Kreis Kaiserslautern
Ramstein-Miesenbach: Air-Base-Gegner formieren sich zu einwöchigem Protest
In Steinwenden wird ab Sonntag, 23. Juni, wieder das alljährliche Friedenscamp aufgeschlagen. „Stopp Air Base Ramstein“ steht auf vielen Fahnen, die in der bevorstehenden Aktionswoche geschwenkt werden. Wenn zum Monatsende dann einmal mehr Militärflugplatz-Gegner und Friedens-Befürworter mobil machen, so auch mit dem dringenden Appell, die Daseinsgrundlage kommender Generation zu bewahren.
Vorboten des Klimawandels in Form von Wetterunbilden sind bereits unübersehbar. Aber was hat die Air Base damit zu tun? „Verdammt viel“, findet Achim Müller: „Kriege sind der größte Umweltkiller überhaupt“, sagt der Sprecher der „Pfälzer Initiative ,Entrüstet Euch!’“. Mithin sei die Air Base Ramstein „eine Katastrophe für Mensch und Umwelt“.
Dagegen gehen die Mitstreiter der Initiative ganzjährig an – erhöhen aber ab und an den Druck und mobilisieren alljährlich im Sommer eine Woche lang viele Gleichgesinnte. „Zwei Polizisten waren zu Beginn da; entspannt wartend“, blickt Reiner Braun leicht amüsiert auf die Anfänge der Kampagne „Stopp Ramstein“ zurück. Was kam, war aber nicht das erwartete Häuflein Aktivisten. Hunderte waren es, mehr als 1000 wohl, und mittlerweile habe sich die Zahl jener, die ihren Protest vor Ort zum Ausdruck brächten, bei 5000 eingependelt. Braun, der das „International Peace Bureau“ vertritt und die Bemühungen der Friedensarbeit in der Westpfalz seit Anbeginn der Initiativen unterstützt, freut sich denn auch wieder auf ein bunt-belebtes Friedenscamp, das ab kommendem Sonntag den Basis-Stützpunkt bildet.
Sogar Menschen um die 80 nehmen am Friedenscamp teil
Auf grüner Wiese bei Steinwenden schlagen Friedensaktivisten, Umweltschützer und Unterstützer ihre Zelte auf. Widmen sich dort in Workshops themenbezogener Arbeit, haben aber auch Spaß bei kulturellen Angeboten, bei heißer Diskussion bis in die Nacht hinein, wie Braun betont. „Da kommen auch Leute um die 80. Die bleiben keine Woche, klar, das ist nicht nur einigen älteren zu stressig. Aber sie wollen ein, zwei Tage dabei sein, das Gemeinschaftsgefühl genießen.“ Ansonsten tummelten sich überwiegend junge Leute im Camp.
Allerdings: Zwischendrin wird’s immer wieder ernst, todernst: Kein Drohnenkrieg von deutschem Boden aus, so lautet eine der Kernforderungen. Bremsklötze in die „europäische Kriegsdrehscheibe“ der USA zu schleudern, ist erklärtes Anliegen. Im fünften Jahr in Folge wird am letzten Juni-Wochenende demonstriert. Gegen Krieg, für gerechten Frieden, wie es das Leitmotiv ausdrückt.
Flächenversiegelung Waldzerstörung sind weniger augenfällige Folgen der Air Base
Reiner Braun sowie Connie Burkhart-Schmitz und Achim Müller, die regionalen Repräsentanten der 2016 gegründeten „Entrüstet Euch!“-Bewegung, erläutern, was Sinn und Zweck des Protestes ist. Dass kriegerische Auseinandersetzungen von Ramstein aus gesteuert würden, sei es nicht alleine, sondern die Air Base ziehe einen „Rattenschwanz an üblen Nebenwirkungen“ nach sich, so Achim Müller. Im Blick hat er dabei die „umweltzerstörerischen Aspekte vor Ort“: Kerosinablässe, deren Auswirkung noch gänzlich unerforscht seien. Ebenfalls weithin gar nicht sichtbar: Flächenversiegelung und Waldzerstörung, weil oft auf umzäuntem Terrain verborgen. „Dass im Zuge des Militär-Hospital-Baus bei Weilerbach 47 Hektar Wald haben fallen müssen, ist ein Skandal.“ Baumbestand, „der gut 100 Fußballfelder füllte“, sei „rigoros und ersatzlos“ abgeholzt worden. Dass die Flugbewegungen, verbunden mit den rund 30.000 Starts und Landungen pro Jahr, die Bevölkerung belasteten, sei die offenkundigste Beeinträchtigung, sagen die Aktivisten.
Was Kriege unterdessen an ihrem eigentlichen Schauplatz ausrichteten, sei kaum mehr beschreibbar, betonen sie. Weil „das Elend von der Air Base aus gesät“ werde, fordert die Initiative: „Stopp Ramstein – aber ersatzlos“. „Nicht nach dem St.-Florians-Prinzip“, wie Müller unterstreicht. „Einfach Schluss und über sinnvolle Lösungen im Sinne von Konversion nachdenken.“
Info
- Die Aktionswoche sieht von Sonntag bis Sonntag, 23. bis 30. Juni, ein Friedenscamp vor. Ein Kongress und danach eine öffentliche Abendveranstaltungen (19 bis 21 Uhr) sind für Freitag, 28. Juni, in der Lauterer Apostelkirche vorgesehen. Demo und Kundbebungen, Festival und Blockaden der Air Base stehen dann am Samstag, 29. Juni, auf dem Programm.
Bereits am Sonntag, 23. Juni, rollt in Otterberg friedlich der Ball. Vorgesehen ist ein Fußball-Team-Wettbewerb, der im Gedenken an den 1954er Weltmeister den Titel „Werner-Liebrich-Friedensturnier“ trägt. Mehr zum Wochenprogramm im Netz auf www.ramstein-kampagne.eu.