Kreis Kaiserslautern
Ramstein-Miesenbach: Olympiade der Waldorfschulen im Reichswaldstadion
Die traditionelle Olympiade der Waldorfschulen steigt im Reichswaldstadion in Ramstein. Der Regen kennt kein Erbarmen, die Waldorfschüler auch nicht. Sie sind extra aus Trier, Walhausen, Bexbach, Saarbrücken und Otterberg angereist und ziehen ihre ganz eigene Olympiade durch – pudelnass, aber nicht unzufrieden.
Die Fahnen der Schulen hängen am Mast, das Mittagessen wird aus dem Bus der Waldorfschule Saar-Hunsrück aus Walhausen gebracht – vegetarische Döner sind im Angebot. Karen Müller, Sportlehrerin an der Waldorfschule Otterberg, entzündet mit der Fackel das Olympische Feuer. Die erste Herausforderung ist geschafft. Im Dauerregen eine Fackel bei feuriger Laune zu halten, ist nicht leicht. 170 bereits durchnässte Fünftklässler strömen an ihre ersten Starts.
Zwar wird die Waldorf-Olympiade in einem großen Sportstadion durchgeführt, aber das was hier geschieht, hat seine ganz eigene Note und ist kaum mit einem normalen Leichtathletik-Wettkampf vergleichbar. Für die Schüler der 5. Klassen stehen ganzjährig die Epochen der alten Kulturen auf dem Stundenplan – im Klassenzimmer genauso wie im Werkraum und auf dem Sportplatz. „Die Olympiade als Höhepunkt gehört seit Jahrzehnten einfach dazu“, erläutert Dieter Petsch, Sportlehrer an der Waldorfschule Walhausen, um was es hier geht.
Wegen des Regens wird das Programm auf das Minimum begrenzt
Allerdings wurde in all den Jahren die Olympiade noch nie so von oben begossen. Das ist der Grund dafür, dass sie von den verantwortlichen Lehrern diesmal auf ein ziemliches Minimum begrenzt wird: Keine große Begrüßung in verschiedenen Sprachen, keine Ringkämpfe, kein Wagenrennen und auch keine Tanzdarbietungen, nur der Vierkampf bestehend aus Lauf, Sprung, Diskus- und Speerwurf sind im Ramsteiner Stadion angesagt.
Die Riegen, die sich hier sortieren und von weitem an den roten, blauen, grünen oder gelben Schärpen zu erkennen sind, wurden von den Klassenlehrern aller teilnehmenden Schulen je nach Wesen des Schülers eingeteilt. Es geht also in einem ziemlichen Klassenmix an den Start. So unterschiedlich wie die Schüler sind, so unterschiedlich sind auch die selbst gefertigten Speere, die hier zum Einsatz kommen. Wie weit diese jeweils fliegen, ist dabei gar nicht so entscheidend. Was wirklich zählt, ist die Ausführung des Wurfes. Nur wer sich ästhetisch schön mit dem Speer zu bewegen weiß und wer den Diskus elegant aus der Hand entlässt, der kann punkten. Hier zählt ausnahmsweise mal nicht der Kraftprotz.
Jeder besitzt ein Maßband, auf dem die eigene Körperlänge festgehalten ist
Auch beim Weitsprung in die ziemlich nasse Sandgrube haben die Waldorfschüler eigene Regeln. Jeder besitzt ein Maßband, auf dem exakt die eigene Körperlänge festgehalten ist. Anlaufen, springen und anhand der Körpergröße messen. Das trennt die echte Spreu vom Weizen und nicht die Schüler mit den kurzen Beinen von denen mit langen.
Das mit dem Dauerregen scheint die Fünftklässler nicht ernsthaft zu beeindrucken, sie geben, was in ihnen steckt. Nur, dass der Regen sich erdreistet, die schöne Fahne, die sie eigens für diesen Tag in Ramstein gemalt haben, zu verändern, finden sie das gelinde gesagt doof. „Wir hätten wasserfeste Farben nehmen sollen“, bedauern zwei Mädels mit traurigem Blick auf die Fahne. Dafür wirken die Siegerkränze – gewunden aus Efeu – bei der Waldorf-Olympiade 2019 besonders frisch.