Kreis Kaiserslautern
Ramstein-Miesenbach: Gemarkungsbegehung des CDU-Stadtverbands mit Einblicken in die Lokalhistorie
„Franzosenbahn“ und „Franzosencamp“ waren Punkte, an denen die rund 60 Teilnehmer der Gemarkungsbegehung Ramstein am Samstagvormittag einen Stopp einlegten. Geführt von Bürgermeister Ralf Hechler (CDU) lernten sie auf der acht Kilometer langen Wanderung die Grenzen ihrer Gemeinde und einen Teil der Geschichte kennen, in der Besatzer und Militär ihre Spuren hinterlassen haben.
Doch bevor es los geht, lenkt Hechler die Blicke erstmal zum Wasserturm im Industriezentrum Westrich (IZW). Der Hochbehälter mit einem Fassungsvermögen von 1000 Kubikmetern stehe in den „Ramsteiner Alpen“, scherzt er: Auf dem höchsten Punkt Ramsteins sei er in 226 Metern über Normalnull für vier Millionen Euro erbaut worden. Davon habe die Stadt ein Viertel der Kosten getragen, der Rest sei aus Töpfen des Landes geflossen. Auch verweist der CDU-Mann auf den nahen Langgewannerhof und auf die Gleisstrecke, die zur Firma Rettenmeier im IZW führt.
„Auf geht’s!“, fordert Hechler die Gäste zum Losmarschieren auf. Erwachsene, Familien mit Kind und Kegel, mit Bollerwagen und Hunden setzen sich in südwestliche Richtung in Bewegung. Über Asphalt, Laub und leicht geschotterte Waldwege führt diese Etappe, die von Christoph Donauer und Rudolf Maas, beide Mitglieder des CDU-Stadtverbandes, wenige Tage zuvor abgelaufen und für geeignet befunden worden war. Maas will wohl, wie die meisten der Teilnehmer, mehr über die Geschichte seiner Heimatstadt und der Region erfahren. „Es ist auch für mich immer wieder interessant, weil bisher unbekannte Dinge auftauchen“, erzählt er.
Als Kind hat Andreas Specht alte Munition ausgegraben und angezündet
Zum Beispiel die „Franzosenbahn“, ein von Bäumen umgebener Graben. Diese Bahnlinie wurde nach dem Ersten Weltkrieg von den französischen Besatzern angelegt. „Sie brachten Munition und Sprengstoff aus den Munitionshäuschen in der Spesbacher Straße zum Sprengen hierher“, lässt Hechler ein Stück Geschichte passieren.
Dass von diesem Explosionsmaterial auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch welches vorhanden war, weiß auch Andreas Specht. Als Steppke ist er mit Freunden beim Umherstreifen durch das Waldgebiet auf die Munitionsreste gestoßen. „Wir haben sie 15, 20 Zentimeter unter der Grasnarbe gefunden, ausgegraben, in Coladosen gesteckt und angezündet. Das hat geknallt, geraucht und gezischt“, berichtet er von dem gefährlichen Spaß, den er im Rückblick selbst als „Dumme-Jungen-Streich“ bezeichnet.
Die Kinder beobachten den Biber, die Mutter interessiert sich für die Ortsgeschichte
Melanie Reis und ihr zwölfjähriger Sohn Max marschieren ebenfalls mit. Die beiden sind sehr naturverbunden, beobachten das Treiben des Bibers im Mohrbach und insbesondere die Mutter, die schon zum zweiten Mal bei einer Gemarkungsbegehung mit dabei ist, interessiert sich als Zugezogene für die Ortsgeschichte. Auch Gäste aus Landstuhl sind herüber nach Ramstein gekommen, etwa Elke Dick, Vorsitzende des dortigen CDU-Stadtverbands. „Auch unser Stadtverband hat schon darüber nachgedacht, eine solche Wanderung anzubieten“, berichtet sie. Allerdings: „Bei uns gibt es ja Berge und es nicht so einfach, so etwas durchzuführen.“
Der nächste Stopp wird beim „Franzosencamp“ eingelegt. Dabei handelt es sich heute um eine – ringsum von Stacheldraht umgebene – Liegenschaft der US-amerikanischen Streitkräfte mitten im Wald. „Bis 1951 waren die Franzosen hier Besatzer, dann wurde neu aufgeteilt und die Amis haben diese Liegenschaft übernommen“, informiert Hechler über das Übungsgelände mit Werkstatt und Station der Flugplatzfeuerwehr.
„Es geht darum, dass die Leute wissen, wo sie wohnen“, sagt Ralf Hechler
Weiter geht’s – vorbei an einem zurzeit stillgelegten Tiefbrunnen und an gelben Pfosten, die Ferngasleitungen markieren – in Richtung Autobahn und offene Landschaft. Der Hunger lässt einige Jungs in Lebkuchen beißen, die sie als Wegzehrung dabei haben. Aber nicht mehr lange, dann werden die Teilnehmer alle mit Heißgetränken, Brötchen und Wurst empfangen. Anschließend geht es weiter zum Landstuhler Bahnhof, von wo die Gruppe per Zug zurück zum Ramsteiner Bahnhof fährt.
Mit dieser fünften Begehung hat die örtliche CDU nun die komplette Gemarkung umwandert. „Es geht dabei ums Zusammenkommen und darum, dass die Leute wissen und schätzen lernen, wo sie wohnen“, nennt Vorsitzender Hechler die Motivation. Die scheint groß zu sein, denn abhängig von Zeitpunkt und Wetter waren schon bis zu 100 Teilnehmer bei den Touren mit von der Partie.