Ramstein-Miesenbach
Restaurant unter städtischer Regie
„Nepomuk“, „Il Capriccio“, „Grumbeer“, „Visione“ – das Restaurant im Gebäude des CCR hatte schon viele Namen und viele Pächter. Ralf Hechler, der Stadtbürgermeister, kennt sie alle und auch die Probleme, die mit dieser Zeit verbunden waren. Denn zu den Aufgaben der Betreiber gehörte schon immer auch die Bewirtung der Gäste des Veranstaltungshauses, an das die Küche angegliedert ist. Manchmal aber hätten Tagungsteilnehmer in einem der Säle des ehemaligen Hauses des Bürgers gesessen und vergeblich auf Getränke und Schnittchen gewartet.
Damit war ab dem 1. Juli 2012 Schluss. Seither heißt das Restaurant „Die Bühne“ (der Zusatz Backstage werde kaum noch verwendet, sagt Hechler). Träger des Ganzen ist die Stadt Ramstein-Miesenbach. Für diese AöR wurde ein gewisses Grundkapital angelegt, wie Hechler erläutert, und um die Buchhaltung kümmern sich die bei der Stadt angestellten Geschäftsführer des CCR, Burgel Stein und Andreas Guhmann. Wirtschaftlich aber muss sich die Gastronomie mit ihren zehn Festangestellten komplett selbst tragen, betont der Stadtchef. Steuergelder würden in keiner Weise dafür eingesetzt. Das wäre gegenüber den anderen Gastwirten auch nicht fair. Im Umkehrschluss bedeute das: „Wenn sich die AöR nicht selbst tragen würde, müssten wir uns davon trennen.“
„Gastronomie, das kann nicht jeder“
Als die Entscheidung für dieses Konstrukt fiel, war Hechler, damals noch Stadtbeigeordneter, dagegen. „Gastronomie, das kann nicht jeder“, wandte der Sohn einer Ramsteiner Gastwirtsfamilie ein. Und Burgel Stein bestätigt aus ihrer heutigen Erfahrung: „Das ist eine eigene Welt.“ Sie als gelernte Veranstaltungskauffrau und ihr Kollege Andreas Guhmann als Betriebswirt mussten sich erst einmal in diese Welt einarbeiten. Das Schwierigste sei nach wie vor, Personal zu finden. „Die Menschen in der Gastronomie arbeiten dann, wenn andere feiern“, gibt Stein zu bedenken und Guhmann ergänzt: „Das muss man wollen.“ In die kulinarischen Entscheidungen mischen sie sich nur ein, wenn sie danach gefragt werden oder Gäste sich mit Reklamationen an die Geschäftsführung wenden. In solchen Fällen sei es ein Vorteil, dass sie nicht mit einem Pächter über Verbesserungen verhandeln müssten. Die Einflussmöglichkeiten seien da durch die AöR größer.
Der Start der „Bühne“ fiel allerdings etwas holprig aus, mit der Zeit jedoch sei es immer besser gelaufen, berichtet Hechler. Einen richtigen Schub habe dann 2018 der Sieg bei der Fernsehsendung „Mein Lokal/Dein Lokal“ gebracht. Noch während alle Mitarbeiter die Liveübertragung auf der großen Leinwand geschaut hätten, habe es die ersten Anrufe gegeben, erinnert sich Stein. Seitdem habe das Telefon nicht mehr stillgestanden, das Restaurant mit seinen 70 Innen- und 40 Terrassenplätzen sei ausgebucht gewesen. Das ging so bis Ende 2019 – dann kam Corona. Zwei Jahre, in denen „wir Speck ansetzen konnten“, wie Hechler es ausdrückt, folgte eine zweijährige Durststrecke, die gerade erst zu enden scheint.
Personalsuche gestaltet sich schwierig
Nur aufgrund der Rücklagen, die 2018 und 2019 gebildet werden konnten, der staatlichen Unterstützung in Form des Kurzarbeitergeldes und treuen Tagungsgästen habe „Die Bühne“ bis jetzt überleben können. Allerdings habe die Pandemiezeit tiefe Spuren hinterlassen. Der einstige Küchenchef, der den Goldenen Fernsehteller erkocht hatte, orientierte sich beruflich um, der zweite Mann übernahm die Verantwortung. Die vier Auszubildenden in Küche und Service hatten es schwer, trotz monatelanger Lockdowns die Prüfungsziele zu erreichen, und Aushilfen zu finden, sei derzeit fast unmöglich, berichtet Guhmann.
Doch trotz Personalsorgen und gerade enorm steigender Energie- und Lebensmittelpreise blicken die Geschäftsführer optimistisch in die Zukunft der „Bühne“. Die Monate des gesellschaftlichen Stillstandes seien im CCR fürs Renovieren genutzt worden, wovon auch das Restaurant profitiere. Denn die Kegelbahn im Keller wurde „geopfert“ und so Platz für Lagerflächen und einen separaten „Genussraum“ geschaffen. Bei Whiskey- oder Gintastings mit Live-Musik und Fingerfood will „Die Bühne“ ihren Gästen nun wieder vermehrt Veranstaltungen bieten, bei denen Essen, Trinken und Kultur miteinander verbunden werden. Auch Rittermahle und Krimidinner fallen in diese Kategorie, die gut ankomme. All das, so hofft Hechler, sollte helfen, die „Strahlkraft“ des Hauses zu erhalten oder – nach der Corona-Zwangspause – wiederzubeleben. Eine gute Gastronomie gehöre da unbedingt dazu.
Hinweis
Geöffnet hat das Restaurant „Die Bühne“ in Ramstein-Miesenbach mittwochs bis sonntags. Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Sonntag wird von 11.30 bis 14 Uhr ein Mittagstisch angeboten, abends und samstags ist zwischen 17 und 22 Uhr geöffnet. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.restaurant-diebuehne.de.