Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Schwimmbäder suchen Fachkräfte

Das Freibad-Becken des Freizeitbads Azur in Ramstein-Miesenbach ist undicht und kann in diesem Jahr nicht betrieben werden.
Das Freibad-Becken des Freizeitbads Azur in Ramstein-Miesenbach ist undicht und kann in diesem Jahr nicht betrieben werden.

Fachkräfte werden vielerorts händeringend gesucht. Auch die Schwimmbäder im Landkreis stehen hier vor einem Problem. Gut ausgebildetes Personal, gerade was die Schwimmaufsicht angeht, ist nicht leicht zu finden. Die Suche nach Lösungen läuft.

Was, wenn nicht genügend Personal gefunden werden kann? Kann das zur Schließung oder teilweisen Schließung an einzelnen Tagen der Bäder im Landkreis führen? Die RHEINPFALZ hat sich bei den Verbandsgemeinden zu diesem Thema umgehört.

Das Freibad-Becken kann nicht betrieben werden

Das Becken im Freibad im Freizeitbad Azur in Ramstein-Miesenbach kann nach Auskunft von Ralf Hechler (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde, in diesem Sommer nicht betrieben werden. Ein Grund ist Personalmangel, ein anderer ist technischer Natur: „Das Freibad-Becken ist undicht und verliert in großem Maß Wasser. Uns läuft die Brühe in die Wiese. Da kann man regelrecht zugucken, wie der Wasserpegel in einer Woche im Becken absinkt.“ Von der Schließung nicht betroffen seien dagegen die Becken im Hallenbad und das kleine Warmbecken im Freien. Auch die Liegewiese und der Spielplatz könnten natürlich genutzt werden. Die Pläne für die dringend nötige Sanierung des Bads hat die Verbandsgemeinde schon seit vier Jahren in der Schublade. Sie hatte sich um Fördergelder in Höhe von rund sechs Millionen Euro beim Bund beworben. Mit den bereits vom Land bewilligten Fördergeldern von rund drei Millionen Euro, hätte sich die Verbandsgemeinde die Sanierung leisten können. Doch das Azur wurde in der jüngsten Förderrunde vom Bund nicht berücksichtigt. Jetzt müsse man abwarten. Falls bei einem der Projekte, das auf der Förderliste stehe, dann doch die Eigenmittel fehlen sollten, hätte die Verbandsgemeinde möglicherweise noch eine Chance, an Gelder zu kommen, so Hechler. Aufgeben komme aber nicht in Frage: „Wir fahren noch mal nach Mainz.“

Zur Zeit sind im Azur vier Stellen ausgeschrieben. Gesucht werden ein stellvertretender Betriebsleiter, zwei Fachangestellte für Bäderbetriebe und ein technischer Mitarbeiter. Aus Sorge, dass die Sanierung auch eine längere Umbau- und Schließzeit mit sich bringt, hätten sich einige Mitarbeiter anderweitig orientiert. Der Personalmangel liege aber auch daran, dass viel zu wenige Fachkräfte ausgebildet würden. „Die Bezahlung ist nicht unbedingt super, aber okay. Wenn man aber bedenkt, dass die Arbeitszeiten an Wochenenden, Feiertagen und in Ferienzeiten liegen ist die Bereitschaft, das dauerhaft zu tun leider immer geringer.“

Genügend Aushilfskräfte

Vier Schwimmbäder gibt es in der Verbandsgemeinde (VG) Enkenbach-Alsenborn. Das beheizte Freibad im Ortsteil Alsenborn sowie die Freibäder in Mehlingen und Hochspeyer sind im Sommer geöffnet. Die Schwimmhalle der Bereitschaftspolizei in Enkenbach-Alsenborn steht in den Wintermonaten an zwei Tagen für die Öffentlichkeit zur Verfügung. Leider seien die Bäder nicht vom Fachkräftemangel verschont geblieben, sagt der Leiter der Zentralabteilung der VG, Markus Wagner. Die Ortsgemeinde Hochspeyer habe sich daher in diesem Jahr entschlossen, einen Ausbildungsplatz zum Fachangestellten für Bäderbetriebe anzubieten. Enkenbach-Alsenborn erwägt einen solchen Ausbildungsplatz möglicherweise noch in diesem Jahr bereitzustellen. Auch wenn die Sicherheit der Badegäste oberste Priorität habe, müsse in den Freibädern ein effizienter und wirtschaftlicher Personaleinsatz im Auge behalten werden. Daher werde das in verschiedenen Schichten zum Einsatz kommende Stammpersonal bei Bedarf durch Aushilfskräfte verstärkt. Den dabei zum Einsatz kommenden Rettungsschwimmern werde ein großes Maß an Flexibilität abverlangt. Die Fluktuation sei in diesem Bereich recht hoch, da diese Aushilfstätigkeiten oft von Schülern und Studenten wahrgenommen werden. In den drei Freibädern der Ortsgemeinden Enkenbach-Alsenborn, Hochspeyer und Mehlingen gebe es derzeit aber keine Probleme, genügend Aushilfskräfte zu gewinnen.

Schwieriger sehe es bei der Beschäftigung von Fachangestellten für Bäderbetriebe oder Meister für Bäderbetriebe aus. Die Ortsgemeinde Mehlingen musste sich in diesem Jahr um die Einstellung von zwei neuen Fachkräften bemühen. Die Stelle des Betriebsleiters konnte mit einem Fachangestellten für Bäderbetriebe besetzt werden, eine weitere Stelle ist derzeit ausgeschrieben. Für das Freibad Enkenbach-Alsenborn soll eine weitere Fachkraft in Teilzeit zum Einsatz kommen, um dort einen flexibleren Personaleinsatz zu gewährleisten. Es sei nicht auszuschließen, dass die Öffnungszeiten der Freibäder bei einer Erkrankung der Fachkräfte eingeschränkt werden müssen. Wenn weniger Personal zur Verfügung steht, müssten die Angebote zurückgefahren werden, damit weiterhin die Sicherheit der Badegäste gewährleistet werden könne.

Entspannt in die Saison

In der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg sieht man der kommenden Badesaison entspannt entgegen. „Der Vorteil unseres Naturbades gegenüber anderen Bädern ist, dass hier keine technischen Anlagen zur Wasseraufbereitung betrieben werden müssen, was entsprechende Fachkunde der Bediensteten erfordert“, erläutert Werner Laubscher, stellvertretender Werkleiter der Eigenbetriebe Wasserwerk und Kanalwerk der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg. Stadtbürgermeisterin Martina Stein sagt: „Wir arbeiten in Otterberg immer mit einer Badeaufsicht und Reinigungspersonal, das von Fremdfirmen gestellt wird. Derzeit läuft bei diesen Firmen eine Anfrage unsererseits.“

„Bei Gehalt noch Luft nach oben“

Für Andreas Traumer, Fachbereichsleiter zentrale Dienste bei der Verbandsgemeinde Bruchmühlbach-Miesau, ist der Fachkräftemangel für Personal in den Bädern unbestreitbar. Eine große Rolle spiele die Vergütung. „Im Hinblick auf die Arbeitsleistungen im Bereich Technik und Chemie und der Verantwortung für die Betriebssicherheit und die Badbesucher ist hier sicher noch Luft nach oben“, meint Traumer. Eine Änderung obliege den Tarifvertragsparteien. Vor Ort könne man nur im Rahmen des geltenden Tarifvertrages für den öffentlichen Dienst agieren. Auch die Arbeit in den frühen Abendstunden und an Sonn- und Feiertagen wolle nicht jeder auf sich nehmen. Regelmäßige Arbeitszeiten und viele Freizeitphasen seien den Arbeitnehmern sehr wichtig geworden. Daher werde es immer wichtiger, die Attraktivität für den Beruf der Fachkraft für Bäderbetriebe durch eine bessere Vergütung, aber auch durch mehr Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten zu steigern.

Aktuell seien im Waldwarmfreibad Miesau zwei sehr gut ausgebildete und erfahrene Fachkräfte tätig, mit denen die Saison 2022 mit 67.345 Besuchern gut bewältigt wurde. Mit einer weiteren Fachkraft wäre man in der Lage, den Betrieb des Bades ohne Einschränkungen dauerhaft zu gewährleisten. Hier sei man dabei nachzurüsten, um auf den eigentlich planmäßigen Stand zu kommen. Bei den Badeaufsichten wolle man wieder auf bewährte Kräfte aus dem Vorjahr zurückgreifen. Viele hätten bereits signalisiert, dass sie wieder unterstützen würden. „Aktuell gehen wir davon aus, dass der Betrieb des Waldwarmfreibades in der Saison 2023 ohne Einschränkungen gewährleistet ist“, prognostiziert Traumer.

„Nahezu 100-prozentige Jobgarantie“

„Unsere Personalsituation hinsichtlich der Fachkräfte und Aufsichten bei unseren beiden Freibädern in Trippstadt und Landstuhl ist zwar angespannt, aber noch ausreichend“, sagt der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Landstuhl, Peter Degenhardt. „Im Gegensatz zu anderen Badbetreibern können wir unseren Fachangestellten für Bäderbetriebe anbieten, im Winter im Cubo (Sauna- und Wellnessanlage in Landstuhl, Anm. d. Red.) und damit das ganze Jahr über nicht fachfremd beschäftigt zu werden.“ Punktuell habe man in den vergangenen Jahren auch auf Fachpersonal von Personaldienstleistern zurückgegriffen. Aktuell sei eine Fachkraft für Bäderbetriebe in Ausbildung und eine weitere Ausbildungsstelle ausgeschrieben. „Die angespannte Personalsituation liegt meines Erachtens nach am allgemeinen Fachkräftemangel und eher nicht in der Bezahlung begründet. Der Beruf des/der Fachangestellten für Bäderbetriebe ist ein anspruchsvoller und sehr interessanter Beruf mit chemischen, biologischen und vielen technischen Aspekten und überdies mit einer nahezu 100-prozentigen Jobgarantie. Vielleicht muss es sich wirklich noch mehr herumsprechen, dass dieser Beruf mit dem herkömmlichen Bild des ,Bademeisters’ nicht mehr viel zu tun hat.“

Eigene Rettungsschwimmer ausbilden

Die VG Weilerbach verfügt über das Waldfreibad in Rodenbach. Hier würden immer wieder vor Ort eigene Rettungsschwimmer ausgebildet, wie Bürgermeister Ralf Schwarm erklärt. Dazu zählten auch Studenten. „Damit fahren wir im Allgemeinen sehr gut.“ Dank spricht Schwarm in diesem Zusammenhang an den Bademeister Thomas Metzger aus, „der dies als Ausbilder hierzu darf und auch sehr gut macht“. Viel wichtiger sei aber, dass man auch ausreichend Fachkräfte für die Bädertechnik hat – eine müsse immer im Bad anwesend sein. „Nachdem wir einen Azubi hierzu übernehmen konnten, nachdem dieser die Prüfung 2022 abgelegt hat, sind wir gut aufgestellt.“ Gebe es krankheitsbedingt dauerhaft oder längerfristig Ausfälle, könne dies auch zu Badschließungen führen. „Wir haben in der Verwaltung auch eine Stelle neu besetzt – mit einer Person, die zufällig auch Fachkraft für Bädertechnik ist. Im Notfall, aber auch nur dann, würden wir darauf zurückgreifen“, sagt Schwarm. 2023 beginne wieder ein Azubi mit der Ausbildung.

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