Sembach
Seit 50 Jahren serviert Edda Tiano im Restaurant Portofino italienisches Essen nach Originalrezept
„Was soll ich denn sonst machen?“, fragt Edda Tiano schmunzelnd in die Runde. Sie wohnt und arbeitet seit Mai dieses Jahres seit genau fünf Jahrzehnten in der Sembacher Hauptstraße. Weit über die Ortsgemeinde hinaus bekannt sind ihre hausgemachten Pasta-Gerichte. Besonders wegen der beliebten Lasagne kommen viele Stammkunden regelmäßig vorbei. Kräuter aus dem eigenen Garten verfeinern selbst gemachte Salatsoßen. Die Pizza aus dem über 50 Jahre alten original Moretti-Steinbackofen lockt Feinschmecker an.
Über den Bruder kam sie nach Deutschland
Mit viel Leidenschaft kocht die 79-Jährige beinahe ihr ganzes Leben lang. Geboren in der nordostitalienischen Gemeinde Soccieve (Region Friaul-Julisch Venetien), arbeitete sie als junge Frau mit 17 Jahren zunächst in einer Schuhfabrik. Sie musste nicht lange überlegen, als ein Angebot aus Deutschland kam. „Mein Bruder Pio Pittini wollte in den 1960er Jahren ein italienisches Lokal in Baumholder eröffnen. Pio fragte mich, ob ich nicht eine Zeit lang bei ihm wohnen und mitarbeiten wollte.“ Wie viele so genannte Gastarbeiter hofften Edda und ihr Mann Luigi, ein gelernter Automechaniker, auf ein schönes Leben in der neuen Heimat.
Mario Mele, der frühere Pächter des Restaurants Portofino, und Eddas Bruder Pio kannten sich. So kam es, dass Mele im Jahr 1970 dem jungen Paar sein Angebot unterbreitete, das Sembacher Restaurant an seiner statt zu pachten. Auch hier versprach man sich, auf Gäste zu treffen, die mediterrane Küche zu schätzen wissen. Die Kundschaft, die es sich in den Nachkriegsjahren leisten konnte, gerne und auch spendabel italienisch essen zu gehen, bestand meist aus Angehörigen der Stationierungsstreitkräfte des US-Militärs, erinnert sich die Wirtin.
Die beiden Kinder allein großgezogen
Eddas Mann Luigi, Jahrgang 1939, stammte aus Kalabrien. Das Paar hatte sich in der Schweiz kennen- und lieben gelernt. Ein tragischer Treppensturz im September 1992 kostete ihn das Leben. „Das war sehr schwer.“ Edda Tiano ist die Betroffenheit über das Unglück noch deutlich anzumerken. Was blieb ihr anderes übrig? Sie zog die beiden halbwüchsigen Kinder Monica und Mirco neben dem Betrieb der Gaststätte alleine groß. Tochter Monica Kolender-Tiano ist heute 42 Jahre alt und lebt mit ihrem Mann Daniel in Wartenberg-Rohrbach. Der Sohn Mirco Tiano ist Inhaber der Firma Haustechnik Tiano in Börrstadt.
Von Donnerstag bis Sonntag ist das Portofino ab 18 Uhr geöffnet. Tochter Monica ist jeden Abend da und hilft ihrer Mutter, wo sie nur kann. Auch Eddas langjährige Freundin Ute Haller packt gelegentlich mit an. „Ich könnte es alleine nicht mehr machen“, gibt die 79-jährige Wirtin zu.
Wie sieht es mit der Nachfolge aus? „Darüber haben wir noch gar nicht gesprochen“, sagt die Tochter. Sie, der Bruder und dessen Sohn Marc hätten sich beruflich völlig anders orientiert. Wann die 50-Jahr-Feier des Portofino stattfindet, ist derzeit noch unklar, denn die Corona-Krise lässt noch keine größeren Treffen zu. Im Mai musste Edda außerdem den Tod eines ihrer Brüder verkraften. Er ist in Italien an Covid-19 verstorben.
Ortsbürgermeister Fritz Hack (SPD) freut sich, dass es noch drei Gaststätten in der Gemeinde Sembach gibt. „Wir sind für jeden Gewerbetreibenden dankbar.“