Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Ramsteiner Safthersteller Lösch aus einer Küferei entstanden

Marco Lösch, der Sohn des Firmenchefs, präsentiert die Bandpresse, in der der Saft aus der Maische herausgepresst wird.
Marco Lösch, der Sohn des Firmenchefs, präsentiert die Bandpresse, in der der Saft aus der Maische herausgepresst wird. Foto: Potdevin

Aus der Pfalz für die Pfalz: So könnte man im Wesentlichen die Intention des westpfälzischen Fruchtsaft-Herstellers Lösch beschreiben, der im späteren Verlauf seiner mehr als 90-jährigen Firmengeschichte seinen Sitz von Steinwenden-Weltersbach ins Industriezentrum Westrich nach Ramstein-Miesenbach verlegt hat.

Zu Beginn der Firmenhistorie werden in der Chronik Otto Lösch und das Jahr 1928 genannt, als Lösch eine Küferei gründete und damit eine „250-jährige Familientradition“ fortsetzte. Das Hauptgeschäft war damals die Herstellung von Fässern und Bütten. Auch Badewannen für das Moorbad Landstuhl werden aufgezählt, doch wurde auch schon eine kleine Kelterei betrieben, die ausschließlich Apfel- und Birnenwein produzierte.

Mitte der fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wandelte sich unter Küfermeister Helmut Lösch senior das Hauptgeschäft schon mehr in Richtung Obstverarbeitung, wobei damals schon die Devise bestand „aus der Region für die Region“. Um die weiter ansteigende Obstzulieferung aufzufangen, baute Lösch über dem zuvor erstellten Lagerkeller eine Halle, in der die ersten Aluminiumtanks mit einer Lagerkapazität von 90.000 Litern Platz fanden.

An die Stelle der Fassproduktion rückte in den 1950er Jahren die Saftherstellung

„Die Holzfassproduktion wurde aufgrund der allgemeinen Entwicklung eingestellt, womit auch eine stärkere Konzentration auf die Saftherstellung möglich war“, berichtet die Chronik. Nach und nach wurden in der Folgezeit nicht nur die technischen Einrichtungen auf den neuesten Stand gebracht und das Tanklager erweitert, auch die Produktpallette ist durch Mischsäfte ansehnlich gewachsen.

Der heutige Firmenchef, Helmut Lösch junior, übernahm 1988 das Familienunternehmen, das schließlich 2005 nach Ramstein umzog. Diese Umsiedlung eröffnete neue Möglichkeiten, wobei der Anspruch von „absoluter Qualität und möglicher Naturbelassenheit stets und bis heute oberste Priorität hatte“. Heute präsentiert sich im Industriezentrum Westrich ein modern geführtes Unternehmen mit einer Kapazität für sterile Lagerung von knapp zwei Millionen Litern, bei dem Verpflichtung zur Tradition und technische Entwicklung augenscheinlich im Einklang stehen.

Geschenke, Süßigkeiten und edle Speisen gehören jetzt zum Portfolio im Abholmarkt

Gut 20 verschiedene Saftsorten umfasst das Portfolio des westpfälzischen Unternehmens, das in seinen neuen Räumen in Ramstein auch einen Abholmarkt eingerichtet hat, in dem man nicht nur eine große Anzahl an verschiedensten Getränke-Spezialitäten, sondern auch „Geschenke, Süßigkeiten und edle Speisen“ erwerben kann.

„Löschs Pfälzer Streuobst-Apfelsaft naturtrüb ist eines unserer Top-Produkte“, erklärt der Familienbetrieb in seinem Internetauftritt. Doch auch Pfälzer Traubensaft – weiß oder rot – sowie viele weitere Säfte und Nektare finden sich im Programm.

Auch außerhalb der Pfalz und des Saarlandes stehen Lösch-Säfte im Supermarktregal

Der Kundenkreis ist im Wesentlichen in der Pfalz und im südlichen Saarland beheimatet. Doch auch darüber hinaus haben sich Geschmack und Qualität der Lösch-Produkte herumgesprochen, denn in Städten wie Wittlich, Mainz oder Saarlouis stehen Lösch-Säfte verschiedentlich in den Regalen.

Die Produktion dieser Säfte geschieht mit modernsten Mitteln. Am Anfang der Kette stehen die Lieferanten des Obstes, das sowohl von Kleinanlieferern als auch mit Großraumcontainern gebracht wird. Zunächst wird das Obst über ein Ausleseband gefördert, wo bei einer Sichtkontrolle ungeeignete Früchte aussortiert werden. Der anschließende Waschvorgang geschieht in einem sogenannten Elevator, einer Vertikalförderschnecke mit angebautem Einlaufbehälter. Die Früchte fallen vom Ausleseband in das Wasserbad des Elevatorbehälters, werden von sich drehenden sogenannten Schneckenwendeln angesaugt und nach oben befördert. Dabei werden sie von der Fliehkraft nach außen an das Elevatorrohr gedrückt und durch die Reibung mit dem im Gegenstrom zugeführten Frischwasser gereinigt.

Der Trester wird zur Viehfütterung genutzt

Nach dem Waschen wird das Obst zu einer gut pressbaren Maische gemahlen und durch eine Pumpe zur Bandpresse gefördert und ausgepresst. Der ausgepresste Saft wird anschließend über ein Drehsieb von eventuell mitgeschwemmten, groben Fruchtbestandteilen getrennt und der weiteren Verarbeitung zugeführt. Die beim Pressen angefallen Reste der Äpfel, der Trester, wird für die Viehfütterung bei der Firma abgeholt. In einer Zentrifuge werden mittelgrobe Fruchtbestände, die das Vorsieb noch passieren konnten, ausgeschleudert.

Da reiner Fruchtsaft nicht mit Konservierungsmitteln versetzt ist, muss auf andere Art und Weise dafür gesorgt werden, dass Hefen und Bakterien sich nicht ausbreiten können. Dazu bedient man sich der Haltbarmachung durch Hitzeeinwirkung, die je nach Frucht- und Saftart unterschiedlich lang und hoch sein kann. Der frisch gepresste Saft kommt anschließend entweder in sterile und lichtdichte Tanks oder er wird direkt in die gereinigten und kontrollierten Mehrwegflaschen abgefüllt. Mit Etiketten versehen kann das Naturprodukt nun seinen Weg zum Endverbraucher antreten.

Zur Sache:

Wenige Pfälzer Äpfel, weniger SaftWährend im vergangenen Jahr die Äste der Obstbäume in unserer Region unter der Last der vielen Früchte zu brechen drohten, teilweise sogar abgebrochen sind, ist in diesem Jahr das Gegenteil der Fall. Wer im süd- und südwestdeutschen Raum einen oder mehrere Obstbäume besitzt, konnte es selbst erleben: Der Ertrag war gleich null. Auch bei den meisten Obst- und Gartenbauvereinen, die ihren Mitgliedern alljährlich deren Streuobst zu Saft verarbeiten, musste die Saftpresse gar nicht erst oder nur ganz selten in Betrieb genommen werden.

Helmut Lösch, der für seinen Betrieb großen Wert auf heimische Produkte, vorzugsweise als Direktsaft, legt, sieht gleich mehrere Ursachen für diesen extremen Obstmangel. Die sogenannte Alternanz, dass nämlich die Bäume in einem Jahr reichlich tragen, sich aber im nächsten Jahr gewissermaßen eine Ruhephase gönnen und einen entsprechend geringeren Ertrag haben, sei eine der Ursachen. „Es gibt mal stärkere und mal schlechtere Jahre im Streuobstbereich“, so Lösch, „aber dass es gar nichts gibt, ist eine erstmalige und hoffentlich einmalige Erscheinung. Ich habe das jedenfalls in meiner rund 40-jährigen beruflichen Tätigkeit auf diesem Sektor so noch nicht erlebt.“

Vielfach werde auch die lange Trockenheit in diesem Sommer als Ursache genannt. „Gewiss, der fehlende Regen stresst den Baum, aber sein Wurzelwerk ist so groß, dass er noch lange etwas an Feuchtigkeit findet. Für Lösch sind es mehrere Ursachen, die zusammengenommen zu dieser Erscheinung führten. Einmal haben die Bäume durch die Alternanz nur spärlich geblüht und gerade in dieser Zeit sei es so kalt gewesen, dass keine Bestäubung stattgefunden habe. In einzelnen Gegenden, so sei ihm berichtet worden, habe es sogar Frost gegeben und die Frostschäden seien dort noch dazugekommen. Die Trockenheit alleine ist für ihn nicht der Grund für den Obstmangel.

Doch, wie reagiert eine Firma, deren Markenzeichen „Natur pur aus der Pfalz“ ist und in deren Sortiment „Pfälzer Apfel-Direktsaft aus Streuobst“ eine große Rolle spielt? „Wenn es keine Äpfel gibt, können wir auch keinen Saft machen“, erklärt Lösch, „denn für diese Sorte verwenden wir Pfälzer Äpfel und sonst nichts. Auch keine Zusätze oder Hilfsstoffe.“ So wird der Vertrieb, zumindest der Sorte „Pfälzer Apfeldirektsaft aus Streuobst klar“ in Kürze auch eingestellt. „Wir versuchen, mit dem naturtrüben Pfälzer Apfeldirektsaft soweit es geht, über die Runden zu kommen.“ Von dieser Sorte ruht noch ein gewisser Vorrat vom vergangen Jahr in den sterilen Tanks. Den Apfelsaftanteil bei den nicht als regional spezifizierten Mischsäften deckt er in diesem Jahr „gezwungenermaßen“ mit Tafeläpfeln aus Belgien ab.

Sichtkontrolle am Förderband: Ungeeignete Früchte werden hier aussortiert.
Sichtkontrolle am Förderband: Ungeeignete Früchte werden hier aussortiert. Foto: Potdevin
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