Reichenbach-Steegen RHEINPFALZ Plus Artikel Rhönradmuseum eröffnet: Hommage an Otto Feick und sein Sportgerät

Seit Samstag hat Reichenbach-Steegen ein eigenes Rhönradmuseum. Wesentlicher Motor dafür ist Gerd Häßel.
Seit Samstag hat Reichenbach-Steegen ein eigenes Rhönradmuseum. Wesentlicher Motor dafür ist Gerd Häßel.

Das neue Museum in Reichenbach-Steegen in der ehemaligen Sparkassenfiliale zeigt Rhönradschätze und erzählt die Geschichte von Otto Feick und seiner Erfindung.

In Reichenbach-Steegen wurde am vergangenen Samstag ein Museum eröffnet, das sich einem der ausgefallensten Sportgeräte unserer Zeit und dessen Erfinder widmet: dem Rhönrad und Otto Feick. Mit der Einrichtung des Museums in den Räumen der ehemaligen Sparkassenfiliale im historischen Ortskern von Reichenbach geht für den im März 2015 gegründeten Verein „Rhönradmuseum Reichenbach-Steegen“, für dessen Aktive und ganz besonders für dessen Vorsitzenden Gerd Häßel ein langgehegter Traum in Erfüllung.

Die lange Suche nach einer dauerhaften Bleibe für die zahlreichen Exponate rund um das „Reifenturn- und Sportgerät“, wie das Rhönrad von seinem Erfinder ursprünglich genannt wurde, hat ein gutes Ende gefunden.

Wie Häßel vom Rhönrad-Fieber gepackt wurde

Otto Feick gab seiner Erfindung, die er 1925 zum Patent angemeldet hatte, ein Jahr später, also vor ziemlich exakt 100 Jahren, den Namen Rhönrad, nach der Heimatregion seiner Gattin, der bayerischen Rhön, wohin es Feick 1923 unfreiwillig verschlagen hatte. Gerd Häßel beschäftigt sich nach eigenen Angaben bereits seit Jahrzehnten mit dem Rhönrad und dessen Erfinder. Ausschlaggebend dafür war ein Zeitungsartikel, den er irgendwann Anfang der 1980er-Jahre gelesen hatte und in dem berichtet wurde, dass der Erfinder des Rhönrads 1890 in einem Dorf mit dem Namen Reichenbach geboren wurde.

„In Deutschland gibt es mehr als 40 Orte mit diesem Namen. Ich wollte genau wissen, um welches Reichenbach es sich dabei handelt und staunte nicht schlecht, als ich schließlich herausfand, dass Feick in meinem Heimatort auf die Welt kam. Das wusste damals so gut wie keiner in unserem Dorf“, berichtet Häßel am Rande der gut besuchten Eröffnungsfeier.

Besondere Exponate

Häßel wurde vom Rhönrad-Fieber gepackt. In den vergangenen Jahrzehnten hat er einen außergewöhnlich großen Fundus rund um das Rhönrad und um Feick zusammengetragen. Seine Rhönradschätze sind nun im neuen Museum zu sehen. Dazu gehören einige Rhönräder, unter anderem ein sehr früher Prototyp aus der originalen Produktion des Erfinders. Er ist wohl noch in Ludwigshafen entstanden, wo Feick sein erstes Rhönrad zusammenbaute.

Ein weiteres Rhönrad konnte Häßel unmittelbar nach der Wende und nach der Öffnung der Grenzen zur ehemaligen DDR und dem Abzug der russischen Truppen aus einer Kaserne der Roten Armee bergen. Der Vereinsvorsitzende geht davon aus, dass er das Sportgerät so vor der Verschrottung gerettet hat. Er erhielt auch eine Dienstanweisung für das Gerät in kyrillischer Schrift. Das Rhönrad war offenbar ein populäres Sportgerät für die Rotarmisten.

Patente in 26 Ländern

Zur Ausstellung, die individuell nach Absprache mit Häßel besucht werden kann, gehört auch ein Faksimile der Geburtsurkunde Feicks. Aus einem Eintrag in das Reichenbacher Kirchenbuch geht außerdem hervor, dass Feick am 4. Juli 1890 in Reichenbach geboren wurde. Im Original und aus dem Nachlass des Erfinders werden zudem mehrere Patentschriften gezeigt – unter anderem aus Australien, dem Vereinigten Königreich, Rumänien und Japan. Denn Feick hat sich ab 1925 die Patente für sein Sportgerät in insgesamt 26 Ländern sichern lassen.

Den Löwenanteil der Ausstellung machen indes Bücher und Schriften aus, in denen das Sportgerät Erwähnung findet. Verzeichnet sind hoffnungsvolle Anfänge in den 1920er- und 1930er-Jahren. Das Rhönrad war dann durch den Zweiten Weltkrieg und in den Nachkriegsjahren im Ausland fast in Vergessenheit geraten, erlebte aber ab den 1970er-Jahren eine große Renaissance.

Schon einmal Ausstellung in ehemaliger Sparkasse

Um das Rhönrad und seinen Erfinder dreht es sich in den Räumen der Sparkasse übrigens nicht zum ersten Mal. Wie Häßel berichtet, wurde im Juli 1990 der 100. Geburtstag von Otto Feick im Ort gefeiert – seinerzeit mit einer kleinen Ausstellung in der damals noch mit Mitarbeitern besetzten Sparkassen-Filiale. Nachdem sich die Sparkasse personell aus dem Dorf zurückgezogen hat, die Räume allerdings auch weiterhin noch wegen des Geldautomaten und des Kontoauszugsdruckers benötigt, fragte der Rhönrad-Museumsverein wegen einer alternativen Nutzung nach – „und wir bekamen spontan grünes Licht für unsere Pläne“, berichtet Häßel.

Info

Besuche im Reichenbacher Rhönradmuseum können bei Gerd Häßel unter der Telefonnummer 0170 1681318 oder per E-Mail an rhoenradmuseum@t-online.de vereinbart werden.

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