Nachruf RHEINPFALZ Plus Artikel Pionierin der Behindertenhilfe: Mathilde Kaßeböhmer gestorben

Mathilde Kaßeböhmer.
Mathilde Kaßeböhmer.

Die Mitgründerin der Behindertenhilfe Westpfalz ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Ein Blick auf das Leben und das Engagement der Bundesverdienstkreuzträgerin.

Als Mathilde Kaßeböhmer sich 1964 nach Hilfe bei der Betreuung ihrer schwerbehinderten Tochter umschaut, sieht es schlecht aus in der Westpfalz. Ihre Stelle als Bildungsreferentin beim Bundesfamilienministerium hat die diplomierte Volkswirtin bereits 1959 nach der Geburt ihres ersten Kindes aufgegeben, um sich um dessen besondere Bedürfnisse kümmern zu können. Später zieht die Familie nach Landstuhl und ihre zweite Tochter kommt zur Welt. Auf der Suche nach Unterstützung muss Kaßeböhmer feststellen, dass es weder ausgebildetes Personal noch passende Einrichtungen oder Förderungen gibt. Die Probleme von Familien mit behinderten Kindern sind den offiziellen Stellen gar nicht bekannt.

Ein Umstand, den die gebürtige Münsterländerin nicht akzeptiert. Auf die Aufforderung hin, nachzuweisen wie viele behinderte Kinder es überhaupt in der Westpfalz gibt, begibt sie sich auf die Suche, reist mit anderen engagierten Eltern durch die Orte und bringt so nach und nach Betroffene zusammen. Drei Jahre später gründet sie zusammen mit 15 anderen Elternpaaren 1966 den Verein Kinderhilfe Westpfalz. Mit Spenden und dem Engagement betroffener Eltern werden erste Einrichtungen und Anlaufstellen ins Leben gerufen.

Verein legt Grundstein für Behindertenhilfe in der Westpfalz

Ab 1973 führte sie die Arbeit, die der Elternverein begonnen hat, als Leiterin der Reha-Westpfalz – heute die Behindertenhilfe Westpfalz – weiter. Die Initiative hat damit den Grundstein für das Reha-Zentrum und die Westpfalz Werkstätten gelegt, die sich bis heute für Menschen mit Beeinträchtigung einsetzen. „Sie hat ihr Ziel, behinderten Menschen ein selbstständiges und würdevolles Leben zu ermöglichen, immer mit ganz viel Herzblut verfolgt“, erinnert sich Christa Endler, zweite Vorsitzende der Behindertenhilfe. Von 1980 bis zu ihrem Ruhestand 1994 war Kaßeböhmer Geschäftsführerin des Gemeinschaftswerks, das die Trägerschaft der Behindertenhilfe übernommen hat. „Es ist mir eine Ehre, ihre Arbeit zu erhalten und fortzuführen“, so Endler. Für ihre Verdienste wurde Kaßeböhmer unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und der Staatsmedaille des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet. Am 10. April ist sie im Alter von 96 Jahren verstorben.

x