Kreis Kaiserslautern
Ramstein-Miesenbach: Biogasanlage der Abo Wind AG produziert Strom und Biomethan
Die großen dunkelgrünen Tanks der Biogasanlage der Abo Wind AG im Ramsteiner Industriegebiet sind von Weitem zu sehen. Dort wird Biogas produziert und zu Strom und Biomethan umgewandelt. Immer wieder war die Anlage in der Vergangenheit in der Kritik, weil von ihr üble Gerüche ausgegangen sein sollen. Die RHEINPFALZ hat sich dort umgesehen.
Einmal am Tag wird gefüttert: „Das bedeutet, dass ein Mitarbeiter der Anlage eine Mischung aus Maissilage, Grassilage, Ganzpflanzensilage (GPS), Gülle und Mist zuführt, danach läuft alles automatisiert ab“, erläutert Mike Luther, Abteilungsleiter für technische Betriebsführung bei der Abo Wind AG. Gefüttert werden rund 100 Tonnen pro Tag.
In den sechs Tanks, von denen einer rund 3000 Kubikmeter fasst, zersetzen Bakterien den Pflanzen-Gülle-Mix. Dabei bildet sich das Biogas. „Damit dieser Vergärungsprozess funktionieren kann, sind die Tanks absolut luftdicht und auf 40 Grad Celsius angewärmt“, erläutert Florian Dahl, Teamleiter für die Betriebsführung der Biogasanlagen. Riesige Rührer halten die Masse dabei ständig in Bewegung. Zwischen 10.000 und maximal 22.000 Kubikmeter sind in allen sechs Tanks. Das komme auf die Jahreszeit und Ausbringzeit an, erläutert Abo Wind-Pressereferent Christian Schnohr.
Der Substrat-Mix durchläuft verschiedene Prozess-Stufen
In der Ramsteiner Anlage wird das Gas in zwei Produktionssträngen hergestellt. Dabei durchläuft der Substratmix drei verschiedene Prozess-Stufen. Die Masse wird dabei kontinuierlich durch hintereinander geschaltete Tanks geleitet, ein Vorgang der rund 60 bis 70 Tage dauert. Das Biogas werde aus allen Prozess-Stufen entnommen, erklärt Luther. Danach gebe es zwei Verwertungsmöglichkeiten: Aus einem Drittel des Gases wird in den drei Blockheizkraftwerken der Anlage Strom produziert. Dabei wird auch Wärme frei, die wiederum zum Heizen der Tanks der Biogasanlage genutzt wird.
Die anderen zwei Drittel des Biogases werden in einer Gasaufbereitungsanlage mittels Druckwasserwäsche in reines Biomethan umgewandelt. „Bei diesem Verfahren wird das Kohlenstoffdioxid aus dem Biogas herausgewaschen, auf Erdgasqualität gebracht und in das örtliche Erdgasnetz eingespeist“, sagt Luther. Unter anderem werde damit das Blockheizkraftwerk am Ramsteiner Schulzentrum beliefert, das wiederum das Freizeitbad Azur und die Schule beheizt, erläutert Luther.
40 Landwirte aus der Region beliefern die Biogasanlage
Mist und Gülle sowie die nachwachsenden Rohstoffe wie Mais oder Gras liefern laut Luther rund 40 Landwirte aus der Region, mit denen das Unternehmen langfristige Verträge habe. Für viele sei dies eine wichtige Einnahmequelle, mit der sie sicher kalkulieren könnten, erklärt Dahl. „Mit unserer Anlage stärken wir die Landwirte vor Ort und tragen zur regionalen Wertschöpfung bei“, so Luther. Knapp 40.000 Tonnen Substrate verarbeitet die Anlage jährlich. Die Biomasse werde von den Bauern nach Abschluss des Vergärungsprozesses wieder abgeholt und als hochwertiger Dünger auf die Felder aufgebracht.
„Nehmen Beschwerden wegen Geruch ernst“
Auf der Autofahrt zur Biogasanlage ist beim RHEINPFALZ-Besuch kein übler Geruch zu bemerken. Lediglich beim Rundgang über die Anlage riecht ein großer Haufen Mais-Silage. Gülle ist nicht dabei, erklärt Schnohr. Für diese gebe es einen kleinen zusätzlichen abgeschlossenen Behälter. Pferde- oder Rindermist lagere in einer eigenen Kammer. Dieser „Landgeruch“ sei normal, das sei eben wie auf einem Bauernhof, sagt Luther. „Direkt hinter dem Zaun der Anlage bemerkt man davon nichts mehr“, sagt der Abteilungsleiter und nimmt damit auf die Beschwerden Bezug, die es erst kürzlich wieder wegen Geruchsbelästigung gegeben hat. Man habe alles überprüft und nichts gefunden, so Luther. Erst im Sommer hatte das Unternehmen die Anlage geprüft und undichte Leitungen repariert. Gleichwohl nehme man die Beschwerden ernst. Der üble Geruch entstehe, wenn das Biogas aus dem System entweiche. Das könne passieren, wenn die Überdruckventile an den Tanks nicht korrekt funktionierten. Ob dies geschehe, werde aber regelmäßig überprüft.
Dächer müssen geöffnet werden, um Rührwerke zu warten
Daneben sei es nötig, alle zwei Jahre die Dächer der Tanks an einer kleinen Stelle zu öffnen, um die Rührwerke von oben zu warten. „In einem Fall ist es in der Vergangenheit vorgekommen, dass die Gasaufbereitungsanlage ausgefallen ist und die Blockheizkraftwerke das Zuviel des Biogases nicht verwerten konnten.“ Zeitgleich sei zu diesem Zeitpunkt die Fackel, bei der überschüssiges Biogas abgebrannt werden kann, gewartet worden. Dies komme allerdings sehr selten vor. „Es ist in unserem ureigensten Interesse, dass unser teuer produziertes Gas nicht entweichen kann“, sagt Luther.
Viele Beschwerden gebe es im Oktober, wenn die Landwirte die umliegenden Felder düngten, erklärt Dahl. Schnell gerate dann die Biogasanlage in Verdacht. Um Vorurteile abzubauen, sei im nächsten Jahr ein Tag der offenen Tür geplant. Luther: „Wir wollen den Leuten zeigen, was wir hier machen.“
Zur Sache:
Die Abo Wind AG mit Sitz in Wiesbaden betreibt insgesamt sieben Biogaskraftwerke in Deutschland. Die Anlage in Ramstein ist laut Unternehmen die größte. Sie umfasst drei Blockheizkraftwerke, die innerhalb eines Jahres zusammen rund 4,4 Millionen Kilowatt Strom produzieren. Daneben speist die Anlage stündlich 350 Kubikmeter Biomethan in das örtliche Gasnetz ein. Insgesamt versorgt die Anlage rund 9200 Menschen mit Strom. Die Abo Wind AG hatte die Biogas-Anlage in Ramstein im Herbst 2015 von der Juwi-Gruppe übernommen. Die Investitionssumme für den Kauf der Anlage sowie Aus- und Umbau in den letzten Jahren lagen nach Angaben des Unternehmens im mittleren einstelligen Millionenbereich. Im Sommer vergangenen Jahres wurde eine Photovoltaikanlage in Betrieb genommen. Die jährlichen Wartungskosten beziffert das Unternehmen mit 400.000 Euro pro Jahr. In der Ramsteiner Anlage sind zur Zeit vier Mitarbeiter beschäftigt: Schlosser, Elektriker und Landwirtschaftstechniker.