Kreis Kaiserslautern
Reichenbach-Steegen: Der Ortsteil feiert am Wochenende sein 750. Jubiläum
Große Ereignisse werfen in Reichenbachsteegen, einem Ortsteil der gleichnamigen Gemeinde, ihre Schatten voraus. In diesem Jahr feiert das Dorf sein 750. Bestehen. Anlässlich dieses Jubiläums lädt der Unterhaltungsverein Alte Mühle am Sonntag, 19. Mai, zu einem großen Familienfest ein.
„Es ist einfach toll, wie sich die Bürger unseres Ortes für das Jubiläum einbringen“, konstatiert Steffen Schäfer, Vorsitzender des „Unterhaltungsvereins Alte Mühle“. „Wir haben zu einem Treffen aufgerufen und da eine Unmenge von Ideen gesammelt.“ Viele Leute hätten schon angekündigt, Kuchen zu spenden. „Das Fest wird ein richtiges Gemeinschaftswerk aller Bürger. Dabei wollen wir uns als intakte Dorfgemeinschaft präsentieren“, verspricht Schäfer.
Alle Generationen beteiligen sich an dem Fest
Schon früh am Sonntagmorgen beginnt das Fest mit einer Sternwanderung aus den drei Ortsteilen Reichenbach, Albersbach und Fockenberg-Limbach. Um 10.30 Uhr hält Pfarrer Oliver Bös einen Mundartgottesdienst, wobei er Ereignisse aus der Ortsgeschichte in seine Predigt einflechten möchte. Ab 12 Uhr unterhält der Musikverein Reichenbach die Festgäste. Im Mittelpunkt des Festprogramms steht ein Bühnensketch, der an die Urzeit des Dorfes erinnern will: „Zwei ,Stäjer’ treffen den ersten Bürger der Gemeinde vor 750 Jahren, der Lozo von Stegen genannt wurde. Eine Zeitreise durch die Jahrhunderte schließt sich an“, so Schäfer. Auch die Jugend ist mit im Boot: Um 15 Uhr kommt die Kindertagesstätte Lummerland mit einer Vorführung auf die Bühne.
Der Platz um die Alte Mühle soll zu einem lebendigen Heimatmuseum werden. Im Mittelpunkt steht eine Ausstellung historischer landwirtschaftlicher und handwerklicher Gegenstände. „Auch hierbei helfen Bürger aus allen vier Ortsteilen engagiert mit und haben eigens für das Jubiläum Speicher und Keller durchforstet“, erzählt Steffen Schäfer. Eine Sonderausstellung organisiert der Traktorverein aus Fockenberg.
Ein 500 Kilo schwerer Fallhammer prägt den Gedenktaler
Anlässlich des Jubiläums hat der Unterhaltungsverein einen Gedenktaler herausgebracht, der auf der Vorderseite den Dorfmittelpunkt mit dem Raiffeisenturm im Hintergrund und auf der Rückseite das Steegener Wappen darstellt. Auf dem Festplatz findet ein Schauprägen mit mittelalterlicher Münztechnik mit einem Fallhammer statt. Der drei Meter hohe und 500 Kilogramm schwere Fallhammer wurde, so Schäfer, zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert zum Prägen von Münzen und Medaillen benutzt. Jeder Besucher hat an diesem Festtag die Möglichkeit, sich einen Gedenktaler in Zinn ab 4,50 Euro prägen zu lassen. Die Sonderprägung ist in Feinsilber ab 29 Euro erhältlich; diese sei aber auf 300 Stück limitiert und müsse vorbestellt werden.
Historische Sägevorführungen und traditionelles Seildrehen sollen die Aufmerksamkeit des Publikums ebenso auf sich ziehen wie eine alte Schmiede und Korbflechter. Im Angebot sind Jubiläumsbrot und Jubiläumsbier. In der Alten Mühle zeigen ein Videofilm und historische Bilder Ortsgeschehen und Persönlichkeiten aus früheren Zeiten. Und auf einer Modelleisenbahnanlage mit dem Original Steegener Bahnhof dreht eine historische Lokomotive ihre Runden.
Auch eine Festzeitung wird es geben, die Andreas Wolf, zweiter Vorsitzender des Unterhaltungsvereins, und Eva Groß gestalten. Für die Besucher aus den anderen Ortsteilen wurde eigens ein Bürgerbus organisiert, der die Gäste zum Festgottesdienst und auch mittags zu bestimmten Uhrzeiten abholt und auch wieder nach Hause bringt.
Info: Aus der Geschichte Reichenbachsteegens
Erstmals erwähnt wurde der frühere Ortsname Steegen in einer Urkunde aus dem Jahr 1269, in der ein gewisser Lozo von Stegen als rechtschaffener Bürger bezeichnet wird. Der Name des Ortes rührt wohl von einem Übergang, einem Steg, über ein Gewässer.
In einer Urkunde von 1717 sind 14 in Stegen ansässige Familien aufgeführt. Bis Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Ort zur Kurpfalz. Von 1796 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war Steegen in den Kanton Landstuhl eingegliedert und unterstand der Mairie Reichenbach. Zur Zeit des Wiener Kongresses 1815 hatte der Ort 450 Einwohner. Im selben Jahr wurde er Österreich zugeschlagen, bereits ein Jahr später aber wechselte der Ort wie die gesamte Pfalz in das Königreich Bayern.
Von 1818 bis 1862 gehörte Steegen dem Landkommissariat Homburg an; aus diesem ging das Bezirksamt Homburg hervor. 1911 wurde Steegen in Reichenbachsteegen umbenannt. Da ein Teil des Bezirksamts - wie Homburg selbst – 1920 dem neu geschaffenen Saargebiet zugeschlagen wurde, wechselte der Ort ins neu geschaffene Bezirksamt Kaiserslautern und wurde bis 1938 von einer in Landstuhl ansässigen Bezirksamtsaußenstelle verwaltet. Seit 1939 gehört er dem Landkreis Kaiserslautern an. Im Zuge der Verwaltungsreform vom 7. Juni 1969 wurde aus den bis dahin selbstständigen Gemeinden Reichenbachsteegen mit damals 427 Einwohnern und Reichenbach (652 Einwohner) die Gemeinde Reichenbach-Steegen neu gebildet.
Den Steegenern liegt ebenso wie den Reichenbachern die Musik im Blut. Beide sind echte Musikantendörfer. Seit kurz nach 1800 haben sie weitaus mehr Musikanten nachzuweisen als andere Gemeinden. Reichenbachsteegen hatte in der Zeit zwischen 1800 und 1955 258 Musikanten. So wurde der Musikverein Reichenbachsteegen bereits im Jahr 1883 gegründet, ihm gehörten über 40 aktive Mitglieder an. 1893 folgte die Gründung des Gesangvereins. Der Musikverein nahm allerdings nach dem Ersten Weltkrieg seine Tätigkeit nicht mehr auf. Aus dem „Pilsclub“ von 1974 entwickelte sich 1982 der „Unterhaltungsverein Alte Mühle“. Dieser hat bis in die heutigen Tage die Federführung bei der Ausrichtung der Kerwe.