Westpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel RHEINPFALZ-Gartensprechstunde: Expertin gibt Tipps zum Umgang mit Schädlingen und zur Blüte

Hortensien sind in diesem Jahr häufig von Napf-Schildläusen befallen.
Hortensien sind in diesem Jahr häufig von Napf-Schildläusen befallen.

Läuse der anderen Art und Pflanzen, die ins Kraut schießen oder ihre Nadeln abwerfen: Pflanzendoktorin Sabine Günther war am Gartentelefon vielfältig gefordert.

Die Zeder von Angelika Poricki aus Reichenbach-Steegen hat nach dem Auspflanzen vom Topf in den Vorgarten alle Nadeln verloren. Im Frühjahr hatten sich zunächst Knospen gezeigt, die sind jedoch auch abgefallen.
Zedern sind eigentlich anspruchslos, was sie nicht mögen, ist zu viel Dünger. Bei Trockenstress über längere Zeit kann es allerdings passieren, dass die Zeder ihre Nadeln abwirft, um Wasser zu sparen, auch eine Notbefruchtung ist möglich. Sollte die Nagelprobe am Stamm noch Leben in der Zeder anzeigen, dann besser aus dem Vorgarten entnehmen und zur Pflege in einen Topf mit guter Walderde setzen.

Der Jasmin im Trippstadter Garten von Elke Fuchs blüht in diesem Jahr nur spärlich. Kann sie ihn schneiden?
Einen Sommerschnitt, also nach der Blüte, verträgt Jasmin gut. Dabei gilt: nicht zu weit zurücknehmen und immer in den Blattachsen schneiden, um das Eintreten von Krankheitserregern zu minimieren.

Rhododendron und das Ausbrechen der Blüten beschäftigt neben Elke Fuchs auch Ottilie Müller aus Hochspeyer.
Rhododendron sieht ohne die verwelkten Blüten schöner aus, auch hilft es dem neuen Austrieb, sich schneller zu entwickeln Das Entfernen der welken Blüten ist aber eine reine Pflegemaßnahme, kein Muss. Die Pflanze wirft die Blüte irgendwann selbst ab. Das dauert allerdings eine Weile.

Bei Ottilie Müller haben sich in diesem Jahr massiv die Zikaden im Rhododendron breitgemacht.
Auf keinen Fall mit Chemie dagegen vorgehen – höchstens frei käufliches Schädlingsfrei versprühen. Chemie im Garten schädigt am Ende nur die Gärtnerin, den Gärtner und die Natur gleich mit. Gegen die Zikaden helfen Gelbtafeln, die im zeitigen Frühjahr in großer Anzahl aufgehängt werden und sobald sie voll sind, ausgetauscht werden müssen. Außerdem muss alles, was der Rhododendron zu Boden fallen lässt, unbedingt entsorgt werden. Nicht in den Kompost geben. Den Rindenmulch direkt im Wurzelbereich der Pflanze besser auch entnehmen. Neuere Rhododendron-Arten sind wesentlich weniger anfällig gegen Zikaden als alte Bestände.

Dieter Bodenmaier aus Kaiserslautern hat sich aus einer Walnuss einen Sämling gezogen. Wird er Früchte bringen?
Der Walnussbaum kann gut länger im Topf bleiben. Er ist absolut robust, will aber keine Staunässe. Bis er Nüsse trägt, wird es aber mit zehn bis 20 Jahren deutlich länger dauern als beispielsweise nach dem Kauf eines veredelten Baums, der eventuell schon nach fünf Jahren Nüsse liefert.

In Hochspeyer haben sich Wollläuse an der Orchidee von Helga Schaak breitgemacht. Der Einsatz von mit Schnaps getränkten Ohrstäbchen bringt nicht wirklich was. Was tun?
Wollläuse leben nicht nur an der Pflanze, sondern besiedeln auch den Topfrand und den Untersetzer. Man kann sie gut mit warmem Wasser abwaschen und die Orchidee mit einer Seifenlösung einsprühen. Zweimal pro Woche so verfahren – etwa vier Wochen lang. Nicht in die Blüte sprühen und nicht bei Sonneneinstrahlung.

Über Napf-Schildläuse an Hortensien berichtet neben Helga Schaak auch Anke Guhmann aus Brücken sowie eine Frau aus Hütschenhausen.
Auch hier hilft selbst angesetztes Seifenwasser. Fünf Liter Wasser mit 250 Milliliter Spüli, Kernseife oder Öl mischen. Die Pflanze tropfnass einsprühen, nicht in die Blüte sprühen. Nicht während die Sonne scheint. Ohne mehrfache Wiederholungen wird sich die Napf-Schildlaus nicht bekämpfen lassen. Bei sehr alten Hortensien kann ein Stärken der Pflanze durch einen beherzten Rückschnitt zusätzlich angesagt sein. Die Hortensie wird dann aber wohl im nächsten Jahr nicht blühen.

Anke Guhmann hat auch Probleme an ihrer Glanzmispel. Die Pflanze hat im Frühjahr gut geblüht, wirft jetzt aber die roten Blätter ab. Auf den Blättern sind schwarze Punkte zu sehen.
Das können Insektenstiche sein. Die befallenen Bereiche vorsichtig beschneiden, den Boden direkt am Fuß der Pflanze auflockern – auch um nachzusehen, ob eventuell Wasser fehlt. Der Pflanze nach dem Rückschnitt Zeit geben.

Bei Rosi Busch in Spesbach vermehren sich die Disteln. Soll sie die Blüte entnehmen, bevor sich die Pflanze noch weiter versamt?
Wenn die Distel gefällt, spricht nichts dagegen, sie stehen zu lassen. Die Insekten- und Vogelwelt wird es danken. Wird es zu viel, einfach Hand anlegen: Mit Handschuhen kräftig ziehen und die Pflanze samt Wurzel aus der Erde entfernen. Die Knospen abzuschneiden, hilft auch. Allerdings wirkt die dann vor sich hinwelkende Distel nicht wirklich attraktiv.

In Schopp wundert sich Rosemarie Kluge über abgefressene Knospen am Salbei. Blüten werden meist verschont.
Schnecken und fast alle Nager, die es in den Gärten gibt, kommen als Schuldige in Frage. Soll der „Fresser“ identifiziert werden, hilft das Aufstellen einer Wildtierkamera. Auch den Boden nach Kot, Fußabdrücken oder Schleimspuren abzusuchen, kann Klarheit bringen. Ein Vlies über den Salbei legen, schützt den Salbei, und er kann die Blüten ungefressen entwickeln.

Kirschlorbeer und seine enorme Vermehrung über eigene Sämlinge beschäftigt Rainer Schenkel aus Mackenbach.
Die sich bildenden Knospen vor der Blüte ausschneiden hilft – genau wie das zusammenkehren der am Boden liegenden Früchte oder das Ausstechen all der aufkeimenden, neuen, kleinen Pflänzchen.

Raupen machen sich über die Stachelbeere von Alexandra Graf aus Offenbach-Hundheim her.
Von Hand konsequent absammeln oder ein sehr feinmaschiges Netz über die Stachelbeere legen, sind hier die Mittel der Wahl. Gegen die Raupen am Heidelbeerstrauch im Container kann das Einnebeln mit einer verdünnten Schnapslösung (ein Liter Wasser und 100 Milliliter Schnaps) einen Versuch wert sein. Wiederholungen müssen sein, und die Blüte darf nicht besprüht werden.

Die Ackerwinde macht sich im Beet von Maria Breisprecher in Nanzdietschweiler zwischen Zucchini und Kürbis breit.
Die Ackerwinde lässt sich gut von Hand ausziehen. Den Boden aufzulockern, mag sie nicht. Wenn das Beet nach der Ernte ordentlich mit Kalk versorgt wird, wird sie im nächsten Jahr wohl fernbleiben.

Bei Heiner Hemmer in Oberarnbach hat die alte Pfingstrose in diesem Jahr erstmals nicht geblüht. Dabei steht sie in voller Pracht und mit großen Blättern gut da.
Möglicherweise haben zu viele Nährstoffe die Pflanze derart ins Kraut schießen lassen, dass sie sich blühunwillig zeigt. Die Ursache kann auch im Auffüllen von Erde, eventuell herbeigeschlemmt durch Regen im Frühjahr, oder durch eine Mulchgabe am Fuß der Pfingstrose liegen. Pfingstrosen wollen nicht zu tief in der Erde sitzen.

Gelbtafeln helfen bei der Zikadenbekämpfung am Rhododendron.
Gelbtafeln helfen bei der Zikadenbekämpfung am Rhododendron.
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