Kreis Kaiserslautern Raps wächst in gewaltigen Schritten
Der Stickstoff ist im Boden, das Wasser auch. Klettert jetzt die Temperatur nach oben, kann man den Pflanzen auf den Feldern beim Wachsen zusehen. Mit dieser Ausgangslage sind die Bauern derzeit absolut zufrieden. Bei den Agrarmärkten klemmt es dagegen an allen Ecken in fataler Weise.
Spargel wie in der Vorderpfalz erntet im Westen keiner − auch nicht unter Folie. An das Auslegen der Kartoffelknolle ist im Kreis ebenfalls noch lange nicht zu denken. Das Bodengefüge ist noch viel zu kalt. Das gilt genauso für die Maisaussaat. Mais kommt selten vor Mitte April auf den Acker. Die „Grumbeer“ wird wohl bis zum Mai warten müssen, bis sie vorgekeimt in die Erde darf. Das ist noch Zukunftsmusik. Untätig waren die Bauern aber nicht. Der startende Stickstoffdünger ist ans Wurzelwerk gebracht, die Wiesen, so sie nicht mehr ganz so nass waren, sind gestriegelt. Auch die Schläge für die Zuckerrüben sind vorbereitet. „Wer noch Rübenkontingente hat, der steht scharrend in den Startlöchern“, ist sich Günter Albrecht, Vorsitzender im Kreisbauernverband Kaiserslautern, sicher, dass die weiße Süße in diesen Tagen zum Wachsen gebracht wird. Allerdings gilt hier wie bei allen Arbeiten: Gesät kann nur werden, wenn der Boden abgetrocknet ist. Zuckerrüben wachsen bei Weilerbach und auf guten Böden bei Enkenbach-Alsenborn, vereinzelt am Stadtrand von Kaiserslautern. Den Raps haben die Bauern bereits im Herbst ausgebracht. Auf gut 1500 Hektar steht die zu den nachwachsenden Rohstoffen zählende Kultur im Landkreis. Die im Spätsommer zur Ernte anstehenden Körner gehen zum überwiegenden Teil in die Ölmühle nach Mannheim. Das Rapsöl wird anschließend dem Kraftstoff beigemischt und landet in Autotanks. Fast überall gibt der Raps gerade so richtig Gas, schüttelt den Winter aus den grundständigen Blättern und streckt sich sichtbar in die Höhe. Er schosst bereits. „Raps wächst mit gewaltigen Schritten. Wenn das Wetter mitspielt, sind in acht Tagen die ersten Blüten zu sehen“, beschreibt Albrecht den Zustand auf den im Herbst bestellten Feldern. Die bevorstehende sehr frühe Blüte geht auf den Wachstumsvorsprung des eher milden Winters zurück. Auch hier die Ansage des Bauern: „Es gibt deutliche Unterschiede im Landkreis, nicht überall steht der Raps super da!“ Die Bienen dürfen sich also noch nicht auf eine flächendeckende baldige Blütenpracht freuen. Der Winterweizen ist laut Albrecht ganz gut aus dem Winter ins Wachstum gestartet. Über die Wintergerste kann er das nicht sagen. Viele Schläge zeigen sich mit aufgehellten gelben statt grünen Beständen. „Die Wintergerste hat Not gelitten. Auf den Standorten war es teilweise viel zu feucht“, kommt Albrecht auf den enormen Niederschlag zu sprechen, der im Januar und Februar vom Himmel fiel. Bis zu 300 Liter Regen auf den Quadratmeter waren dann doch für manche Flächen zu viel. Dass der Regen der Natur und dem Bodenspeicher sehr gut bekommen ist, daran lässt der Bauer allerdings keinen Zweifel. Nur muss jetzt im Getreide eine Pilzbehandlung erfolgen, will man nicht die Ernte aufs Spiel setzen. Auf den knapp 10.000 Hektar Ackerland im Kreis wächst laut Albrecht Sommergerste, die als Braugerste Verwendung findet, nur noch wegen der Fruchtfolge. „Wir waren hier ein typisches Braugerstenland“, blickt er in die Vergangenheit. Der Preis hat am Ende nicht mehr gestimmt und vom Drauflegen kann keiner leben. Das gilt auch für den Hafer. Wer sich Haferflocken zum Frühstück gönnt, kann sicher sein: Westpfälzer sind das keine. Hafer – der Anteil liegt bei nicht mal mehr 200 Hektar – wird nur noch von oder für die Pferdebesitzer angebaut. Wer gute Haferböden hat, schwere Körner produzieren kann und dann noch einen guten Vertrag mit der Industrie hat, kann für die Frühstücksschale anbauen. Passiert im Landkreis aber eher nicht. (thea)