits Geschwindigkeitsmessungen vorgenommen worden, sagt Jürgen Wenzel (CDU), Erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde und für den Straßenverkehr zuständig. „Entscheidend ist die Frage, ob hier ein Unfallschwerpunkt vorliegt“, erklärt der Beigeordnete. Der LBM richte sich bei der Beschilderung der Landesstraße nach den gesetzlichen Vorschriften, die eine Höchstgeschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde festlegte. „Wenn an dieser Stelle eine Ausnahme gemacht würde, wäre dies ein Präzedenzfall mit unübersehbaren Folgen“, erläutert Wenzel.
Er sei vor kurzem gemeinsam mit den Anwohnern vor Ort gewesen und habe dies so erklärt. Als Konsequenz aus dem Gespräch mit den Betroffenen habe die VG-Verwaltung die Polizei gebeten, die Unfallstatistik der letzten fünf Jahre einsehen zu dürfen. Sobald ein Ergebnis vorliege, werde über das weitere Vorgehen beraten, sagte der Beigeordnete.