Ramstein-Miesenbach
Seit 20 Jahren Friedensgebete an der Air Base
Egal ob Hitze, Regen oder Schnee: zu den festen Terminen trifft sich eine Gruppe von zehn bis 15 Personen. In einem kleinen liturgischen Rahmen, der Raum für ökumenische Teilnahme lässt, übernimmt einer das Friedensgebet. „Es gibt dazu viel Literatur, aber die meisten gestalten das Gebet selbst, sodass es einen persönlich Charakter hat“, sagt Pfarrer Detlev Besier. Er ist Friedensbeauftragter der evangelischen Kirche der Pfalz, Leiter der Arbeitsstelle Frieden sowie Gründungsmitglied und Vorsitzender der Friedensinitiative Westpfalz (FIW), die das Friedensgebet organisiert. Die Wahl des Ortes ist nicht zufällig. „Die Air Base Ramstein ist spirituell gesehen ein Schmerzort, denn noch immer werden von dort militärische Aktionen gestartet, mittlerweile mit Hilfe von Drohnen.“
2002 von Mennoniten ins Leben gerufen
Das erste mahnende Friedensgebet habe allerdings das deutsche Friedenskomitee der Mennoniten in Baden-Württemberg Ende 2002 im Vorfeld des zweiten Irak-Krieges ins Leben gerufen und sich dafür Ramstein ausgesucht“, wirft Besier einen Blick zurück. „Bereits vorher hatten die Initiatoren angefragt, wer in unserer Region dazu bereit ist, mit dem Friedensgebet künftig weiterzumachen.“ Dabei seien sie auf Christoph Fuhrbach gekommen – heute Referent für Weltkirche im Bistum Speyer –, der damals Pastoralreferent in Landstuhl war. Auch Detlev Besier, zu dieser Zeit Pfarrer der Stadtkirchengemeinde Landstuhl, war sofort dabei. In ökumenischem Schulterschluss sagten beide zu, die Aktion zu übernehmen. „Daraufhin haben wir Mitstreiter gesucht, und 2003 firmierte sich ein ökumenischer Arbeitskreis.
Da es aber nicht nur um spirituelle Aspekte, sondern auch um politische ging, kam es dazu, etwas Neues aufzubauen.“ So ist 2004 die Friedensinitiative Westpfalz entstanden. 2003 und 2004 wurde jeden Samstag ein Friedensgebet abgehalten. „Anfangs direkt vor dem Haupttor der Air Base, doch das hat uns die Militärverwaltung schließlich untersagt. Daraufhin sind wir auf den Parkplatz an der Gedenkstätte, die an die Opfer des Flugschauunglücks erinnern, ausgewichen.“
„Die Militärpolizei kontrolliert regelmäßig“
Die Versuche, Kontakt mit den Standortgeistlichen der Air Base zu knüpfen, seien leider ohne Erfolg geblieben. „Unsere Einladungen werden nur selten beantwortet. Ebenso selten kommt jemand in Zivil vorbei. Dafür kontrolliert die Militärpolizei regelmäßig, ob wir befugt sind, da zu stehen. Dabei ist das alles abgesegnet, die Ordnungsbehörde bekommt unsere Termine zum Friedensgebet für das ganze Jahr.“
Inzwischen finden die Friedensgebete nicht mehr wöchentlich, sondern einmal im Monat statt. „Denn bei unserer recht kleinen Gruppe wäre jeder zu oft an der Reihe. Dazu ist die Vorbereitung einfach zu zeitintensiv“, sagt Detlev Besier. Er wünscht sich eine größere Beteiligung der Bevölkerung. Dabei ist das Engagement der FIW ungebrochen. Sie klärt regelmäßig über friedenspolitische Themen auf – etwa in Schulen und mit Ständen auf verschiedenen Wochenmärkten. „Die Resonanz ist gut, wir bekommen viel Zuspruch für unsere Arbeit, an aktiver Mitwirkung mangelt es aber trotzdem“, sagt Detlev Besier. „Obwohl Frieden doch ein Thema ist, das alle angeht.“
Diesmal geht es um Kinder
Beim nächsten Friedensgebet am Samstag, 5. Februar, wird die FIW eines wichtigen Datums gedenken: dem 12. Februar 2002, an dem das Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention in Kraft getreten ist und den Einsatz von Kindersoldaten in militärischen Konflikten verboten hat. 168 Staaten sind ihm beigetreten. Dennoch werden Kinder weiterhin missbraucht – für Kriege, die nicht abreißen wollen. „Deshalb werden wir nicht aufhören mit unserer Friedensarbeit, auch wenn es wahrscheinlich eine leider unendliche Geschichte ist.“