Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Ramstein-Miesenbach: Evelyn Weiß scheidet als Leiterin des Museums im Westrich aus

Zwischen Exponaten des Museums, das der Alltagsgeschichte und der Kultur der Region gewidmet ist: „Ein Heimatmuseum hat meiner M
Zwischen Exponaten des Museums, das der Alltagsgeschichte und der Kultur der Region gewidmet ist: »Ein Heimatmuseum hat meiner Meinung nach viele verschiedene Berechtigungen«, sagt Evelyn Weiß. Foto: VIEW

Nicht jeder Werdegang ist vorgegeben. Das gilt auch für Evelyn Weiß, die wohl nicht gedacht hätte, dass sie einmal ein Museum leiten würden. Nach zehn Jahren an der Spitze des Museums im Westrich wird die studierte Historikerin nun zum 31. Januar aus ihrem Amt ausscheiden.

1947 in Kaiserslautern geboren, schlug die heute 72-Jährige zunächst einen völlig anderen Berufsweg ein. Nach einem Lehramtsstudium unterrichtete sie 22 Jahre lang an der damaligen Hauptschule in Weilerbach. Durch verwandtschaftliche Beziehungen ihres Mannes nach Sydney lebte das Paar anderthalb Jahre in Australien. Für diese Zeit war Weiß vom Schuldienst beurlaubt. Nach ihrer Zeit in Sydney und wieder angekommen in der Pfalz, „wusste ich, ich gehe nicht mehr in den Schuldienst zurück“, erinnert sich die Pädagogin.

Jetzt war die Zeit gekommen, das zu machen, „was ich schon immer wollte und mich wirklich interessiert hat“. Mit 46 Jahren begann sie also, Geschichte und Kunstgeschichte zu studieren. Mit knapp 55 Jahren beendete sie das Studium. „In dem Alter nimmt einen ja keiner mehr“, bilanziert sie ihre erfolglosen Anstrengungen auf der Suche nach Arbeit. Sie absolvierte schließlich einen Kurs für Stadtführungen in Kaiserslautern und ist seither als Gästeführerin unterwegs. „Das behalte ich auch bei“, stellt sie für die Zeit nach ihrer Museumstätigkeit in Aussicht.

Evelyn Weiß investierte viel Zeit, um gute Ausstellungen zu bieten

Durch den Historikerkollegen und Vorsitzenden des Förderkreises des Heimatmuseums, Roland Paul, kam schließlich die Verbindung zum Museum im Westrich zustande mit seiner vakanten Leitungsstelle. „Da habe ich natürlich zugegriffen“, erinnert sich Weiß. „Ich habe mich total gefreut, dass ich so etwas machen konnte und mein Studium zur Anwendung kam.“ Es war ihr nicht wichtig, dass die Stelle der Museumsleiterin lediglich als 450-Euro-Job bei der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach als Trägerin konzipiert war. Um dem Arbeitsumfang gerecht zu werden, hat sie viel mehr Zeit investiert.

Das Museum widmet sich der Alltagsgeschichte und der Kultur der Region. Es beherbergt eine Dauerausstellung mit festen Installationen wie einem Dorfladen, einer Dorfwirtschaft und der Kräuterkammer einer alten Apotheke. Daneben werden im Jahr rund zwei bis vier Sonderausstellungen abgehalten. Knapp 30 hat Weiß in ihrer Zeit als Museumsleiterin auf den Weg gebracht. „Ein Heimatmuseum hat meiner Meinung nach viele verschiedene Berechtigungen“, sagt sie. „Mir war es wichtig, nicht nur alte Töpfe hinzustellen, sondern auch Themen aufzugreifen, die für die Region historisch bedeutend und wichtig sind. Die Leute sollen die Chance haben, sich mit ihrer Region zu identifizieren.“ Sicherlich sei auch das Bewahren von alten Dingen wichtig. Doch die Würdigung der Leistung regionaler Künstler, Institutionen und Vereine liege ihr besonders am Herzen. „Das kann man sonst ja nirgendwo machen.“ Hervorzuheben seien dabei die Ausstellungen vom März 2013 über die Kulturgeschichte des Torfes, vom Januar 2014 über die Bergleute der Region, vom Dezember 2014 über die Frauenspuren in der Westpfalz und vom Januar 2019 über die evangelische Kirche der Pfalz in der Zeit des Nationalsozialismus. Letztere habe sie selbst, um den lokalen Bezug herzustellen, mit Berichten über regionale Pfarrer ergänzt.

Das Info-Center zieht um, das Museum könnte darunter leiden

Seit elf Jahren beherbergt das barocke Gebäude in zentraler Lage auch das Info-Center der Stadt. Das soll sich in diesem Jahr ändern. „Das Info-Center zieht in das umgebaute Bürgercenter am neuen Busbahnhof um“, stellt Weiß fest. Das Museum habe immer viel von der Laufkundschaft des Info-Centers profitiert. Die 72-Jährige befürchtet daher, dass die Besucherzahlen künftig stark rückläufig sein könnten.

Und wer folgt nun Weiß nach? Die Frage sei noch nicht geklärt, sagt der Erste Beigeordnete der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach, Marcus Klein. „Die Gespräche laufen.“ Es werde nach möglichen gemeinsamen Lösungen für das Museum im Westrich und das Docu-Center in der Schernauer Straße gesucht.

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