Sembach RHEINPFALZ Plus Artikel Nach Kündigung der Weidepacht: Droht der Gewerbepark zuzuwuchern ?

Drei Jahrzehnte gehörten die Tiere der Schäferei Brendel zum Landschaftsbild im Sembacher Gewerbepark. Die Schafe hielten das Ge
Drei Jahrzehnte gehörten die Tiere der Schäferei Brendel zum Landschaftsbild im Sembacher Gewerbepark. Die Schafe hielten das Gelände frei.

„Wo sind die Schafe?“, fragen sich zurzeit viele Sembacher. Seit 30 Jahren haben die wolligen Vierbeiner von Mai bis Juli auf dem unbebauten Gelände des Gewerbeparks Sembach geweidet. Doch in diesem Jahr ist nichts von den Tieren zu sehen. Dagegen steht das Gras auf dem Areal schon mehrere Meter hoch.

Die Börrstadter Schäfer Ralph und sein Sohn Johannes Brendel hatten das Gelände auf dem ehemaligen US-Militärflughafen von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) seit 1993 gepachtet. Am 28. Februar bekam der Schäfereibetrieb Post von der Behörde: Sie enthielt die Kündigung für die Nutzung der rund 55 Hektar großen Weidefläche zum 31. März: „Mit der Begründung, dass der Verdacht bestehe, dass das Gelände teilweise mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFAS) belastet sei, das Nachuntersuchungen durchgeführt würden und die Weideflächen als Vorsichtsmaßnahme gekündigt würden“, gibt Ralph Brendel den Inhalt des Schreibens wieder.

So kurzfristig sei die plötzliche Kündigung für sie „existenzbedrohend“ gewesen, schildern die beiden Schäfer. Sie hätten damals nur diese eine Sommerweide gehabt und innerhalb von wenigen Wochen für die 800 Tiere eine neue, und vor allem ausreichend große Weidefläche finden müssen. In einem Telefonat mit einem Bima-Mitarbeiter habe sich dieser für die kurzfristige Kündigung entschuldigt. Die Begründung können die Schäfer und auch Ortsbürgermeister Fritz Hack (SPD) aber nicht nachvollziehen. „Es stimmt, es gibt hier ein paar Flecken, wo die Belastung höher ist. Aber die hätte man ja eingrenzen können“, sagt Hack. Schließlich seien auf dem Areal rund 1500 Bohrungen vorgenommen worden, um Proben zu nehmen. „Wenn man jetzt den ganzen Flugplatz sperrt, hätte man auch die ganze Wohnbebauung ringsum stoppen müssen“, argumentiert Ralph Brendel.

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Mehrfach wurden Futterproben genommen

In den vielen Jahren, auf den die Mutterschafe auf dem Areal, das als Gewerbepark vermarktet wird, geweidet hatten, habe die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Neustadt mehrfach Futterproben von dem Gras genommen. „Ohne Beanstandung“, sagt Brendel, der eine mögliche Gefährdung durch das Essen des Fleischs der Tiere für unwahrscheinlich hält. Die Lämmer, deren Fleisch anschließend verkauft werde, würden nicht auf der Weide, sondern im Stall geboren und dort auch gefüttert. Die Mutterschafe dienten quasi als „lebende Rasenmäher“. „Sie sterben eines natürlichen Todes. Ihr Fleisch wird nicht zum Verzehr verwertet, sondern kommt in eine Tierkörperbeseitigungsanlage“, erklärt der 61-Jährige. Das Fell werde abgeschoren und dann zum Beispiel für die Herstellung von Dämmstoffen verwendet.

Gefährdung durch PFAS in den Pflanzen?

Gibt es tatsächlich eine Gefährdung? Der Bima liegen gegenwärtig keine Erkenntnisse darüber vor, dass in den Pflanzen am ehemaligen Flugplatz PFAS enthalten sind, lautet die Auskunft. „Ob oder auf welche Art und Weise ausgehend von der möglichen Verunreinigung des Bodens PFAS in Pflanzen und über das Futtermittel in Tiere aufgenommen werden, ist Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion“, schreibt die Behörde auf Nachfrage der RHEINPFALZ. Sie verweist damit auf ein Gutachten, dessen Ergebnisse jetzt vorliegen und über die die Allgemeinheit zu einem späteren Zeitpunkt informiert werden soll. Der Pachtvertrag sei lediglich rein vorsorglich gekündigt worden.

„Das Areal ist gar nicht zu pflegen. Da kommt man mit einem normalen Mulcher gar nicht durch. Dazu kommt noch, dass dort teilweise noch Betonplatten liegen“, spricht der Ortsbürgermeister ein weiteres Problem an: Die Frage, wie das Gelände zukünftig frei gehalten werden soll. Das Gebiet durchziehen Spazierwege, unter anderem auch zum Steinkreis. Diesen habe er kürzlich mit hohem Aufwand und viel Mühe noch mit seinem Traktor und Mulcher gemäht. Doch das werde nicht mehr lange möglich sein. „Weil die Schafe nicht kommen dürfen, wird das Gelände in kürzester Zeit verbuschen“, befürchtet der Ortsbürgermeister. Wenn das trockene Gras so hoch stehe, steige auch die Brandgefahr durch Selbstentzündung, so Johannes Brendel. Wie die Pflegemaßnahmen der Fläche in Zukunft umgesetzt werden, werde derzeit noch geprüft, heißt es von der Bima dazu.

„Maschinelles Mähen schadet dem Ökosystem“

Werde maschinell gemäht, schade das dem Ökosystem, gibt Johannes Brendel zu bedenken. Im Gegensatz zu den Schafen, die eine sanfte Landschaftspflege betrieben, sei der Maschineneinsatz mit Kahlschlag gleichzusetzen: „Insekten, Eidechsen und Bodenbrüter – das geht alles zugrunde“, so der 28-Jährige. Von morgens bis abends hat er mit seinen fünf Hütehunden auf dem ehemaligen Flugplatzgelände verbracht: Aufgepasst, dass die Schafe nicht über die Straßen laufen – oder in die Vorgärten der Anwohner. Der Kontakt zu den Sembachern sei gut gewesen, es seien Freundschaften entstanden. „Die Leute rufen bei der Gemeinde an und fragen, warum die Schafe nicht da sind“, bekräftigt Hack, dass viele Sembacher „ihre“ Schafe vermissen. Inzwischen haben die Brendels eine Weidefläche in Obermoschel für ihre Tiere bekommen. Doch dass der Abschied aus Sembach ihnen schwerfällt, ist ihnen anzumerken: „Für Familien war das eine schöne Sache. Die Kinder durften die Hütehunde streicheln. Viele Spaziergänger haben uns hier regelmäßig besucht“, schildern die beiden Schäfer.

Zur Sache

PFAS sind besonders stabile Fluor-Kohlenstoff-Verbindungen. Sie sind wasser-, fett- und schmutzabweisend: Zu finden sind sie unter anderem auch in Feuerlöschmitteln, die die US-Streitkräfte bis in die 90er Jahre bei Übungen auf dem ehemaligen Flughafengelände in Sembach nutzten. Die Ergebnisse eines Gutachtens, das die Bima dazu in Abstimmung mit der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD Süd) als zuständiger Bodenschutzbehörde durchgeführt hat, sollen genauere Auskunft über die Belastung des Geländes geben. Sie liegen inzwischen vor und werden von der SGD Süd geprüft. Auf Grundlage der Ergebnisse werde das weitere Vorgehen gemeinsam mit der Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn abgestimmt, so die Bima. Es seien aber bereits jetzt weitere Untersuchungen geplant. Die

Ergebnisse der Untersuchungen will die Bima auch der Öffentlichkeit vorstellen und dabei die fachliche Sichtweise als auch die Bewertung der Behörden darlegen. Ein Termin dazu steht allerdings noch nicht fest.

„Das Gelände ist maschinell nicht zu pflegen“, sagen der Sembacher Ortsbürgermeister Fritz Hack (SPD) und die Schäfer Ralph und
»Das Gelände ist maschinell nicht zu pflegen«, sagen der Sembacher Ortsbürgermeister Fritz Hack (SPD) und die Schäfer Ralph und Johannes Brendel (links). Nachdem die Bima dem Schäfereibetrieb den Pachtvertrag gekündigt hat wächst das Gras dort meterhoch.
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