Kreis Kaiserslautern Ralf Hersina besiegt Thomas Pletsch

Die Sickingenstadt Landstuhl wird die nächsten fünf Jahre von einem SPD-Bürgermeister regiert: Ralf Hersina kam am Pfingstsonntag in der Stichwahl auf 52,5 Prozent der Stimmen. CDU-Politiker Thomas Pletsch musste sich mit 47,5 Prozent geschlagen geben. Die Wahlbeteiligung betrug 40,2 Prozent.
18.20 Uhr im Foyer des Rathauses. Ralf Hersina ist ganz aus dem Häuschen: Die Hände zittern, das Gesicht ist blass, trotz der großen Hitze. „Mein Magen fährt Aufzug, denn ich liege drei Prozent vorne und es fehlt nur noch ein Stimmbezirk“, sagt er mit aufgeregter Stimme und kann es selbst kaum glauben, was da gerade passiert. Nebenan im kleinen Sitzungssaal geht’s vielen genauso. Alle schauen gebannt auf den Bildschirm mit den Ergebnissen. In der CDU-Ecke ist es ganz still, auch bei der SPD herrscht atemloses Schweigen. Dann ein Aufschrei. Der letzte Stimmbezirk wird angezeigt und damit ist es amtlich: Ralf Hersina hat gewonnen, ist neuer Bürgermeister der Stadt Landstuhl. 1342 Bürger haben für ihn gestimmt, Pletsch kommt auf 1212 Stimmen. Die Enttäuschung ist den Christdemokraten ins Gesicht geschrieben, eine Niederlage dürften wohl die wenigsten erwartet haben. Der staunende Ralf Hersina dagegen ist auf einen Schlag von restlos begeisterten Genossen umzingelt, wird gedrückt und geherzt. „Es ist unfassbar! Ein unglaublich tolles Glücksgefühl“, sagt er und schüttelt immer wieder ungläubig den Kopf. Ein Glückschwein hat ihm Parteifreund Wolfgang Siegrist am Donnerstag am Alten Markt in die Hand gedrückt. „Heute Morgen dacht’ ich: Ach, nimm’s mal mit. Und offenbar hat’s gewirkt“, erzählt das frisch gewählte Stadtoberhaupt lachend und zeigt mit zittriger Hand die kleine Plastik-Wutz, die er die ganze Zeit im Hosensack hatte. Klaus Grumer schreitet die Treppe herab und kommt mit ausgestreckter Hand lächelnd auf seinen Nachfolger zu: „Ein wirklich tolles Ergebnis“, gratuliert er und bietet Hersina seine Hilfe bei der Einarbeitung an. Die offizielle Amtsübergabe wird im Stadtrat am 21. Juli stattfinden. Wenig später kommt auch Thomas Pletsch, der als Wahlhelfer auf der Atzel aktiv war. „Dort hab’ ich gewonnen, aber unterm Strich hat’s eben nicht gereicht“, sagt er schulterzuckend. „Der Wähler wollte es so und Ralf Hersina hat den Sieg verdient.“ Trotz Enttäuschung zeigt sich Pletsch als fairer Verlierer, gratuliert und schüttelt seinem Kontrahenten die Hand. Ob er weiter als Beigeordneter zur Verfügung steht, will er nicht sagen: „Ich möchte unseren Gremien nicht vorgreifen.“ Pletsch hat aber auf jeden Fall einen Sitz im Stadtrat, wo die CDU mit zwei Stimmen Vorsprung die Mehrheit hält. Keine einfache Situation, das ist auch Hersina bewusst. „Ich werde versuchen, eine Moderatorenrolle zu übernehmen“, kündigt der 52-jährigen Berufssoldat an. Aber an diesem Sonntagabend denkt noch niemand bei der Landstuhler SPD ernsthaft an den Polit-Alltag, der irgendwann kommen wird. Dafür ist die Freude über den unerwarteten Sieg noch viel zu groß. „Was haben wir gekämpft! Und jetzt hat es sich tatsächlich ausgezahlt“, strahlt SPD-Fraktionschef Erich Neu. „Heute wird gefeiert.“ Und damit es Ralf Hersina in der Nacht nicht weit nach Hause hat, steigt die Fete gleich bei ihm ums Eck’ auf der Melkerei.