Otterberg
Pfarrei Mariä Himmelfahrt: Neuer Pfarrer setzt auf Austausch
Als gebürtiger Ludwigshafener ist Christoph Hartmüller ein waschechter Pfälzer. Die Region seines neuen Wirkungsortes ist ihm allerdings noch nicht vertraut. „Ich war zwar schon mal in der Abteikirche, aber die Orte, die zur Pfarrei gehören, muss ich erst noch kennenlernen. Das wird eine Herausforderung, aber ich freue mich darauf“, sagt der 35-Jährige.
Das gilt auch für seine erste Pfarrstelle, die er nun antritt, und die damit verbundenen verantwortungsvollen Aufgaben. „Ich begegne ihr nicht ängstlich, aber mit Respekt. Vor allem bin ich gespannt und neugierig auf das, was mich erwartet und bereit, mich darauf einzulassen. Die Anfangszeit wird sicher bestimmt werden von Lernen, Suchen und Erfahren.“
Dass auch viel Verwaltungsarbeit auf ihn zukommt, nimmt er gelassen. „Auch daraus kann man lernen.“ Eine Devise, die sein ganzes bisheriges Leben zu gelten scheint – er war immer engagiert und offen für Neues. „Ich habe eine klassische Sakristeikarriere hinter mir, war Ministrant, Pfadfinder, Lektor und Jugendvertreter im Pfarrgemeinderat. In dem war auch mein Vater Mitglied, und meine Mutter hat sich ebenfalls in verschiedenen Bereichen eingebracht.“
Priesterweihe in Rom
Die Familie ist stark in der früheren Ludwigshafener Pfarrei Heilig Kreuz verwurzelt. „Ich habe mich während der ganzen Jugend in der Pfarrei zuhause gefühlt. Besonders die Art und Weise des Pfarrers hat mich geprägt. Er hat es verstanden, zwischen den verschiedenen Strömungen innerhalb der Gemeinde ausgleichend zu wirken und sich bemüht, auf die Leute einzugehen. Er hat das, was er gepredigt hat, auch gelebt.“
Der Gedanke, Priester zu werden, begleitete Hartmüller nicht immer. „Er war mal da, mal wieder weg. Erst nach dem Abi 2004 war für mich klar, dass ich diesen Weg gehe.“ Der führt ihn zum Theologiestudium zuerst nach Eichstätt, zwei Jahre später nach Rom. Den einjährigen Pastoralkurs absolviert er in Speyer, wird in der Pfarrei Deidesheim eingesetzt und dort zum Diakon geweiht. Zu einem Aufbaustudium kehrt Hartmüller nochmals für zwei Jahre in die Ewige Stadt zurück, wo im Oktober 2010 seine Priesterweihe stattfindet.
„Als Kaplan war ich zuerst in Bellheim, dann in Speyer tätig. Dort war ich beim Bischof eingespannt und hatte die schöne Aufgabe, große Liturgien mitgestalten zu können.“ Die zwei Speyerer Jahre seien eine intensive Zeit gewesen. „Vieles war im Umbruch, die Fusion der Pfarreien wurde auf den Weg gebracht. Dazu kamen die Missbrauchsfälle, die ein neues Bewusstsein und eine größere Sensibilität im Umgang mit diesem Thema geschaffen haben.“
Drei Jahre ist es her, da verschlug es den jungen Priester zum Promotionsstudium nach München, wo er parallel als Subregens am Herzoglichen Georgianum in der Priesterausbildung wirkte. Seine Doktorarbeit widmet sich der Ökumene im 20. Jahrhundert. „Der Schwerpunkt liegt auf dem historischen Hintergrund. Es ist eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme dessen, was in Sachen Ökumene gemacht wurde und wie es heute in der Praxis aussieht“, erklärt Hartmüller und ist auf das ökumenische Miteinander in der Otterberger Pfarrei gespannt.
Dabei bringt er nicht nur die Verbundenheit zu diesem Aspekt mit, sondern auch eine Weltoffenheit aus den Jahren in Rom und München. „In beiden Städten hatte ich viel Kontakt zu Studenten und Priestern aus aller Welt. Da habe ich erfahren, dass die Themen in anderen Ländern teils die gleichen sind wie bei uns, sich teils aber auch stark unterscheiden. Mehr darüber zu erfahren, erweitert den Horizont. In Deutschland denkt man gerne, der Nabel der Welt zu sein. Weltkirchlich gesehen, stellt sich das jedoch anders dar.“ Die erfahrene Vielfalt helfe, die Fragen, die hierzulande diskutiert werden, einzuordnen, ohne zu relativieren.
Die Offenheit und Wertschätzung für Menschen, die anders sind, möchte Christoph Hartmüller auch als Pfarrer in der Otterberger Pfarrei leben. Denn Unterschiedliches könne sich ergänzen, müsse nicht trennen. „Kirche darf kein Verein sein, der sich selbst genügt. Und auch keine Sonderwelt, sondern mittendrin. Christsein ist das, was ich mache und wie ich lebe. Ich möchte junge Erwachsene ansprechen, denn vielen fällt es schwer, sich zu orientieren. Gerade in Zeiten von Corona, wo Sterben und Tod so präsent sind, ist es mir wichtig, die Botschaft der Hoffnung zu verkünden.“
Dennoch wisse er, dass es eine Gratwanderung ist, „denen, die noch da sind, gerecht zu werden und gleichzeitig neue Wege zu gehen. Mal schauen, wie sich die Zukunft gestaltet“, sagt der neue Pfarrer und freut sich auf die Zusammenarbeit mit dem Pastoralteam. „Das ist groß und ein wichtiger Faktor. Denn ich arbeite gern im Team und bin mir meiner Stärken und Schwächen durchaus bewusst.“ Leitender Pfarrer zu sein bedeute für ihn, strukturell an der Spitze zu stehen und die anfallenden Aufgaben mit dem zu verbinden, „was ich als Person bin, wie ich meinen Glauben lebe und was ich neu von anderen lernen kann“. Und das in der Pfalz, in der er verwurzelt ist und sich mit der Mentalität der Menschen verbunden fühlt.