Steinwenden
Ortsbürgermeister Matthias Huber sagt nach 15 Jahren Adieu
Matthias Huber sagt von sich selbst, er sei ein kommunikativer Mensch. Einer, der Freude habe, anderen zu begegnen und mit ihnen gemeinsam etwas anzupacken und zu gestalten. Diese Eigenschaften haben ihm sicherlich bei seiner Arbeit als Ortsbürgermeister von Steinwenden geholfen. 2009 wurde der Christdemokrat zum ersten Mal in das Ehrenamt gewählt, danach zweimal als Ortschef bestätigt – mit zunehmender Beliebtheit, wie die Wahlergebnisse von 54, knapp 70 und zuletzt beinahe 78 Prozent nahelegen.
Eine vierte Amtszeit aber wird es trotzdem nicht geben. Nach 15 Jahren an der Spitze des Ortes und 35 Jahren im Gemeinderat kandidiert Huber kein weiteres Mal. „Es ist die Zeit gekommen zu sagen, es ist jetzt gut“, findet der 60-Jährige. Die Gemeinde brauche eine Veränderung und neue Impulse, ist er überzeugt.
Das Miteinander stärken
Sein politisches Anliegen sei es stets gewesen, Steinwenden zukunftsfähig zu machen und attraktiv zu gestalten. Als Beispiel nennt er das Straßenausbauprogramm, das dafür sorge, dass gemeindeeigene Straßen, Gehwege und Plätze immer „in einem vernünftigen Zustand“ gehalten würden. Um das gerecht zu finanzieren und den einzelnen Anlieger nicht zu stark finanziell zu belasten, seien bereits recht bald nach Beginn seiner ersten Amtszeit wiederkehrende Beiträge eingeführt worden. Als weitere Projekte, die in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten den Ort vorangebracht hätten, nennt er den barrierefreien Umbau der Bahnhöfe, den Um- und Ausbau der protestantischen Kindertagesstätte, die Dorfmoderation, an der sich erfreulich viele Bürger beteiligt hätten, die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LEDs und den Breitbandausbau, der seit 2014 laufe. „Da machen wir jetzt den nächsten Schritt, den Glasfaserausbau“, sagt Huber.
Und noch etwas war dem gebürtigen Obermohrer wichtig: dass sich der Umgang im politischen Gremium verbessert. „Als ich 1989 dazukam, war es nicht immer ein Miteinander im Gemeinderat, es gab oft Parteidenken“, blickt er zurück. Er hingegen wollte einen Dialog, sachliche Diskussionen und eine Offenheit gegenüber guten Ideen, egal aus welcher Fraktion sie stammen. Aus seiner Sicht hat er sein Ziel erreicht. „Wir diskutieren noch viel, das ist auch wichtig, aber die Beschlüsse fallen oft einstimmig“, sagt der CDU-Mann, der darin ein gemeinsames Ziehen aller am gleichen Strang, nämlich für das Wohl der Gemeinde, sieht.
Viel ehrenamtliches Engagement
Als dickes Plus verbucht Huber, dass sich viele im Ort ehrenamtlich einbringen und zum Beispiel Feste und Märkte organisierten. „Das gehört auch zur Lebendigkeit und Attraktivität dazu“, findet der scheidende Ortsbürgermeister. Die Vereine zu unterstützen, sei ihm daher ebenfalls immer wichtig gewesen – „nicht nur mit Worten, sondern finanziell“. Steinwenden habe regelmäßig 30.000 bis 35.000 Euro an die Vereine ausgeschüttet.
Dass die Gemeinde sich das bisher leisten konnte, liege an der guten Einnahmesituation. „Bei den Finanzen hatte ich halt Glück“, ist der Bankkaufmann froh, dass Steinwenden in den vergangenen Jahren ausgeglichene Haushalte vorlegen konnte. Die ansässigen Unternehmen tragen über die Gewerbesteuer mit dazu bei. Einige von ihnen würden laut Huber auch gerne expandieren. Das aber führt ihn zu einem Problem, das er in den verbleibenden Wochen im Amt nicht mehr lösen kann: Ein Gewerbegebiet auszuweisen und zu erschließen, will seit Jahren nicht gelingen. „Das ist ein Prozess, der sich endlos hinzieht“, sagt Huber und verweist auf die daraus resultierende Gefahr: Firmen, die vor Ort keine Fläche angeboten bekommen, um sich zu vergrößern, könnten abwandern.
Baugebiete auszuweisen dauert
Das gleiche gelte für das Neubaugebiet, das in Steinwenden entstehen soll. Die Grundstücke seien bereits im Besitz der Gemeinde, aber seit rund vier Jahren gehe es auch damit nicht recht voran. Das liege vor allem am bürokratischen Aufwand, das sei schon manchmal frustrierend. Insgesamt aber ist Matthias Huber nach all den Jahren in der Kommunalpolitik nicht frustriert. Das betont er. Im Gegenteil, es habe ihm immer viel Freude gemacht, aktiv mitgestalten zu können, auch wenn der Posten es mit sich bringe, rund ums Jahr an allen Tagen der erste Ansprechpartner für die Leute zu sein. „Bürgermeister zu sein, ist auch etwas Schönes“, bekräftigt der Christdemokrat, dass er die Zeit genossen hat und sich jederzeit wieder für diesen Weg entscheiden würde. Er habe selbst allerdings auch keine Angriffe verbaler oder anderer Art erlebt, wie Amtskollegen es berichten.
Worauf sich der Banker, der in seinem Hauptberuf noch rund vier Jahre vor sich hat, jedoch schon freut, ist das Mehr an freier Zeit, auf das er hofft. Die will er nutzen, um sie mit seiner Frau Sabine, den drei erwachsenen Söhnen, die allesamt mit ihren Familien ebenfalls in Steinwenden leben, und den zwei Enkeln zu verbringen. Vor allem aber möchte er wandern gehen, vielleicht auf dem Jakobsweg, gerne aber auch in alpinem Gelände.
Drei Wochen auf dem Mount Everest
Lust darauf hat ihm eine Reise nach Nepal im vergangenen Herbst gemacht. Dort sei er im Basislager des Mount Everests auf 5400 Metern Höhe gewesen und drei Wochen lang jeden Tag gewandert. Den Gipfel habe er allerdings nicht erklommen. „Das ist mir zu überlaufen“, erinnert er an die Bilder von Schlangen kurz unter dem höchsten Punkt Wartender. Er habe sich auch so an der tollen Region mit den vielen Sechs- und Achttausendern erfreut.
So hoch hinaus muss es aber nicht immer gehen. Der Obermohrer blickt voller Vorfreude darauf, mit den anderen Bürgern aus Steinwenden zu feiern, ohne in der Verantwortung zu sein, ohne eine Rede halten oder das Bierfass anstechen zu müssen. Er möchte dann einfach nur mit seiner Frau, Freunden und Bekannten anstoßen, gesellig sein, sich gut unterhalten und, vor allem, unterhalten lassen.