Auf die Schulbank RHEINPFALZ Plus Artikel Realschule plus am Reichswald: Schüler dort abholen, wo sie stehen

Isabell Chatfield, Elmar Wolfer und Stefanie Buchner-Rübel (von links) setzen auf Angebote, die sich an den Bedürfnissen der Sch
Isabell Chatfield, Elmar Wolfer und Stefanie Buchner-Rübel (von links) setzen auf Angebote, die sich an den Bedürfnissen der Schüler orientieren.

Die Realschule plus am Reichswald in Ramstein könnte man fast schon als eine internationale Schule bezeichnen. Denn tatsächlich: Hier treffen sich Schüler aus vielen verschiedenen Nationen. Durch die Nähe zur Air Base werden hier auch etliche Kinder aus Nato-Staaten unterrichtet, und in der Schule wird viel Englisch gesprochen.

Rund 500 Schülerinnen und Schüler besuchen die Realschule plus in Ramstein. Unterrichtet werden sie von 47 Lehrkräften – unterstützt von zwei pädagogischen Fachkräften. „Wir haben hier ein relativ junges, dynamisches Kollegium“, sagt Isabell Chatfield, die stellvertretende Schulleiterin. Und: „Wir sehen unsere Schule als große Schulfamilie an.“ Die Schulleitung agiere auf Augenhöhe mit den Schülern, den Eltern und dem Kollegium. Durch diese Arbeits- und Sichtweise entstehe eine besondere schulische Atmosphäre: „Wir holen die Kinder dort ab, wo sie stehen und nehmen sie an, wie sie sind.“

Schon wenn sie noch in der vierten Klasse ihrer Grundschule sind, können die Schüler ihre künftige Schule bei einem Schnuppertag kennenlernen. Nach den Sommerferien geht es mit Einführungstagen in der Realschule plus los. Dabei lernen sich die Schüler und die Lehrer bei Spielen kennen. Zudem gibt es eine Schulrallye. Später kann auch ein Bibliotheksführerschein gemacht werden.

Neue Methoden und Angebote

Die Orientierungsstufe (die Klassen fünf und sechs) hat als erste Fremdsprache Englisch, Französisch kann als zweite Fremdsprache in der sechsten Klasse gewählt werden – oder die Kinder entscheiden sich für eins der Wahlpflichtfächer Sport- und Gesundheit, Natur und Technik, Wirtschaft und Verwaltung oder Hauswirtschaft und Soziales. Obendrein gibt es zum Beispiel das Projekt „Mathe sicher können“. Dabei werden Schüler, die Schwierigkeiten beim Rechnen haben, aus dem Unterricht herausgezogen und speziell geschulte Mathematiklehrer helfen den Kindern bei ihren Problemen.

In den höheren Klassen geht es pädagogisch, organisatorisch und in Sachen Angeboten vielfältig weiter. „Corona hat uns gezeigt, dass es so nicht weitergeht“, erläutert Isabell Chatfield dazu. Der Blick für neue Methoden und Angebote sei dadurch geschärft worden. So gibt es an der Realschule plus unter anderem selbst gesteuertes Lernen. Dabei lernt das Kind selbstständig zunächst auf Einsteigerniveau und entscheidet dann selbst, wann es in die nächsthöhere Stufe wechseln möchte. Wer nun meint, die Schüler würden dann „die Zügel schleifen lassen“, irre sich. Gerade durch die Eigenständigkeit fühlten sie sich angespornt, die nächste Stufe zu erreichen.

Der „Jobfux“ hilft

Die Schule bietet auch inklusiven Unterricht für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf. „Wir wollen gelebte Inklusion“, erläutert Chatfield. „Hier gehen die pädagogischen Fachkräfte gemeinsam mit dem Lehrer durch die Klassen und helfen allen Schülern.“

Ab der siebten Klasse folgt die kooperative Schulform. Hier trennen sich die Jahrgangsstufen in abschlussbezogene Klassen: in die Profistufe 1 (mit dem Abschluss der Berufsreife) und in die Profistufe 2 (mit dem Abschluss des Qualifizierten Sekundarabschlusses 1). Ab Klassenstufe acht kommen die Schulpraktika dazu. In der neunten Klasse haben die Jugendlichen in der Profistufe 1 je einen Praxistag pro Woche in einem Betrieb, die Profistufe 2 hat Praktika in der Handwerkskammer und in verschiedenen Betrieben.

Um die Schüler gut auf das Berufsleben vorzubereiten, gibt es an der Realschule plus den „Jobfux“. Diese Person unterstützt und berät die Jugendlichen in Sachen künftige Arbeit. „Jobfux“ Alexander Baumgärtner kommt aus dem Handwerk. Er hilft unter anderem beim Bewerbungsschreiben und bei der Lehrstellensuche. Er ist nicht der Einzige, der den jungen Leuten hier zur Seite steht: „Der Klassenlehrer unterstützt die Schüler ebenfalls gemeinsam mit dem ,Jobfux’ und mit außerschulischen Partnern (zum Beispiel den Handwerkskammern) während des Praxistages“, erläutert Stefanie Buchner-Rüber, die didaktische Koordinatorin für die Berufsorientierung an der Schule.

Schwimmbad in der Nachbarschaft

Die Profistufe-1-Schüler seien nach dem Abschluss bestens für ihre beruflichen Laufbahnen gerüstet. Für die Profistufe-2-Schüler, welche die Schule mit dem Sekundarabschluss 1 nach der zehnten Klasse beenden, besteht die Möglichkeit, sich den Unterricht am nahen Gymnasium, mit dem eine Kooperation besteht, anzuschauen. Sie können dann sehen, was hier gefordert und geboten wird, falls sie sich dazu entschließen, das Abitur quasi noch „dranzuhängen“.

In puncto Sport ist die Realschule plus bestens ausgestattet – schon alleine durch eine eigene, gut eingerichtete Turnhalle. Zudem ist das Azur-Schwimmbad nicht fern: Hier geht es für die Fünft- und Sechstklässler zum Schwimmen.

Digital ist die Schule gut aufgestellt. Alle Klassensäle verfügen über eine digitale Tafel, zudem bekommen die Schüler ab der fünften bis zur siebten Klasse Leih-iPads zur Verfügung gestellt. Damit können sie moderne Lernplattformen nutzen.

Schuleigenes Vivarium

Die Realschule plus ist eine Ganztagsschule in Angebotsform. Die Kinder können mittags aus einem reichhaltigen Essens-Angebot wählen. Nach dem Essen folgt die Lern- und Förderzeit. Danach finden AGs statt. Die Nachmittagsbetreuung wird von Montag bis Donnerstag angeboten.

Etwas Besonderes ist das schuleigene „Vivarium“ – eine Art Mini-Zoo. In diesem gibt es unter anderem Achat-Schnecken. Diese werden therapeutisch bei Kindern mit ADHS eingesetzt, da sie eine beruhigende Wirkung auf die Schüler haben. Zudem lernen sie Verantwortung zu übernehmen, indem sie sich um die Tiere kümmern. Das ist noch nicht alles an „gelebter Biologie“: pädagogische Begleithunde unterstützen den Schulalltag. Eine Sozialarbeiterin kommt regelmäßig mit ihren Hunden in die Klassen der Orientierungsstufe. Dabei könne die soziale und emotionale Kompetenz der Kinder gestärkt werden.

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