Enkenbach-Alsenborn
Preisgekrönter Pilgerfilm von Gabi Röhrl bringt Adventsstimmung in katholische Kirche
Der Film passe gut in den Advent, vermittle er doch freundschaftliche Verbundenheit, sagte Gemeindereferentin Marlies Gehrlein. Er passe auch gut zu Alsenborn, betonte Pfarrerin Katja Wolf. Der Pilgerweg liege direkt vor der Haustür, worauf eine eingelassene Muschel vor der evangelischen Kirche, Symbol der Jakobswege, hinweise.
Eigentlich wollte Filmemacherin Gabi Röhrl persönlich kommen. Die Coronakrise verhinderte jedoch die Anreise. Mittels Videobotschaft begrüßte Röhrl die Besucher und erzählte, wie es zu dem Film gekommen war: 2011 sei sie zum ersten Mal den Jakobsweg gegangen. Als sie damals, an ihrem 50. Geburtstag, nach 900 Kilometern in Cap Finisterre, am sogenannten Ende er Welt, ankam, sei dies einer der prägendsten Momente ihres Lebens gewesen. Aus einer großen Dankbarkeit dafür speiste sich das Bedürfnis, ihre Mitmenschen an dieser Erfahrung teilhaben zu lassen und einen Film darüber zu machen.
Kälte, Hitze und Blasen an den Füßen
Eher physisch denn mental sei sie ihren ersten Pilgerweg damals angegangen. Kälte, Hitze, Blasen an den Füßen hätten ihr zugesetzt. Eine beginnende Knochenhautentzündung habe sie zum Umdenken gebracht. „Langsam gehen, Tempo rausnehmen, das hat mich Gott näher gebracht“, schildert Röhrl.
Nach einem dreitägigen Schulungskurs durch einen befreundeten Kameramann sei sie dann 2017 noch einmal mit sechs Kilogramm Gepäck und acht Kilogramm Equipment alleine losmarschiert und habe sich mehr als einmal gesagt: „Halt durch, du packst es!“ Nicht von Bildern habe sie sich ablenken lassen, sondern einzig und allein den Weg und die Begebenheiten am Rande in den Fokus gerückt. Weitere Etappen absolvierte Röhrl dann in den beiden folgenden Jahren und brachte weiteres Filmmaterial mit.
Eindrucksvolle Szenen beschreiben die Wandlung
In eindrucksvollen Szenen mit passender Musik und Kommentaren beschreibt der Film die Wandlung. Den Blick nach innen gerichtet, taucht Röhrl die Zuschauer in ein Wechselbad der Gefühle. In St. Jean Pied de Port im Baskenland startet sie ihre Etappe. Durch karge Hochebenen, über endlos lange Wege, vorbei an üppiger Flora und Fauna wird sie eins mit der Natur, findet ihren eigenen Rhythmus. Eine Muttergottes-Figur lädt zur Rast ein. „Nur wer Pausen einhält, kommt zum Ziel“, lautet eine der Erfahrungen. Pamplona, Hemingways Lieblingsort, erweist sich als Genussort. Geröll, Kühle und Hitzegewitter fordern Pausen mit willkommenen Gastfreundschaften. Menschen aus aller Welt bilden jeder auf seine Weise eine Gesellschaft der Suchenden. „Du bekommst nicht das, was du willst, sondern das, was du brauchst“ oder „Wir haben nichts gesucht, aber etwas gefunden“ lauten Pilgererkenntnisse.
Zum Album der Erinnerungen an Feste, Gespräche und Begegnungen wird Röhrls Pilgerpass. „Himmlisch schön“, heißt es, wenn trotz aller Strapazen Grenzen überwunden wurden. „Wie ich andern helfen konnte, so wurde mir geholfen“, befindet Röhrl am Ende ihrer Tour. Im Miteinander zusammenwachsen, Kleinigkeiten beachten, Blickwinkel wechseln führen zum Fazit: „Ich selbst hab’ mich nicht verändert, aber ich habe einiges geändert. Dazu“, so Röhrl im Nachwort, „eignen sich auch die Jakobswege zu Hause.“