Eulenbis
Pfälzer Sagen: Liegt ein Goldschatz im tiefen Brunnen?
Wenn man davon ausgeht, dass in jeder Sage ein wahrer Kern steckt, müsste in der Erde einer Eulenbiser Wiese bis auf den heutigen Tag ein Goldschatz verborgen sein. Das Wissen um diese Geschichte wäre wohl längst verloren gegangen, hätte nicht Victor Carl in seinen „Pfälzer Sagen“ darüber berichtet. Demnach haben Mönche eines nahe gelegenen Klosters einen mit purem Gold gefüllten Kessel vor herannahenden Feinden in den tiefen Brunnen in der Eckwiese versenkt. Weil der Kessel mit dem Gold so schwer war, versank er vollständig im weichen Untergrund. Der plündernde und mordende Haufen zog weiter, aber der versteckte Schatz wurde nie gefunden. Der Brunnen an der Eckwiese muss so tief gewesen sein, dass – einer weiteren Sage nach – zu einer anderen Zeit ein vor seinen Feinden flüchtender Reiter drin versank.
Rinnsal läuft ins Tal
Die Eckwiese in Eulenbis gibt es tatsächlich. Heutiger Eigentümer ist der erste Beigeordnete Siegfried Müller. Die Wiese liegt im abschüssigen Gelände des „Quellenhebels“ und hat stellenweise einen von der Nässe aufgeweichten Boden. In der Mitte hat sich ein Tümpel gebildet, von wo aus ein Rinnsal ins Tal abläuft. Am unteren Rand der Wiese befinden sich zwei mit Steinen eingefasste, von dichtem Gestrüpp überwucherte Quellen. Einen tiefen Brunnen sucht man allerdings vergeblich.
Müller und die beiden Ex-Bürgermeister Manfred Bügner und Ulrich Stemler räumten bei der Ortsbegehung ein, noch nie etwas von dem sagenhaften Goldschatz im Boden dieser Wiese gehört zu haben. Hingegen kennt Arnold Jung die Sage. Der 78-jährige Jung, ehrenamtlicher Betreuer des Eulenbiser Beerewei(n)-Museums, verortet das erwähnte Kloster nach Einsiedlerhof, wo zu Anfang des 12. Jahrhunderts die Ritter von Hohenecken das Spital der Brüder von Einsiedel gründeten. 1283 gelangte dieser Ort an den Deutschen Ritterorden und war bis Ende des 17. Jahrhunderts Komturei in der Ballei (Ordensprovinz) Lothringen. Neben dem Stift von Kaiserslautern und dem Kloster Otterberg hatte auch die Komturei Einsiedel Besitzungen in Eulenbis. Dass es sich bei dem von der Mörderbande heimgesuchten Kloster um das Otterberger handeln könnte, schließt Jung aus. Hingegen riet er dem erstaunten Müller, die Eckwiese mal mit einem Metalldetektor abzusuchen.
35 Brunnen sind heute noch sichtbar
Auch wenn sich der tiefe Brunnen von der Eckwiese heute nicht mehr nachweisen lässt, kann Eulenbis auf eine ausgeprägte Brunnentradition verweisen. So hatte Ex-Bürgermeister Stemmler vor elf Jahren im Rahmen einer beruflichen Weiterbildung mit vier weiteren Kollegen den Versuch unternommen, die Eulenbiser Brunnen in einer Art Kataster zu erfassen. Dabei konnten 43 Brunnen nachgewiesen werden, von denen heute noch 35 in irgendeiner Weise sichtbar sind. In der Absicht, für den Tourismus einen „Brunnenrundweg“ auszuweisen, wurden seinerzeit die Einwohner von der Gemeindeverwaltung unter dem damaligen Ortsbürgermeister Bügner ermuntert, ihre zum Teil beschädigten oder verfüllten Brunnen zu restaurieren. Viele Bürger verhalfen bereitwillig den Brunnen zumindest optisch zu neuem Leben. In diese Zeit fällt auch die Neugestaltung des Ziehbrunnens an der Ecke Pfeifertalstraße/Im Steineck.
Zu einigen dieser Brunnen gibt es auch kleine Geschichten. So arbeitete im Jahre 1921 auf dem Hof des Bauern Gehm „Im Steineck“ die Magd Elisabeth, Beth genannt. Beim Wasserholen am hofeigenen Ziehbrunnen rutschte sie auf dem nassen Lehmboden aus und fiel samt den zwei Eimern und der Zugkette in den Schacht. Der hinzugekommene Bauer rief zu der Magd hinab: „Stell die Fies in de Emer und halt dich an de Kett feschd, ich zieh dich eruff.“ Seither war die Magd nur noch „es Brunne-Bethsche“, erzählt Arnold Jung schmunzelnd. Wie Ulrich Stemler in seinem Erfassungsbogen für den Brunnen hinter dem Haus an der Schulstraße 14 notierte, wurden hier kurz vor dem Kriegsende aus Angst vor den anrückenden Amerikanern Waffen und andere Relikte aus dem Dritten Reich entsorgt. Anschließend sei der Brunnen zugeschüttet worden.
Beim Bauen mit Beerewei gestärkt
An dem Brunnen vor dem Haus Nummer 4 in derselben Straße, der 2004 beim Bau des Treppenaufgangs entdeckt wurde, mauerte ein Rentnertrupp um Arnold Jung eine neue Einfassung aus Sandsteinen. Der Aufbau erfolgte ehrenamtlich, aber für das leibliche Wohl der Arbeiter wurde gesorgt – Beerewei inklusive, erinnert sich Jung. Irgendwann habe sich die Wasserqualität des Brunnens vor dem Haus in der Hauptstraße 6 durch die benachbarte Jauchegrube so verschlechtert, dass die Benutzung eingestellt werden musste. Der Brunnen wurde dann teilweise zugeschüttet. Aus dem Schöpfbrunnen im Gewölbekeller des Bürgerhauses, einem ehemaligen Bauernhaus, konnten die früheren Eigentümer im Stockwerk darüber mittels einer Flügelpumpe und Steigleitung Wasser für die Sommerküche entnehmen.
Frauen schleppten die Wäschekörbe
Nicht zu verwechseln mit dem geplanten Brunnenrundweg ist der uralte Brunnenweg, der den Hang hinab führt zum ehemaligen Waschbrunnen. Hierher und wieder zurück mussten bis zur Inbetriebnahme der Wasserleitung im Frühjahr 1911 – zumeist von Frauen – die vollen Wäschekörbe geschleppt werden, ganz abgesehen von der mühseligen Arbeit des Waschens von Hand. Wenige Meter abseits von diesem früheren Waschplatz tritt das Wasser dieser Quelle aus einem Rohr aus. Wie von Arnold Jung zu erfahren war, werde hier wöchentlich Wasser zur Messung der Schüttung und entnommen, einmal jährlich auch zur Prüfung der Wasserqualität. Diese Quelle speist den weiter unten liegenden Landschaftsweiher, der von Anglern betreut wird.