Kreis Kaiserslautern
Ostern und Corona: Kirchen im Landkreis lassen sich Alternativen zur klassischen Messe einfallen
Der Karfreitag als Tag der Kreuzigung Jesu zählt zu den stillen Feiertagen. Ebenso der Karsamstag, an dem die Kirche der Grabesruhe Christi gedenkt und mit Fasten und Gebet seine Auferstehung erwartet. Sogar die Kirchenglocken schweigen an diesen beiden Tagen, nachdem der Überlieferung zufolge am Gründonnerstag (dem Tag des letzten Abendmahls) die Glockenklöppel nach Rom geflogen sind. Von dort kommen sie erst in der Osternacht wieder zurück, um zur Feier der Auferstehung Christi hell zu erklingen. Damit die Gläubigen davor die Andachts- und Gebetszeiten nicht verpassen, gibt es den Brauch des Klepperns. Dabei erinnern die katholischen Messdiener an Karfreitag und Ostersamstag mit lautem Holzgeklapper, Gesang und Sprüchen an den Kirchgang.
Im katholischen Ramstein hat das Kleppern Tradition. Mit Ratschen „bewaffnet“ ziehen die Messdiener normalerweise durch die Gemeinde. „Doch wegen Corona geht das dieses Jahr nicht. Aber unsere jungen Leute haben sich trotzdem was einfallen lassen“, berichtet Pfarrer Bernhard Spieß. Statt auf den Straßen wollen die Messdiener einfach auf den Balkonen und an den Fenstern klappern. „Die sind alle miteinander per Whatsapp vernetzt und gerade dabei, das Ganze zu organisieren.“
Beim Beten Abstand halten
Ansonsten bleibt es in der Pfarrei Heiliger Wendelinus Ramstein zu Ostern bei den „analogen“ Angeboten: „Uns fehlt das technische Equipment und auch die Erfahrung damit, um beispielsweise einen Live-Stream von den Gottesdiensten anzubieten“, sagt Pfarrer Spieß. Aber die acht Kirchen in der Pfarrei sollen an Ostern für Gläubige offen sein, so der Plan. „Und es wird auch eine Osterkerze entzündet. Beim Beten gilt aber freilich: Abstand halten!“
Digital geht es dagegen im Kirchenbezirk an Alsenz und Lauter zu: Dort gibt es am kommenden Samstag ab 21 Uhr in der Christuskirche in Otterbach einen Online-Gottesdienst zur Osternacht – natürlich ohne die Gemeindemitglieder. „In den vergangenen 15 Jahren haben wir jedes Mal zu Ostern einen sehr stimmungsvollen Gottesdienst abgehalten“, erzählt Dekan Matthias Schwarz. Stets sei eine ganze Reihe von Gemeindemitgliedern daran mit Lesungen, Texten oder Fürbitten beteiligt gewesen. „Meist fanden dann auch 120 bis 150 Menschen den Weg in die Christuskirche.“ Los ging es mit dem Verteilen von Kerzen am Eingang. Nach der tiefen Dunkelheit von Karfreitag sei das Osterlicht beim Gottesdienst in der Osternacht vom Altar mit einer großen Kerze zu den Gläubigen in die Bänke gewandert und nach einer Weile habe schließlich der Raum in hellem Licht gestrahlt. „Dadurch ist natürlich eine ganz besondere Atmosphäre entstanden“, stellt Schwarz im Rückblick nicht ohne Wehmut fest.
Osternacht nur online erlebbar
Dieses feierliche Ereignis ist dieses Jahr nur online zu erleben. Die Menschen könnten über die Homepage des Dekanats oder auch auf YouTube den Gottesdienst live verfolgen. Für die professionelle Übertragung habe Edgar Gerhards gewonnen werden können. „Er ist ein Glücksfall für uns, weil er zum einen dem Presbyterium angehört und beruflich für die Werbeagentur Antares aus Kaiserslautern tätig ist.“
Um etwas von der Atmosphäre aus der Vor-Corona-Zeit in die Gegenwart herüberzuretten, seien Gemeindemitglieder gebeten worden, zuhause Lesungen und Fürbitten aufzunehmen. Gerhards werde sie und auch frühere Aufnahmen des Projektchores in die Übertragung einspielen. „Vielleicht können wir auch etwas von der gewohnten Stimmung einfangen“, hofft Schwarz und berichtet, dass Gemeindemitglieder bis tief in die Nacht Teelichter auf jeden leeren Stuhl gestellt hätten. Auch diese von der Kamera eingefangene Sequenz werde in den Online-Gottesdienst einbezogen. In seiner Predigt am Samstagabend wird Dekan Schwarz daran erinnern, dass „die Osterbotschaft eine Botschaft der Solidarität, der Empathie und Achtsamkeit ist“. Das zeige sich darin, dass die Menschen in dieser Krise Mitgefühl zeigten und füreinander sorgten.
Ostergaben mit Segen
In einer ganz anderen Form plant das Pastoralteam der Pfarrei Mariä Himmelfahrt Otterberg die Gestaltung des Osterfestes. „In den zwölf Kirchen der Pfarrei werden in speziellen Gottesdiensten Ostergaben gesegnet“, erklärt Gemeindereferentin Petra Benz. Das seien Texte zur Osterbotschaft und auch Kerzen für das Osterlicht. Zu Ostersonntag würden die Kirchen geöffnet und die Gemeindemitglieder könnten sich dort die Ostergaben abholen. Das müsse natürlich unter Beachtung des gebotenen Abstandes voneinander geschehen, betont sie. An den Gotteshäusern seien deshalb extra Schilder aufgehängt worden, die die Gläubigen auf die geltenden Vorschriften hinweisen. Für die nicht so mobilen Gemeindemitglieder und auch für die Kranken würden die Ostergaben an der heimischen Tür übergeben. „Dies bietet dann auch sicherlich die Gelegenheit zu Gesprächen, für die die oft betagten Menschen erfahrungsgemäß sehr dankbar sind.“
Gotteshaus am Ostersonntag geöffnet
Auch in der protestantischen Kirchengemeinde Heiligenmoschel ist das Gotteshaus am Ostersonntag von 10 bis 11 Uhr geöffnet. Wie Pfarrer Karsten Scholl auf RHEINPFALZ-Anfrage berichtet, können dort die Gläubigen einzeln eintreten und eine Kerze sowie eine schriftliche Osterbotschaft in Empfang nehmen. Er habe sich entschieden, so Scholl, die Bibelstelle Johannes 8, Vers 12 den Gläubigen in dieser schwierigen Situation mit auf den Weg zu geben: „Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“