Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Ramstein-Miesenbach: Nachkommen deutscher Einwanderer aus Brasilien zu Gast

Unter anderem die Wandermusikanten (unser Bild) unterhielten die Zuhörer beim Deutsch-Brasilianischen Abend im Congresscentrum i
Unter anderem die Wandermusikanten (unser Bild) unterhielten die Zuhörer beim Deutsch-Brasilianischen Abend im Congresscentrum in Ramstein-Miesenbach.

Wie es sich anhört, wenn zwei gebürtige Brasilianer mit deutschen Wurzeln „Pälzisch“ sprechen, haben im Haus des Bürgers in Ramstein bei einem Theaterstück von Carlos Alberto Klein und Cristiano Louis Schenkel erfahren. Die Schauspieler sprechen übrigens auch in ihrer Heimat Dois Irmaos pfälzisch.

Die beiden stammen von deutschen Einwanderern ab, die sich im 19. Jahrhundert in Brasilien ein besseres Leben erhofften. 13 Brasilianer sind seit dem vergangenen Samstag in der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach zu Gast. Sie haben alle deutsche Wurzeln und stammen aus der Weltersbach, Miesenbach und Kottweiler, aber auch aus dem Hunsrück. So klingen ihre Nachnamen allesamt Deutsch: Schenkel, Weissheit, Bier oder Klein. Lediglich die Bürgermeisterin von Dois Irmaos, Tania Terezinha da Silva spricht kein Deutsch und sie erklärt: „Und trotzdem haben sie mich als Schwarze zu ihrer Bürgermeisterin gewählt.“ Daran sehe man, wie offen die Menschen in ihrer Heimatstadt seien.

Die Stadt Dois Irmaos geht auf die deutschen Einwanderer aus der Region Ramstein zurück

Die Stadt in Brasilien im südlichsten Bundesstaat Rio Grande do Sul geht auf die deutschen Einwanderer aus der Region Ramstein und dem Hunsrück zurück. „Noch heute stammen von den 32 000 Einwohnern mehr als 80 Prozent von deutschen Einwanderern ab“, sagte Ralf Hechler, VG-Bürgermeister von Ramstein-Miesenbach (CDU). „1822 ließ Brasiliens Kaiser Pedro I. mit seiner Frau Leopoldine deutsche Bauern und Söldner anwerben“, berichtete Roland Paul, der ehemalige Leiter des Instituts für pfälzische Geschichte. „Damals muss sich Brasilien für die Menschen wie ein Zauberland angehört haben.“

Hechler erzählt, dass in den Neunziger Jahren ab und an Brasilianer in Ramstein auf der Suche nach ihrer Herkunft gewesen seien. Theo Pfleger aus Niederkirchen kümmerte sich um diesen Teil der Geschichte und so entstand im Laufe der Zeit ein reger Kontakt mit der Region in Brasilien rund um Dois Irmaos.

Als die Sprache Deutsch verboten wurde

An diesem Abend wollten die Brasilianer den Deutschen ihr Leben näher bringen. In dem Theaterstück von Klein und Schenkel ging es um die Schwierigkeiten, die ihre Familien in den vierziger Jahren hatten, als die Sprache Deutsch verboten wurde, die Fabriken entstanden und immer weniger Maisanbau und Plantagenarbeiten gemacht wurden. Dieses ernste Thema hatten die beiden aber so lustig aufbereitet, dass sich über die wunderbaren typisch pfälzischen Redensarten so mancher die Lachtränen aus dem Gesicht wischen musste: „Ich hann Schlee kriet“ oder „mir wolle eich bissje weise, wie das bei uns war“ . Tatsächlich sind Klein und Schenkel mit der pfälzischen Sprache aufgewachsen. „Dem sei Mama hat nur deitsch geschwetzt“, erklärt Schenkel und zeigt auf seinen Vater. „Der hat erscht in da Schul portugiesisch gelehrt“, berichtet sein Vater, der 72-jährige Anselmo Schenkel, der in Miesenbach noch Verwandte hat.

Paul erzählte, wie er vor Jahren – bei einer Reise mit Theo Pfleger nach Dois Irmaos – nach dem Flug mit dem Piloten gesprochen habe, weil Pfleger dessen Namensschild „Maurizio Blauth“ aufgefallen. Der Mann habe ihm erklärt, er spreche schlechtes Deutsch: „Er sprach nämlich Pfälzisch“, erinnert sich Paul lachend.

Hechler: „Es ist mehr als eine Städtepartnerschaft“

Hechler kann sich eine Partnerschaft der Region Ramstein-Miesenbach mit der Region um Dois Irmaos vorstellen. „Es ist ja mehr als eine Städtepartnerschaft. Die Verwandtschaftsbeziehungen gehen ja bis in das Saarland hinein und in den Hunsrück.“ Die Koordination des Ganzen soll aber in Ramstein sein, wünscht sich Hechler: „In Ramstein gibt es 91 Nationen, hier passt das hin.“ Auch die Universität in Kaiserslautern könne sich eine Verbindung mit der Region im Süden Brasiliens gut vorstellen. Immerhin kämen schon jetzt etliche Studenten aus Brasilien nach Kaiserslautern um hier ihr Studium zu beenden. In Kaiserslautern wurde auch im April das Kulturzentrum „Brasilien in Lautern“ gegründet.

Auch 200 Jahre nach den ersten Einwanderern ist die Region noch sehr deutsch geprägt

Mit vielen Fotos aus Dois Irmaos – sie stammen von Theo Pfleger, der sie bei einem Besuch dort gemacht hatte – wird klar, dass die Region auch fast zweihundert Jahre nach den ersten Einwanderern sehr deutsch geprägt ist. Da gibt es wunderschöne alte Fachwerkhäuser, die Region heißt „Baumschneis“. „Die Einwanderer mussten die Region zuerst einmal roden“, erklärt Paul den Begriff. Ein Ortsschild weist in Richtung Walachei oder in das Jammerthal und dann gibt es da auch noch die Hunsrücker Bierbrauerei. Auch die Feste in der Stadt sind wohl typisch deutsch. Alljährlich lockt die Michaelskerb auch viele Touristen aus anderen Städten von Brasilien an.

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