Ramstein-Miesenbach
Schule statt Zahnarztpraxis: Isabelle Chatfield kommissarische Leiterin der Realschule plus „Am Reichswald“
Isabelle Chatfield kam über Umwege zum Lehramt. Nach ihrem Abitur 1995 in Ludwigshafen entschied sie sich zunächst für ein Studium der Zahnmedizin. Bis zum Physikum habe sich das auch noch richtig angefühlt. Danach hat Chatfield aber schnell gemerkt, dass ihr etwas fehlt. „Ich habe den persönlichen Umgang vermisst“, sagt die Pädagogin, die seit Februar die Realschule plus „Am Reichwald“ kommissarisch leitet. Die 50-Jährige ist nach wie vor davon überzeugt, dass es damals die richtige Entscheidung war, auf das Lehramtsstudium umzuschwenken. „Ich habe es nie bereut“, erzählt sie.
Nach dem Studium für das Realschullehramt und Stationen in Bad Kreuznach und Siegelbach führte es Chatfield 2006 schließlich an die Ramsteiner Bildungsstätte. Mehr als 500 Schülerinnen und Schüler drücken dort derzeit die Schulbank. Besonders der Austausch mit den Jugendlichen bereitet der kommissarischen Schulleiterin große Freude. Dass in den Gesprächen auch mal private Dinge besprochen werden, gehe mit der Größe der Schule einher. „Wir kennen unsere Schüler“, schildert Chatfield.
Praxistag in Ausbildungsbetrieben
In ihrer neuen Funktion beging die Lehrerin für die Fächer Deutsch, Biologie und Naturwissenschaften am Freitag sogar ein Jubiläum. Denn die Schule feierte am Freitag ihr 50-jähriges Bestehen. Als Hauptschule eröffnet, wandelte sich die Schule „Am Reichswald“ zum Schuljahr 1996/97 zu einer dualen Oberschule. Realschulklassen ergänzten fortan das pädagogische Konzept. Im Zuge der Strukturreform des Landes wurden schrittweise alle Haupt- und Realschulen zusammengeführt. Dabei wurde auch die einstige duale Oberschule 2009 in eine Realschule plus überführt.
Seither setzt man in Ramstein auf ein kooperatives System. „Bei uns gibt es eine gemeinsame Orientierungsstufe und abschlussbezogene Klassen“, erläutert Chatfield. Ab Klassenstufe sieben gebe es dann neben der Sekundarstufe eins auch die sogenannten Berufsreifeklassen. In diesen absolvieren Schüler einmal wöchentlich einen Praxistag. Dabei sollen die Jugendlichen in einen Ausbildungsbetrieb hineinschnuppern können. Auf diese Weise seien bereits einige Schüler auf eine Lehrstelle aufmerksam geworden, die in der Folge in eine Anstellung gemündet sei.
Ruhige Orte zum Lernen in der Schule
Neben der Schulform gab es weitere Veränderungen im pädagogischen Alltag, besonders was die Rolle der Lehrkräfte betrifft. Lehrer seien dabei zu Lernbegleitern geworden. Dass diese Änderung notwendig war, daran äußert Chatfield keine Zweifel: „Das System Schule muss in sich offener werden.“ Profitieren würden davon insbesondere die Schüler, die auf diese Weise individuell nach ihren Bedürfnissen lernen können.
Unterstützt werden soll dies ab dem kommenden Schuljahr durch einen neu gestalteten Bereich im Eingang, den die Schule als Marktplatz bezeichnet. Mehrere Tische und Lernsofas sollen dort den Schülern einen ruhigen Ort zum Lernen bieten. Auch an anderen Stellen im Gebäude stehen Änderungen an: Vorgesehen sind pro Flur ein Lernhaus und Sofas, die zu einer offenen Lernatmosphäre beitragen sollen. „Jeder Schüler sollte so lernen können, wie es für ihn am besten passt“, sagt Chatfield.