Kreis Kaiserslautern
Polizeidienststelle auf der Air Base: Die Sicherheitswache
„Zwischen 40.000 und 50.000 Amerikaner und Natoangehörige leben in ständigem Wechsel hier in der Westpfalz. Die Air Base Ramstein und das Landstuhl Regional Medical Center (ehemals US Hospital) auf dem Kirchberg gehören zu unserem Einsatzbereich“, gibt die stellvertretende Leiterin der Polizeiinspektion (PI) Landstuhl, Karin Decker, einen kurzen Überblick.
Schon früh habe sich abgezeichnet, dass besonders für die Air Base Ramstein eine eigene Dienststelle notwendig werden würde. Pionierarbeit dafür habe Konrad Fellinger, Polizeibeamter bei der Army Liegenschaft in Kaiserslautern-Vogelweh, geleistet, der als Verbindungsmann in seinem Büro Ansprechpartner für die immer größer werdende amerikanische Garnison war. „Nach Schließung der Air Base in Frankfurt, die 2005 nach Ramstein verlegt wurde, war es unumgänglich geworden, direkt auf dem Flugplatz Ramstein eine kleine Dienststelle (Sicherheitswache) einzurichten“, erläutert Decker.
„Eine besondere Atmosphäre“
Seit 2016 ist Polizeihauptkommissarin Stefanie Edwards dort zuständig. Polizeikommissar Kai Fauss unterstützt sie seit einem Jahr. „Wer auf der Base als Deutscher arbeitet, bemerkt sehr schnell, wenn er das große Zufahrtstor (Gate) durchfährt, dass hier eine besondere Atmosphäre herrscht. Schnell wird man vom „take-it-easy“-Virus infiziert, der hier nicht nur auf der Straße, sondern auch überall, ob Arbeitsplatz, Cafeteria oder Fitness Center, herrscht. Ich arbeite gerne hier“, sagt Edwards. Ihr neuer Mitarbeiter kann ihr nur zustimmen. Beide sind positiv vorbelastet, wenn es um deutsch-amerikanische Zusammenarbeit geht. Edwards arbeitete in Berlin in einem Verbindungsbüro. Fauss war als Zivilpolizist in Uniform bei der Security Police im Gebäude der jetzigen Sicherheitswache tätig, bevor er sich zur Kommisarausbildung auf deutscher Seite entschloss. „Somit war auch das Thema Sprachprobleme schnell gelöst“, betont Decker.
Kernarbeitszeit in der Sicherheitswache ist von 7 bis 16 Uhr. „Im Alltagsgeschäft – ob Geschädigter, Täter oder Hilfesuchender – gelten konkurrierende Gesetze. Maßgebend für uns ist, ob die Person aktiver Militärangehöriger ist, also zur Truppe eines Entsendestaates der Nato oder dem zivilen Gefolge (Zivilpersonal bei der Truppe) gehört. Einen weiteren Status bilden Angehörige von Truppen oder zivilem Gefolge. Wichtigster Grundsatz für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Militär- und Polizeibehörden ist dabei die innerhalb der Nato bestehende Verpflichtung zur gegenseitigen Unterstützung und ständigem Austausch über alle wichtigen Vorkommnisse, insbesondere Anzeigen und Ermittlungsergebnisse“, berichtet Edwards.
Direkter Kontakt und Austausch
„Sehr günstig und hilfreich ist, dass unser Büro im selben Block wie die Security Police liegt und somit der direkte Kontakt und Austausch auf dem kleinen Dienstweg stattfinden kann“, erläutert Fauss und ergänzt: „Überhaupt herrscht ein sehr entspanntes und kollegiales Betriebsklima zwischen unseren Dienststellen, wobei im Umgang mit Soldaten auch ein völlig anderer Ton von US-Seite bei Bedarf angeschlagen werden kann.“
Für viele GIs und ihre Angehörigen, die zum ersten Mal nach Deutschland kommen und meist außerhalb der Air Base wohnen, sei die Teilnahme am deutschen Straßenverkehr oftmals ein kleines Schockerlebnis. Autobahnen ohne Tempolimit, enge Gassen, schmale Parklücken, fremde Beschilderung und oftmals Autofahrer mit grimmigem Blick und erhobenem Zeigefinger in Oberlehrer Manier, die ohne Rücksicht auf ihre Vorfahrt pochen. Das stärkere deutsche Bier werde dabei für die Neuankömmlinge zusätzlich zum Promilleproblem. Schnell kämen ahnungslose US-Bürger mit der deutschen Justiz in Berührung.
Seminare für Neubürger auf Zeit
„Hier liegt ein Schwerpunkt unserer Arbeit: die Neubürger auf Zeit auf diese Verhältnisse vorzubereiten, aber auch bei Anzeigen, Bußgeldbescheiden und Unfällen die nötigen Maßnahmen in Verbindung mit der Militärpolizei einzuleiten. Außerhalb des Militärgeländes hat die deutsche Polizei bei Unfällen mit Militärangehörigen das Sagen, muss aber die zuständige Militärpolizei beteiligen. Die mitgebrachte Gewohnheit, Fahrzeuge und Wohnungstüren nicht abzuschließen, kann hier teuer zu stehen kommen. Wir vermitteln mit einem speziellen Seminar das nötige Know-how dazu. Momentan häufen sich gerade Anzeigen von digitalem Betrug“, erläutert Edwards.
„Bei all den vielfältigen Tätigkeiten, die verschiedene Gesetzesstrukturen beinhalten, ist es sehr wichtig, auf Führungsebene gut vernetzt zu sein. So werden gemeinsam auch Checklisten über zunehmende Deliktfelder abgearbeitet und wirksame Gegenmaßnahmen besprochen“, sagt Karin Decker. Für den Leiter der Polizeiinspektion Landstuhl, Siegfried Ranzinger, ist die Sicherheitswache mehr als nur ein ausgelagertes Büro. „Es entlastet nicht nur unsere PI in Landstuhl, sondern auch den Bereich des Polizeipräsidiums Westpfalz in Kaiserslautern, wenn es um US-Bürger und Natoangehörige geht. Das Ganze ist nach meinem Wissen einzigartig und gibt es nur hier.“