Kreis Kaiserslautern „Renten und Löhne müssen endlich auf Westniveau“

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Morgen jährt sich der Tag der Deutschen Einheit zum 27. Mal. Dennoch scheint es nach wie vor Probleme und Unterschiede zwischen Ost und West zu geben. Grund genug, einmal nachzuhaken, für wie gelungen die Menschen im Kreis Kaiserslautern den Vereinigungsprozess empfinden. Die RHEINPFALZ hat Passanten auf dem Landstuhler Wochenmarkt befragt.

Die 95-jährige Anneliese Ulrich aus Landstuhl hat klare Zweifel daran, ob die Einheit wirklich umgesetzt ist:„Es gibt einfach noch zu viele Schwierigkeiten im Osten, da muss noch einiges getan werden.“ Vor allem die wirtschaftlichen und sozialen Probleme im Osten müssten gelöst werden. Eine gemeinsame Identität habe sich noch nicht entwickeln können. „Ich denke immer noch in den Kategorien von Ost und West“, sagt Ulrich. Auf die Frage, ob die Einheit gelungen sei, antwortet die 28-jährige Kölnerin Christina Weber: „Ja und nein“. Auf der menschlichen Ebene sieht sie zwar große Erfolge, bei den Löhnen und Gehältern gebe es aber noch einigen Handlungsbedarf: „Ob jemand aus Dresden oder Köln kommt, spielt für mich keine Rolle, es sind beides einfach Deutsche.“ Sie denke nicht in Ost und West, da sie die Teilung ja auch kaum miterlebt habe. Dennoch habe sie mit Blick auf die Bundestagswahl Sorgen, „dass sich der Osten wieder mehr vom Westen entfernt“. Auch der 18-jährige Fabian Geib aus Landstuhl ist erst nach der Wende geboren: „Für mich sind wir einfach ein Deutschland.“ Die Einheit empfindet er als „sehr gelungen“, auch die Verhältnisse hätten sich „alles in allem“ einander angeglichen. Nur die gemeinsame Identität habe sich noch nicht in allen Köpfen durchgesetzt, was auch an der Unzufriedenheit im Osten liege: „Vielleicht denken viele, dass es ihnen früher besser ging.“ „Um eine wirkliche Einheit hinzubekommen, müssen wir vor allem Lohngerechtigkeit, Renten und die Wirtschaftskraft im Osten auf das Westniveau bringen“, sagt der 50-jährige Landstuhler Thomas Dick. Die „blühenden Landschaften“, die Helmut Kohl einst versprochen habe, seien nie geschaffen worden, weshalb auch große Unzufriedenheit im Osten herrsche: „Den Osten an den Westen anzuschließen hat einfach nicht funktioniert, das sieht man jetzt vor allen Dingen an den vielen AfD-Wählern.“ Dick bedauert, dass sich die Menschen im Osten als Bürger zweiter Klasse fühlten, da es für ihn nur ein Deutschland und die Deutschen gebe. Dass die Einheit noch nicht geschafft ist, glaubt auch die 64-jährige Pirmasenserin Erna Mierau: „Zwischen den Menschen gibt es noch große Verständnisprobleme.“ Der „sowjetische Einfluss“ sei einfach noch nicht aus den Köpfen verschwunden, er habe die Leute geprägt. Die Einheit empfindet sie als „notwendiges und gutes Projekt“: „Mit den kommenden Generationen wird sich das Problem nach und nach von alleine lösen. Da bin ich mir sicher.“ Die deutsche Einheit sei zwar gelungen, aber noch nicht vollendet, meint der 70-Jährige Landstuhler Paul Ambrosius. Vor allem die Löhne und Renten müssten „endlich“ auf Westniveau angehoben werden. Geld habe man aber genügend in die neuen Bundesländer gesteckt, deshalb plädiert er auch für die Abschaffung des Solidaritätszuschlags: „Wenn wir in einem Gesamtdeutschland leben, dann müssen wir schwache Regionen im ganzen Land fördern und nicht nur im Osten.“ Er selbst denke zwar noch in den Begrifflichkeiten von Ost-und Westdeutschland, aber im Großen und Ganzen sei das Land gut zusammengewachsen. „Allerdings könnte das Wählervotum bei der Bundestagswahl möglicherweise zur erneuten Spaltung des Landes beitragen.“ Die 40-jährige Landstuhlerin Ayse Gödeoglan hält die Wiedervereinigung für vollendet: „Ich sehe in dieser Hinsicht keine Probleme mehr, zwar gibt es noch kleine Unterschiede zwischen den neuen Bundesländern und dem Westen, aber die werden bald behoben sein.“ Das starke Lohngefälle, die niedrigen Renten und „die starken Ressentiments in den Köpfen der Ostdeutschen“: „Das alles weist für mich darauf hin, dass die Einheit noch nicht geglückt ist“, sagt Christopher Jahn, der in der ehemaligen DDR geboren wurde. Dennoch sei die Wiedervereinigung ein „alternativloses, wertvolles Projekt“, das dem Osten viele Verbesserungen beschert habe. Als Gesamtdeutscher fühle er sich in jedem Fall, auch wenn die Lebensverhältnisse in Ost und West noch sehr unterschiedlich seien. Auch er sei aber nach 27 Jahren für die Abschaffung des Solidaritätszuschlags, sagt der 31-jährige Landstuhler: „Wenn die Deutschen ein Volk sein wollen, darf es keine Sonderbehandlungen mehr geben“, findet Jahn.

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