Sembach RHEINPFALZ Plus Artikel Pflege des Gewerbeparks Sembach: Warum ein Pferdehalter sich deswegen Sorgen macht

Werner Haag, Anwohner vom Niedermehlingerhof, an den Weiden die dort an den Gewerbepark Sembach angrenzen. Von dort breitet sich
Werner Haag, Anwohner vom Niedermehlingerhof, an den Weiden die dort an den Gewerbepark Sembach angrenzen. Von dort breitet sich nach Angaben des Pferdehalters das Jakobskreuzkraut aus.

Wie geht es im Gewerbepark Sembach weiter? Dort sollten im Frühjahr weitere Grundwasser-Messstellen gebaut werden, um die Belastung des ehemaligen US-Militärflughafens mit PFAS besser beurteilen zu können. Ungeklärt ist auch noch die Frage, wie das Gelände künftig gepflegt werden soll. Warum das einem Pferdehalter auf dem Niedermehlingerhof Sorgen macht.

PFAS sind per- und polyfluorierte Chemikalien. Sie finden sich zahlreichen Verbraucherprodukten wie Kosmetika, Kochgeschirr, Papierbeschichtungen, Textilien oder Ski-Wachsen. Außerdem werden PFAS zur Oberflächenbehandlung von Metallen und Kunststoffen sowie in Löschschäumen verwendet. Diese setzten die Amerikaner, die das Gelände zwischen 1953 und 1995 nutzten, bei ihren Übungen ein.

Die Vermarktung des Areals, das der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) gehört, wurde vor rund vier Jahren vorerst auf Eis gelegt und Untersuchungen veranlasst. Ein Gutachten dazu wurde der Öffentlichkeit bei einer Infoveranstaltung im September vergangenen Jahres vorgestellt. Das Ergebnis: Das Gelände soll weiter vermarktet werden. Dies hätte gleich zwei Vorteile: Die Gemeinde Sembach könnte durch die Ansiedlung von Firmen Gewerbesteuereinnahmen generieren. Durch die Bebauung wird die Fläche versiegelt. Das verhindert, dass die schädlichen Stoffe mit dem Regenwasser in den Boden eingetragen werden. Käufer, die ein Grundstück im Gewerbepark erwerben, werden von der Haftung für das Grundwasser freigestellt.

Mit dem Bau der Mess-Stellen noch nicht angefangen

Nach Auskunft der Bima ist mit dem Bau der Grundwassermess-Stellen bisher noch nicht begonnen worden. Die Vergabe zu diesen Arbeiten sei noch nicht abgeschlossen. Erst wenn dies erfolgt sei, könne die Ausführung konkret terminiert werden, informiert die Behörde.

Auch noch nicht geklärt ist die Frage, wie das Gelände künftig gepflegt werden soll. Das macht Werner Haag, der auf dem Niedermehlingerhof wohnt, große Sorgen. Er ist einer von mehreren Pferdehaltern, die ihre Tiere dort auf Weiden halten, die direkt an das ehemalige Flugplatzgelände angrenzen. Auf dem Areal wachse das Jakobskreuzkraut, weiß der Tierhalter. Für Weidetiere sei die Pflanze normalerweise ungefährlich, weil sie bitter schmecke und daher von den Vierbeinern gemieden werde. Allerdings könne das Jakobskreuzkraut gefährlich werden, wenn es in getrockneter Form ins Futterheu gelange. „Das enthaltene Gift bleibt im Heu, also im Trockenzustand, erhalten und kann zu gesundheitlichen Schäden führen“, so Haag.

Die Pflanze breite sich aus, wenn das Gelände nicht regelmäßig gemäht werde. „Der Wind trägt die Samen überall hin. Schon im vergangenen Sommer habe ich das Kraut armeweise herausgerissen“ , schildert der Pferdehalter. Da das Kraut im Juni blühe, werde das Problem jetzt wieder akut. Bereits im November habe er sich mit diesem Thema an die Bima-Nebenstelle in Kaiserslautern gewandt, allerdings keine Antwort bekommen.

Schäfer wurde vorsorglich gekündigt

Im Februar vergangenen Jahres war einem Schäfer aus Breunigweiler vorsorglich von der Bima gekündigt worden. Dessen wollige Vierbeiner hatten das ehemalige Flugplatzgelände zuvor seit 30 Jahren in den Sommermonaten frei gehalten. Werde das Areal nicht regelmäßig beweidet, wachse dort alles zu. Die einmalige Naturlandschaft dort drohe zu verschwinden, hatte der Sembacher Ortsbürgermeister Fritz Hack bereits im vergangenen Jahr kritisiert. Mit einem Mulcher sei das Gelände nur schwer beziehungsweise gar nicht zu pflegen, zum Teil befänden sich noch Betonplatten auf dem Areal.

„Der Hinweis mit dem Jakobskreuzkraut wurde zur Kenntnis genommen. Entscheidungen hierzu sind ebenfalls abhängig von dem weiteren Vorgehen beziehungsweise den Szenarien bei den Pflegemaßnahmen“, schreibt die Bima zu dem Thema auf Anfrage der RHEINPFALZ. Laut der Behörde ist man dort aktuell dabei, mehrere Varianten der Pflege gleichzeitig zu prüfen und Angebote einzuholen. Mehrere Möglichkeiten auf Teilflächen seien denkbar. „Dies schließt auch eine mögliche Beweidung mit Schafen für Teilflächen mit ein.“ Eine abschließende Aussage könne diesbezüglich aber noch nicht getroffen werden, schreibt die Bima.

Das Jakobskreuzkraut blüht ab Juni.
Das Jakobskreuzkraut blüht ab Juni.
x