Kreis Kaiserslautern „Schaut mal, was ihr aus Europa rausholen könnt“
Seit Freitag ist eine 40-köpfige Gruppe aus dem estnischen Partnerlandkreis Rapla zu Besuch in der Pfalz. Im Vordergrund steht der Austausch über das europäische Förderprogramm „Leader“. Wie das in Rapla und bei uns läuft, erörterten am Montag „Leader“-Regionalmanagerin Anne-Marie Kilpert und ihr estnisches Pendant Jaak Vitsur in der Kreisverwaltung.
Da hatte die Reisegruppe vom Baltikum schon einen guten Eindruck von ihrer Partnerregion gewinnen können. Shoppen in Kaiserslautern, spazieren in der Mehlinger Heide, bummeln auf dem Bauernmarkt in Ramstein-Miesenbach – nur einige Stationen des umfangreichen Programms. Nach dem Besuch in der Kreisverwaltung standen unter anderem noch eine Visite auf der Air Base Ramstein und eine Fahrt nach Heidelberg an. Heute geht’s auf die Heimreise. Anne-Marie Kilpert und ihre Kollegin Stefanie Hüls stellten die hiesige „Leader“-Region vor, die aus den drei Gebieten Donnersberger und Lauterer Land, Westrich/Glantal sowie Pfälzerwald besteht. Nachdem Jaak Vitsur das entsprechende estnische Konzept vorgestellt hatte – allzu große Unterschiede in der Umsetzung traten hier nicht zu Tage –, blieb noch Zeit für Fragen und Diskussionen. Dabei machten Vitsur und Landrat Paul Junker (CDU) deutlich, wie die Kreise Rapla und Kaiserslautern vom gegenseitigen Austausch profitieren. Hier sprach Vitsur insbesondere die gemeinsamen Sommerlager der Jugendfeuerwehren Ramstein-Miesenbach und Rapla an. Wie Anne-Marie Kilpert ausführte, sei gerade beim Jugendaustausch „eine Vertiefung der Zusammenarbeit angedacht“. So stehe unter anderem die Idee im Raum, deutschen Auszubildenden ein Praktikum in Estland zu ermöglichen – und umgekehrt. „Wir sind vom Bewusstsein darüber hinterher, was man mit ,Leader’ über Europa ins Land holen kann“, betonte Junker, dass im Landkreis Kaiserslautern der Fördertopf gar nicht vollständig ausgeschöpft wird. In Estland sehe das ganz anders aus. Hier werden die Gelder aus Europa genutzt. Dahin müsse auch der Kreis Kaiserslautern kommen. Dazu müssten die Bürgermeister stärker für Leader sensibilisiert werden − nach dem Motto: „Schaut mal, was ihr aus Europa rausholen könnt.“ Zudem werde der Kultur in Rapla wesentlich mehr Bedeutung zugemessen als bei uns. Hier verstärkt tätig zu werden und damit die Gemeinschaft zu stärken, will der scheidende Landrat seinem Nachfolger ans Herz legen. „Wo sind die untergebracht? Wie lange bekommen die Unterhalt?“ Solche und ähnliche Fragen zum Thema Flüchtlinge standen im Zentrum des estnischen Interesses. Rund 200 Flüchtlinge soll der 35.000 Einwohner zählende estnische Partnerkreis nämlich schon bald aufnehmen.