Ramstein-Miesenbach
Schüler spielen internationales Online-Schachturnier
Das „Spiel der Könige“ ist am Reichswald-Gymnasium lange etabliert. „Wir sind ein bisschen Schachschule“, erzählt Mathematiklehrer Jochen Meier, der die AG leitet. Zu den Höhepunkten gehören der sechste Platz bei der Deutschen Schach-Meisterschaft vor etwas mehr als zehn Jahren und, dass das Gymnasium im Januar 2019 Austragungsort der pfälzischen Schach-Meisterschaft war, für die 400 Schüler aus 82 Mannschaften angereist waren.
1600 Spieler in 26 Gruppen
Nun stellt sich eine siebenköpfige Mannschaft mit einer Ersatzfrau – alle ab Jahrgang 2004 und Schüler der achten bis zehnten Klassen – der Herausforderung, sich mit jungen Spielern rund um den Erdball zu messen. „So etwas gab es vorher noch nicht“, meint Meier angesichts dieser Premiere. Er ist auf diesen Wettbewerb durch einen Hinweis im Newsletter der deutschen Schachjugend aufmerksam geworden. Argentinien, Ungarn, China, Nigeria, Pakistan und Malaysia sind nur einige Beispiele für die vertretenen Länder. Insgesamt sind mehr als 1600 Spieler in 26 Gruppen mit jeweils acht Mannschaften angemeldet, wobei jede Mannschaft mit sieben Spielern antritt.
Bereits im Dezember fanden die ersten Partien der 300 teilnehmenden Schulen statt. Für die Ramstein-Miesenbacher begann das Turnier am 13. Januar mit Partien gegen eine Mannschaft aus Moskau. Mittlerweile haben sie sich schon mit Teams aus Kuwait und Birkenkirchen in Ungarn, sowie mit Sevilla und Boadilla del Monte in Spanien gemessen. Aus stehen noch Spiele gegen Budapest in Ungarn am 27. Januar und gegen eine Mannschaft aus Spaniens Hauptstadt Madrid am 3. Februar.
Unbedingt auf die Zeitzonen achten
Bis es soweit kommen konnte, mussten zunächst die technischen Voraussetzungen geschaffen werden. Von den vorhandenen 15 PCs im Computerraum konnten neun nicht genutzt werden, da es Probleme mit dem Schachprogramm gab. Sie wurden durch iPads der Schule ersetzt, aber: „Beim Ziehen mit den Figuren muss man sehr aufpassen“, merkt der AG-Leiter an, dass das Spielen auf den Tablets nicht ganz so komfortabel ist. Über Links, die von Veranstalterseite zur Verfügung gestellt wurden, konnte nach dem Erstellen eines Accounts die Schachplattform „chess24“ genutzt werden. „Man sieht das gegnerische Brett mit der Flagge, aber nicht den Gegner“, erläutert Meier. Ein Zuschauen für Interessierte sei leider nicht möglich.
Für die teilnehmenden Schüler ist es wichtig, die Spielpläne genau im Blick zu haben, denn der Beginn der Partien muss aufgrund der verschiedenen Zeitzonen berechnet werden, sonst hat das Konsequenzen. „Wer nicht antritt, hat verloren“, nennt Meier die Regeln. Sie geben weiter vor, dass jeder Spieler 20 Minuten Zeit hat und pro Zug zehn Sekunden gutgeschrieben werden, sodass eine Partie circa 40 Minuten dauert. Das Übermitteln der Züge verlaufe fast ohne Verzögerung. „Da vergeht nur ganz wenig Zeit, weil wenig Datenverkehr anfällt“, erzählt Meier.
Das Finale in Dubai ist noch nicht abgehakt
Von den mittlerweile fünf Spielen sind drei verloren, zwei gewonnen. Ob das reicht, damit die Ramstein-Miesenbacher Gymnasiasten ins Finale einziehen können, bleibt abzuwarten. Ihr Lehrer setzt teils auf Spieler, deren deutsche Wertungszahlen deutlich über dem Anfängerstatus liegen. Sollte die Mannschaft erfolgreich sein, könnte das bedeuten, dass sie als eine der zehn besten Teams zum Finale nach Dubai reist, um bei der Expo, die von Oktober dieses Jahres bis März 2022 veranstaltet wird, ihren Gegner – dann live – auf dem Brett in die Bredouille zu bringen.
„Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Zuerst muss gegen das Veres-Peter-Gymnasium aus Budapest unbedingt gewonnen werden, damit man als eines von 120 Teams die erste Runde übersteht“, weiß er um die hohen Anforderungen. Dann sind da auch noch die Mannschaften aus Hannover, Offenbach und Dresden, die es ihren Gegnern nicht leicht machen werden. „Sie stehen so gut, dass sie sicher weiterkommen. Wir haben noch eine Chance, wenn wir die restlichen Begegnungen gewinnen“, schätzt er die Situation realistisch ein.