Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Schweinepest setzt Landwirte noch weiter unter Druck

Die Afrikanische Schweinepest bedroht nicht nur Wildschweine, sondern auch Zuchttiere.
Die Afrikanische Schweinepest bedroht nicht nur Wildschweine, sondern auch Zuchttiere.

Die Bauern sehen sich mit immer höheren Auflagen bei weiter sinkenden Preisen konfrontiert. Ein Dilemma, zu dem jetzt auch noch die in Deutschland angekommene Afrikanische Schweinepest kommt. Die Luft zum Überleben ist arg dünn, sagt Jürgen Vogelgesang, der Bauernvorsitzende im Kreis Kaiserslautern.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Afrikanische Schweinepest (ASP) Deutschland erreicht. Seit vergangenem Donnerstag ist es nun Gewissheit: Deutschland hat den Status „ASP-frei“ verloren. Im brandenburgischen Spree-Neiße-Kreis wurde an einem Wildschweinkadaver das ASP-Virus bestätigt.

Prompt kamen erste internationale Reaktionen: Südkorea hat der Einfuhr von Schweinefleisch aus Deutschland direkt einen Riegel vorgeschoben. China, ein weiterer großer Importeur von Schweinefleisch, inzwischen auch. Für den Menschen ist ASP ungefährlich. Schweinefleisch kann weiter bedenkenlos verzehrt werden. Für Haus- und Wildschweine bedeutet das Virus dagegen eine tödliche Gefahr.

Die Behörden in Brandenburg versuchen alles, um das ASP-Virus in Schach zu halten. Der Landkreis Kaiserslautern ist schon lange in Alarmbereitschaft, was ASP angeht. Die Jäger geben alles, um den Wildschweinbestand zu begrenzen, und auch die Viehhalter haben zur Sicherung der Bestände bereits umfangreiche Biosicherungs-Maßnahmen ergriffen. Im Kreis Kaiserslautern gibt es mit etwa 20 schweinehaltenden Betrieben nicht mehr wirklich viele Schweinehalter, die um ihre Tiere bangen müssen. Keine 4000 Schweine leben hier in den Stallungen. Ein kleiner Vergleich: Vor 50 Jahren gab es im Kreis immerhin noch 19.300 Schweine.

Die Kostenspirale für die Landwirte dreht sich weiter

„Die Luft für unsere Betriebe ist sehr dünn“, sieht Jürgen Vogelgesang, der Kreisbauernvorsitzende aus Martinshöhe, die letzten Bauern auch ohne ASP schon am Limit. Der nun erfolgende Druck auf den Fleischmarkt werde die Kostenspirale auch für die Bauern vor Ort weiter in existenzbedrohende Zustände drehen.

Unabhängig von ASP werden die Bauern laut Vogelgesang mit immer mehr kostentreibenden Auflagen überzogen, die sich aber in keiner Weise in einem analog steigenden Preis auffangen lassen. „Der Verbraucher hat sich gerade jetzt – in Zeiten von Corona – laut und deutlich für uns, die bäuerliche Landwirtschaft, wie wir sie hier im Landkreis eben noch haben, ausgesprochen“, bedauert der Landwirt, dass es nur beim Reden geblieben sei.

Von einer Bereitschaft der Verbraucher, das Wirken der regionalen Bauern auch nur im Ansatz zu honorieren, sei jedenfalls nichts zu spüren. Das Gegenteil sei der Fall. Vogelgesang verweist dabei auf einen Schlachtschweinepreis, der auch schon vor dem ASP-Ausbruch in Deutschland keine Entlohnung der Betriebe, sondern ein Trauerspiel war. Auf dem Markt für Schlachtrinder sehe es inzwischen auch nicht besser auch. Der sei derzeit keineswegs überfüllt, dennoch kommen beim Erzeuger schon wieder fünf bis zehn Cent je Kilo weniger an – und das von einem ohnehin nicht auskömmlichen Preis.

Vogelgesang: Die Landwirte haben längst keinen Mindestlohn mehr

„Uns wird dann entgegen gehalten, dass in den Schlachthöfen durch die aktuellen Auflagen höhere Kosten anfallen“, kann der Bauer nicht fassen, dass diese Mehrkosten, die nach den Skandalen den Schlachthöfen entstanden sind, nun einfach nach unten an die Erzeuger abgedrückt werden. „Jeder, der dort seinen Job macht, muss angemessen entlohnt werden“, ist es für Vogelgesang völlig richtig, wenn die Löhne im Schlachthof der Leistung angepasst werden. Nur: die Bauern hätten schon lange nicht einmal umgerechnet einen Mindestlohn und sollten nun erneut Abstriche akzeptieren. „Unsere Maschinen sind geleast oder gehören schon lange der Bank. Wer einen neuen Stall gebaut hat, sitzt auf einem Berg Schulden. Das ist schon lange Realität“, sagt der Bauer.

„Das treibt mich um. Es geht immer nach unten. Was will der Verbraucher eigentlich“, stellt sich für den Bauern Frust und die Gewissheit ein: Die vieh- und fleischhaltenden Betriebe halten das nicht mehr lange durch. Der Verbraucher könne sicher sein, dass Billigfleisch aus dem Ausland auch dann noch bereit stehe, wenn es längst keinen Pfälzer Vieherzeuger mehr gebe. Wo dann jedoch das Tierwohl, die Nähe zum Erzeuger, zur Regionalität sein sollen, so wie es die Politik und auch der Verbraucher vollmundig fordern, das könne er beim besten Willen nicht erklären.

Info

Durchschnittlicher Erzeugerpreis für Schlachtrinder frei Schlachtstätte:

Jungbullen: 3,54 Euro/Kilo

Schlachtkühe: 2,70 Euro/Kilo

Schlachtfärsen: 3,27 Euro/Kilo

(31.8-6.9. Quelle Marktbericht Landwirtschaftskammer)

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