Hauptstuhl
Ortsbürgermeister Nader Samadi trifft Bundespräsident Steinmeier
„Ich war schon überrascht, aber ich freue mich natürlich auch riesig über die Einladung“, sagt Nader Samadi Tehrani, der seit der Kommunalwahl 2024 Ortsbürgermeister der 1200-Seelen-Gemeinde Hauptstuhl ist. Wieso er – als einziger Ortsbürgermeister im Landkreis Kaiserslautern – ausgewählt wurde, weiß er nicht: „Vielleicht Zufall. Vielleicht aber auch, weil ich Frank-Walter Steinmeier schon mal begegnet bin und man so über meinen Namen gestolpert ist.“ 2011 habe er den heutigen Bundespräsidenten, der damals noch SPD-Fraktionschef im Bundestag war, während eines Auslandseinsatzes der Bundeswehr in Afghanistan getroffen, erzählt Samadi Tehrani, im Hauptberuf Soldat. „Damals war ich noch Hauptmann. Das Foto, das damals von mir und Steinmeier gemacht wurde, habe ich einrahmen lassen und bringe es dem Bundespräsidenten als Geschenk mit, wenn ich ihm am 3. März wieder begegne.“
Gemeinsam mit weiteren 99 ehrenamtlichen Bürgermeistern aus ganz Deutschland ist der 47-Jährige am 3. März vom Bundespräsidenten und der gemeinnützigen Körber-Stiftung zu einem Empfang in Schloss Bellevue eingeladen. Steinmeier wird eine Rede halten. Außerdem ist ein Podiumsgespräch sowie ein persönlicher Austausch mit den Gemeindechefs vorgesehen. Im Mittelpunkt stehe die Würdigung des kommunalpolitischen Ehrenamts sowie die Stärkung der lokalen Demokratie, so die Körber-Stiftung.
Den Einsatz der Kommunalpolitiker würdigen
Am Tag davor gibt es für die Teilnehmer eine Fachkonferenz mit Workshops und dem Demokratie-Forum der Körber-Stiftung: Rund 200 ehrenamtliche Amts- und Mandatsträger diskutieren gemeinsam mit Fachleuten aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft über die aktuelle Lage und die Zukunft unter dem Motto „Ehrenamt in der Kommunalpolitik unter Druck“.
Knapp 60 Prozent aller deutschen Städte und Gemeinden werden laut Stiftungsangaben durch ehrenamtliche Gemeindeoberhäupter verwaltet. „Insgesamt setzen sich mehr als 6000 ehrenamtliche Bürgermeisterinnen und Bürgermeister täglich für die lokale Demokratie und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in ihren Kommunen ein.“ Doch hoher zeitlicher Aufwand, begrenzte Gestaltungsmöglichkeiten, wachsende Bürokratie und persönliche Anfeindungen machten es zunehmend schwieriger, diese Ämter zu besetzen. Ihre Leistung wolle man mit der Veranstaltung würdigen und den Kommunalpolitikern im politischen Berlin eine Stimme geben, so die Stiftung.
Ortsbürgermeister: „Ein Fulltime-Job“
Nader Samadi Tehrani freut sich auf den Austausch mit Kollegen, die das Amt neben ihrem Hauptberuf stemmen: „Ich bin sehr gespannt, wie die anderen das bewältigen“, sagt er. Obwohl Hauptstuhl eine kleine Gemeinde ist, sei das Amt des Bürgermeisters „ein Fulltime-Job“, der ihn rund 50 Stunden pro Woche in Anspruch nehme. „Ich bin nicht freigestellt, weil die Gemeinde das sonst bezahlen müsste. Und wir sind ja finanziell eh nicht auf Rosen gebettet“, sagt der Bundeswehrsoldat. Er könne zwar für die Ortsgemeinde während der Arbeitszeit Termine wahrnehmen, müsse aber auch seinen Dienst ableisten: Samadi Tehrani arbeitet auf der Air Base Ramstein, ist Oberstleutnant der Luftwaffe und stellvertretender Leiter des Verbindungskommandos der Deutschen Luftwaffe zur US-Luftwaffe in Europa und Afrika. Der gebürtige Hamburger, der erst 2023 in die Westpfalz zog, hat eine 14-jährige Tochter und einen 18-jährigen Sohn. „Außerdem bin ich noch bei der Freiwilligen Feuerwehr.“ Und: Samadi Tehrani bewirbt sich als parteiloser Kandidat um die Nachfolge von Peter Degenhardt (CDU); die Wahl findet am 25. Oktober statt. „Das alles ist schon sehr zeitaufwändig“, berichtet er und fügt an: „Man muss das schon wirklich wollen.“
„Rassistische Bemerkungen nur hintenrum“
Ein weiteres Thema, das in Berlin auf der Agenda steht, betrifft den Hauptstuhler Ortsbürgermeister hingegen nur am Rande: Bei dem Forum geht es auch um persönlichen Anfeindungen oder sogar körperliche Attacken, denen sich viele seiner Amtskollegen ausgesetzt fühlen. „Hintenrum gab es wohl schon das ein oder andere Mal rassistische Bemerkungen über mich, den ,Ausländer, der Bürgermeister sein will’. Aber direkte persönliche Anfeindungen habe ich zum Glück noch nicht erlebt.“ Ganz verschont sei er aber auch nicht geblieben: Kürzlich habe ein Unbekannter sein Mütchen an seinem Auto gekühlt, als dieses über Nacht auf der Straße parkte, berichtet Samadi Tehrani: „Morgens war der Auspuff abgetreten.“
Info
Das Demokratie-Forum wird am Montag, 2. März, ab 13.30 Uhr auf der Website der Körber-Stiftung live übertragen, ebenso der Empfang in Schloss Bellevue am Dienstag, 3. März, ab 10.30 Uhr unter koerber-stiftung.de .