Westpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Pilz des Jahres: Wieso die Magenta-Koralle eine gute Wahl ist

Als der Hochspeyerer Pilzexperte Wolfgang Peltz zum ersten und einzigen Mal eine Amethystfarbene Wiesenkoralle sichtet, ist der
Als der Hochspeyerer Pilzexperte Wolfgang Peltz zum ersten und einzigen Mal eine Amethystfarbene Wiesenkoralle sichtet, ist der urige Pilz schon am Absterben. Die Spitzen der Korallenäste haben schon begonnen, sich braun zu färben.

Die Amethystfarbene Wiesenkoralle ist Pilz des Jahres 2025. Die farbenfrohe Rarität ist vor drei Jahrzehnten letztmalig in der Pfalz gesichtet worden.

Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGFM) hat die Amethystfarbene Wiesenkoralle (Clavaria zollingeri) zum Pilz des Jahres 2025 gekürt. Der Gewinner-Pilz ist jedoch im wahren Leben ein echter Verlierer: Lediglich 40 Fundorte gibt es bundesweit.

„In der Pfalz wurde die Amethystfarbene Wiesenkoralle erst einmal offiziell gesichtet“, erklärt Wolfgang Peltz, Pilzsachverständiger aus Hochspeyer: Vor 30 Jahren in einer alten Viehtrift bei Petersbächel in der Südwestpfalz. Seither herrsche Funkstille. „Unklar ist, ob diese Korallenart im Pfälzerwald mittlerweile bereits ausgelöscht ist oder eventuelle spätere Funde nicht bekannt wurden.“

Laut Pilzgesellschaft weltweit verbreitet

Für Peltz wird mit der Magenta-Koralle, wie der Pilz des Jahres auch genannt wird, eine echte Rarität in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit gerückt. „Eine Korallenart, die vorwiegend auf mageren sandigen Wiesen wächst, das ist schon eine Besonderheit“, ergänzt Peltz. Gelegentlich wachse der Pilz auch mal unter Schlehenbüschen und in lichten Eschenwäldern.

Laut der DGFM ist dieser korallenartig ästig wachsende, lila-violett gefärbte Pilz auf allen Kontinenten weit verbreitet. Vermutlich handele es sich gar um ein Urzeitrelikt. Dieses Relikt braucht nährstoffarme Standorte und ist wohl in weiten Teilen Opfer der überbordend zugeführten Nährstoffe geworden, die seinen früheren Lebensraum stark veränderten.

Trockenrasen und Magerwiesen rar geworden

„Fest steht, dass über 90 Prozent des Lebensraumes von Clavaria zollingeri in den letzten Jahrzehnten durch intensive Bewirtschaftung und vielfältige Baumaßnahmen verloren gingen“, benennt Experte Peltz die Gründe für das Schwinden dieser Art. Der Pilz, der naturnahe magere Böden brauche, lebe gern in Gesellschaft mit anderen typischen Wiesenpilzen wie Saftlingen, Rötlingen, Erdzungen und Keulen. „Solche üppigen Biotope auf Trockenrasen und Magerwiesen sind im Pfälzerwald jedoch rar geworden.“

Peltz berichtet: „Persönlich habe ich die Magenta-Koralle bisher nur einmal angetroffen. Schauplatz war eine Magerwiese am Rand einer kleinen Ortschaft im Süden des Hunsrücks.“ Das war im Oktober 2017. Er sei spät dran gewesen, habe den Pilz nicht mehr im besten Zustand gesehen: Die Fruchtkörper waren schon leicht lädiert, einzelne Äste waren abgebrochen, die lila-violette Farbe hatte an Leuchtkraft eingebüßt. „Brauntöne, besonders an den Spitzen der Äste, störten meine Vorstellung von der Ästhetik und Harmonie dieser seltenen Korallenart.“ Doch natürlich war er glücklich, einen dieser selten anzutreffenden Pilze vor sich zu haben.

Pilzkenner hofft auf verstärkte Suche

Die Wuchsstelle im Hunsrück werde seitdem sorgfältig beobachtet. Fruchtkörper seien jedoch nicht mehr erschienen, obwohl auf dieser Wiese gerade im Jahr 2024 äußerst günstige Bedingungen geherrscht haben und reichlich Wiesenpilze wuchsen.

„Für die Kenntnis der Pilzwelt der Pfalz und ihrer angrenzenden Regionen ist die Ernennung der Amethystfarbenen Wiesenkoralle zum Pilz des Jahres 2025 sicher von Nutzen“, meint Wolfgang Peltz. Er hofft, dass die Nachsuche an Fahrt zunehme und so vielleicht eine Wiederentdeckung dieser Art in der Pfalz gelingt.

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