Kreis Kaiserslautern Porträt: Patriarch Heger und seine große Familie
Der Unternehmer Hans-Jakob Heger, der fast vier Jahrzehnte die Enkenbacher Gießerei Heger-Guss im Familienbesitz führte, wird heute 80 Jahre alt. Auch in seinem Ruhestand ist er noch äußerst aktiv.
Vielleicht ist es kein Zufall, dass er gute Kontakte nach Japan hat. Denn so, wie für den japanischen Mitarbeiter die Firma traditionell seine Familie ist, hat Hans-Jakob Heger seine Gießerei geführt: wie ein Familienvater. Er war streng, wenn es sein musste, aber stets gerecht und immer für die Familienmitglieder da. Er hatte das Wohl des Einzelnen genauso im Blick wie das Wohl der Firma – wohl wissend, dass das eine vom anderen abhängt.
Schneller Profit zählt nicht
Für ihn zählte nicht der schnelle Profit. Er agierte vorausschauend und mit Bedacht, traf seine Entscheidungen mit Verstand. Als Leiter eines traditionsreichen Familienunternehmens stand jenes für ihn immer im Mittelpunkt, der Rest rankte sich darum herum. Als Hans-Jakob Heger im Alter von nur 28 Jahren die Firmenleitung übernahm, war ihm diese Verantwortung wohl bewusst. Doch eine wirkliche Wahl hatte er nicht. „Ich musste ja“, sagt er. „Mein Vater war krank, als ich im Mai 1965 die Geschäftsführung übernahm, im April 1966 starb er.“
Karriereweg schon als Grundschüler klar
Gedrängt zu dieser Laufbahn wurde er nie, bekräftigt er. Aber als ältester Sohn war ihm schon als Grundschüler klar, dass er eines Tages die Firma übernehmen wird. Genauso wie seinem ältesten Sohn Johannes dieser Weg vorgezeichnet war. Doch wäre die Firma nicht gewesen, bekennt er, dann hätte er statt des Ingenieurstudiums wahrscheinlich sein Interesse für Sprachen zum Beruf gemacht; „Englisch und Französisch haben mir schon in der Schule gelegen.“ So ist er noch heute „Frankreich-Fan“ und reist sehr gerne mit seiner Ehefrau Renate. Die vergleichsweise kurzen Bahnfahrten von Enkenbach nach Kaiserslautern ins Gymnasium hingegen lagen ihm als Junge gar nicht. Und so zog er schließlich in ein katholisches Schwesternheim nach Mannheim und legte dort sein Abitur ab, bevor er nach Karlsruhe zum Studium ging.
Appell: Geht hinaus in die Welt
Als Geschäftsführer ist er schließlich „viel in der Welt rumgekommen“; eine Erfahrung, die er jungen Leuten heute generell ans Herz legt. „Geht hinaus in die Welt!“, appelliert er dafür, dass praktische Lebenserfahrungen einen Menschen viel weiter bringen als das trockene Bücherstudium. Generell hält er nicht mit seiner Meinung hinterm Berg und sagt gerade heraus, was er denkt. Eine Eigenschaft, die er mit dem fast gleichaltrigen Hans Buch, dem langjährigen Bürgermeister der Verbandsgemeinde, gemein hat, wie jener sagt. „Damit eckt man schon mal an, aber ist immer aufrichtig.“ So war Hans-Jakob Heger auch gegenüber seinen Mitarbeitern ehrlich, aber stets korrekt. Er kannte jeden Einzelnen und vergaß sie auch nach dem Ausscheiden aus der Firma nicht. Als pflichtbewusstes Familienoberhaupt von Heger-Guss war er zur Gratulation zum 90. Geburtstag eines Ehemaligen schon dort, bevor der Bürgermeister eintraf, erinnert sich Buch. „Die Mitarbeiter wussten, was sie ihm schuldeten: Wenn deren Arbeit nötig war, standen sie bereit, getreu der Devise: Der Chef ist für uns da, wir für ihn.“
Abgabe der Geschäftsführung "eine Zäsur"
Als er 2002, 100 Jahre nach der Firmengründung, die Geschäftsführung komplett an seinen Sohn Johannes abgab, mit dem er sie bereits seit 1995 teilte, „war das schon eine Zäsur“, gibt er zu. Doch bereut hat den Schritt nie. Er erkannte, dass er aufgrund seines Alters zögerte, wo sein Sohn anpacken wollte, und zog sich zurück. „Ich stand ihm ja nur im Weg!“, bekennt er selbstkritisch. Die Gründung der Gießerei Heger-Ferrit in Sembach 2009 war ein solcher Moment. „Da hab ich die Luft angehalten“, steht er zu seinen Zweifeln – die sich als unnötig erwiesen. Doch sein Rat und seine Erfahrung sind auch beim Sohn noch gefragt, Heger senior sitzt im Beirat der Firma. „Wir waren nicht immer einer Meinung, aber Streit gab es nie“, sagt sein Sohn.
Weiter für Gesellschaft engagiert
Das Ausscheiden aus der Firmenführung bedeutete für Hans-Jakob Heger aber nicht, die Hände in den Schoß zu legen. Der Träger vieler Auszeichnungen – darunter das Bundesverdienstkreuz erster Klasse und am Bande – sowie Mitglied in unzähligen Verbänden engagiert sich weiter für die Gesellschaft, ist im Lauterer Verein für Baukultur und Stadtverwaltung aktiv und setzt sich für die Weiterentwicklung der Universität ein. „Man muss selbst etwas tun und nicht alles dem Staat überlassen“, lautet seine Devise. Aufgrund seines Einflusses und seiner Kontakte kann er sich auch „Streiche“ erlauben, die anderen nicht vergönnt sind. „Als mal wieder Besuch aus Japan hier war, habe ich den ehemaligen Kantor der Stiftskirche, Helmut Freitag, gebeten, ein besonderes Stück mit dem Carillon einzuüben. In dem Moment, als wir mit unserem Besuch dann an der Kirche vorbeigingen, ertönte die japanische Nationalhymne! Die Verblüffung war natürlich groß“, freut er sich noch heute fast spitzbübisch. Und kriegt beim Erzählen Gänsehaut. Auch wenn sich Hans-Jakob Heger sehr gern an seine beruflichen Erfolge und die damit verbundenen Reisen und Kontakte erinnert, ist er über eines in seinem Leben besonders froh: Dass er nach seiner ersten Ehe, die nicht von Dauer war, aber im Guten auseinander ging und aus der neben Johannes noch die Töchter Nikola und Natalie hervorgingen, seine heutige Frau Renate kennenlernte. „Sie passt ideal zu mir: Wenn ich mal wieder zu hoch fliege, holt sie mich auf den Boden zurück“, lacht er. Und er hat noch etliches mit ihr vor. Denn auch mit 80 Jahren bedeutet Ruhestand für ihn nicht zu ruhen. Dafür gibt es noch viel zu viel zu tun.