Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Ramstein-Miesenbach: Landessieg für Kerosin-Forscher bei „Schüler experimentieren“

Erfolgreiche Forscher: (von links) Lara Schimmel, Johanna Kneller, Annerose Molitor-Schworm, Esther Sternheim und Jannik Hanke s
Erfolgreiche Forscher: (von links) Lara Schimmel, Johanna Kneller, Annerose Molitor-Schworm, Esther Sternheim und Jannik Hanke setzen Kresse Kerosin aus.

Kerosin schadet Pflanzen – und zwar schon in geringen Dosierungen. Zu diesem Ergebnis sind Johanna Kneller, Lara Schiller und Jannik Hanke vom Reichswald-Gymnasium Ramstein-Miesenbach bei Forschungen in einer Arbeitsgemeinschaft gekommen. Mit dem Projekt hatten sie auch bei „Schüler experimentieren“, der Juniorensparte des Wettbewerbs „Jugend forscht“, teilgenommen und waren erfolgreich: Sie gewannen nicht nur den Regionalwettbewerb, sondern auch auf Landesebene im Fach Biologie.

Zeitungsberichte über den Kerosinablass über der Pfalz und die Nähe zur Air Base Ramstein mit ständigem Flugverkehr hatten die drei Schüler des Reichswald-Gymnasiums Ramstein-Miesenbach, die mittlerweile die neunte Klasse besuchen, auf das Thema gebracht. Jannik interessiert sich außerdem „sehr für Sachen, die mit der Umwelt zu tun haben“. Er sei durch die Fridays-for-Future-Demonstrationen, bei denen Schüler auf der ganzen Welt für mehr Klimaschutz auf die Straße gehen, sensibilisiert worden.

Da es keine neuere Forschung über die Auswirkungen des Kerosins auf Organismen auf dem Boden gibt – die jüngsten Arbeiten, die die Schüler dazu fanden, stammen aus dem Jahr 1992 –, machten sich die drei selbst ans Forschen. Unterstützt von den Lehrerinnen Annerose Molitor-Schworm und Esther Sternheim entwickelten sie eine Versuchsanordnung, bei der sie Kresse mit Kerosinlösungen behandelten. Weil sie das Flugbenzin nicht erwerben konnten, besorgten sie sich welches aus dem Bestand der Technischen Universität Kaiserslautern. Da von dem abgelassenen Kerosin angeblich nur geringste Mengen auf dem Boden ankommen, bemühten sie sich, die Lösungen so stark mit Wasser zu verdünnen, dass sie der Realität nahekommen.

„Selbst geringste Mengen haben Einfluss auf das Längenwachstum“

Schon die ersten Resultate zeigten, dass die Pflanzen sich schlechter entwickelten, wenn sie mit Kerosin in Berührung kamen. „Selbst geringste Mengen haben Einfluss auf das Längenwachstum“, berichtet Johanna Kneller. Die behandelte Kresse sei in ihren Versuchen kleiner geblieben. Die 15-Jährige fügt hinzu, dass auch das Immunsystem der Kresse durch den Treibstoff beeinträchtigt werde, die Keimlinge hätten sich zum Beispiel anfälliger für Pilzkrankheiten gezeigt, und das sogar dann, wenn sie zuvor mit Salicylsäure gestärkt wurden. Für sie und ihre beiden Klassenkameraden steht fest, dass auf diesem Gebiet weiter geforscht werden müsste.

Der Sieg auf Landesebene bei dem „Schüler experimentieren“-Wettbewerb kam für die Ramstein-Miesenbacher übrigens überraschend. Vor allem aber sind sie davon angetan, wie viele Menschen sich seither für das Thema interessieren. Von den Sozialdemokraten wurde die Projektgruppe zu einem Diskussionsabend eingeladen und sogar Martin Schmied, der Leiter der Abteilung Verkehr, Lärm und Raumentwicklung des Bundesumweltamtes habe die Arbeit der Schüler gelesen und weitere Anregungen für Folgeforschung gegeben, erzählt Molitor-Schworm.

Wunsch nach mehr wissenschaftlichen Studien

Wünschen würden sich Johanna, Lara und Jannik, dass die Politiker zum einen für mehr wissenschaftliche Erkenntnisse zu dem Thema sorgen würden. Die grundsätzliche Frage laute: Wie viel Kerosin kommt wirklich am Boden an? Zum anderen müsse geklärt werden, ob nicht nur Kresse im Labor, sondern auch Pflanzen aller Art auf Feldern und in Gärten durch das Flugbenzin beeinträchtigt werden. Darüber hinaus finden sie, dass der Kerosinablass so oder so eingeschränkt werden sollte. „Man muss natürlich Unterschiede machen, wenn es zum Beispiel um Menschenleben geht“, sagt Jannik, „aber eigentlich sollte man den Kerosinablass verbieten.“

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