Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Schwimmkurse werden unter schwierigen Bedingungen fortgesetzt

Gar nicht so einfach: In Coronazeiten schwimmen zu lernen, stellt alle Akteure vor große Herausforderungen.
Gar nicht so einfach: In Coronazeiten schwimmen zu lernen, stellt alle Akteure vor große Herausforderungen.

Diejenigen, die schon schwimmen können, konnten sich in diesem Coronajahr wenigstens über eine kurze Freibadsaison freuen. Wer aber erst schwimmen lernen wollte, hatte schlechte Karten. Denn die Kurse, die im Frühjahr gestartet waren, wurden wegen des Lockdowns gestoppt. Wie es jetzt weitergeht, berichten Vereine und das Freizeitbad Azur.

„Es ist eine Herausforderung“, sagt Heiko Lenhardt, der Betriebsleiter des Freizeitbades Azur in Ramstein-Miesenbach, über die Wiederaufnahme der Schwimmkurse. Dabei hat er weniger die Hygienevorschriften im Sinn – Ordnung und Sauberkeit seien ohnehin zu allen Zeiten oberstes Gebot im Bad und im gechlorten Wasser bestehe kaum die Gefahr, sich dort zu infizieren –, als vielmehr das Abstandsgebot. Daraus nämlich ergeben sich weitreichende Folgen.

Kleinere Kurse, längere Wartezeiten

Um im Becken, wo keine Mund-und-Nasen-Bedeckungen getragen werden können, ausreichend Platz zum Mitschwimmer zu haben, dürfen sich derzeit nur 175 Menschen gleichzeitig im Schwimmbad aufhalten. Da Schulen, Vereine, Bundeswehr und Privatpersonen das Azur nutzen, kann diese Grenze zu manchen Zeiten schnell erreicht sein. Die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) und das Azur selbst, die beide Kurse anbieten, in denen Kinder das Schwimmen lernen können, haben deshalb ihre Kursgrößen reduziert. Fünf bis sechs statt sechs bis acht Teilnehmer seien es jetzt nur noch in den Azur-Kursen, sagt Lenhardt. Dadurch blieben allerdings immer Kinder übrig, die dann auf eine Warteliste gesetzt würden. „Wer sich heute anmeldet, kriegt im Frühjahr einen Platz“, bedauert der Badleiter. Denn mehr Kurse könnten nicht angeboten werden, da zum einen Wasserzeit, zum anderen Personal dafür fehle. Zudem müsse jetzt erst einmal nachgearbeitet werden. Vieles, was in den vier vor der Zwangspause gehaltenen Unterrichtsstunden gelernt wurde, sei über den Sommer mit Sicherheit wieder in Vergessenheit geraten. Daher sollen, je nach Bedarf, ein bis zwei Stunden angehängt werden, stellt Lenhardt in Aussicht.

Eltern schicken derzeit weniger Kinder

Auch die DLRG trainiert mit kleineren Gruppen. „Ich bin froh, dass manche Eltern ihre Kinder nicht bringen“, gibt Gerhard Wagner, der Vorsitzende der Ramstein-Miesenbacher Ortsgruppe, zu. Ob dies aus Angst vor Ansteckung oder anderen Gründen geschehe, wolle er noch eruieren. Fest steht: Da weniger Kinder gleichzeitig ins Becken dürfen, hätte der Verein bei zu viel Andrang ein Problem. Seit dem 18. August hat die DLRG ihren Trainingsbetrieb probehalber wieder aufgenommen. Bis zu den Herbstferien können wieder alle Kinder und Jugendlichen in ihren nach Leistungsfähigkeit gestaffelten Gruppen üben, und auch die im März unterbrochenen Schwimmenlernkurse mit dem Ziel Seepferdchen werden jetzt fortgesetzt. „Neue bieten wir noch nicht an“, will Wagner erst abwarten, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt. Bleibe alles stabil, sei nach den Ferien aber ein fast normales Training denkbar.

Viel Abstand, wenig Körperkontakt

Erschwert wird das Unterrichten allerdings dadurch, dass der Kontakt zwischen Trainern und Kindern eigentlich vollständig unterbleiben soll. Die Anleitung, wie beispielsweise der Beinschlag ausgeführt werden solle, sei so schwieriger, sagt Lenhardt. Normalerweise würden die Kinder einmal durch die Bewegung geführt, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Jetzt „versuchen wir vieles vorzumachen“, berichtet der Betriebsleiter.

Jede zweite Dusche ist gesperrt

Ein wirklicher Flaschenhals, durch den das ganze System mächtig ins Stocken gerate, sei jedoch das Duschen, sind sich Lenhardt und Wagner einig. Jede zweite Dusche sei aufgrund der Auflagen derzeit gesperrt, sodass nur fünf Personen gleichzeitig die sanitären Anlagen nutzen könnten, sagt Lenhardt. Da aber alle Schwimmkursteilnehmer sowie alle anderen Badbesucher vor und nach dem Beckengang duschen sollten, ergibt sich gerade für die größeren Gruppen der DLRG ein zeitliches Problem. Denn der Verein unterrichtet immer mehrere Gruppen parallel, wie Wagner sagt, da die Wasserzeiten eben begrenzt seien. Wenn also 30 Kinder zur gleichen Uhrzeit anfangen wollen, müssten sie zuvor in sechs Gruppen durch die Dusche geschleust werden. Organisatorisch und zeitlich sei das kaum leistbar. Daher bittet die DLRG ihre Schüler, frisch geduscht ins Bad zu kommen und schickt sie nach dem Schwimmen zum Duschen nach Hause.

Lehrschwimmbecken noch geschlossen

Leider noch nicht wieder ins Wasser können die Kinder, die beim Verein Sport plus in Landstuhl zum Schwimmkurs angemeldet sind. Mindestens bis zu den Herbstferien sei das Lehrschwimmbecken des Sickingen-Gymnasiums, das vom Verein genutzt wird, für sie noch geschlossen, bedauert Trainerin Jasmin Andrä. Ausweichmöglichkeiten gebe es für die Schwimmanfänger derzeit keine. Im Landkreis käme da nur das Freizeitbad Azur infrage, das aber eben schon gut ausgelastet sei. Lediglich mit den Kindern, die bereits schwimmen könnten, gehe sie momentan nach Ramstein-Miesenbach.

Nach den Ferien würde Andrä gerne die unterbrochenen Kurse weiterführen. Auch sie kalkuliert mit Nachholstunden, um das, was den Schwimmneulingen nicht mehr geläufig ist, aufzufrischen.

Die Nachfrage nach neuen Schwimmkursen halte sich im Moment übrigens noch in Grenzen. Ein bis zwei Anfragen erreichten sie pro Woche. „Aber ich weiß ja noch nicht, wann es weitergehen kann“, weist sie auf die schwierige Situation hin.

Immer weniger gute Schwimmer

Dass durch das coronabedingte Schließen der Bäder und das Aussetzen der Schwimmkurse die Schwimmfähigkeit der Gesellschaft weiter abnimmt, glaubt Andrä durchaus. „Ich würde schon sagen, dass sich das negativ auswirkt.“ Viele seien in diesem Jahr aufgrund der Pandemie und der lange geschlossenen Freibäder nicht schwimmen gegangen.

Diese fehlende Praxis sieht auch DLRG-Mann Wagner mit Sorge. Es sei eben mitnichten so, dass jemand schwimmen könne, nur weil er einmal einen Kurs gemacht habe. Erst durch kontinuierliches Training werde Sicherheit im Wasser erreicht. Nach dieser langen Pause könnte es sein, dass weniger Kinder und Jugendliche ins Becken zurückkehrten. Viele seien durch Schule und andere Aktivitäten ohnehin stark gefordert. „Momentan sehe ich es so, dass das halbe Jahr, das wir ausgesetzt haben, verloren ist“, sagt Wagner.

Kommentar:

Mehr Bäder!

Schwimmen können ist wichtig, manchmal hängt das Leben davon ab. Doch immer weniger Menschen in Deutschland lernen es, sich gut über Wasser zu halten.

Sicher liegt das zum einen an den Menschen selbst. Sie setzen andere Prioritäten. Zum anderen fehlt ihnen aber auch schlicht die Gelegenheit. Früher gehörte zu jeder Stadt mindestens ein Hallen- und ein Freibad. Mittlerweile sind die meisten Bäder geschlossen und die, die noch existieren, bieten eher Wellenbecken und Strömungskanal zu hohen Eintrittspreisen, statt Bahnen zum kostengünstigen Schwimmen.

Im gesamten Kreis Kaiserslautern gibt es nur noch ein Hallenbad, nämlich das in Ramstein-Miesenbach. Dort tummeln sich alle, die rund ums Jahr das auch gesundheitlich so gepriesene Schwimmen praktizieren wollen.

Und natürlich kommt es dort dann auch zu Gedränge. Dieses muss aber jetzt, in Pandemiezeiten, verhindert werden. Also werden nicht mehr alle eingelassen, die schwimmen wollen. Also werden Schwimmkurse verkleinert. Also verlängern sich Wartelisten. Also werden einige erst im nächsten Jahr kraulen oder Brustschwimmen lernen. Oder sie verzichten gleich ganz auf diese Art der Freizeitgestaltung, weil sie dauerhaft keine Lust auf zu volle Becken haben. Will der Staat keine Gesellschaft von Nicht-Schwimmern, muss er investieren – in mehr Bäder in der Fläche, in denen alle zu erschwinglichen Preisen ihre Bahnen ziehen können.

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