Ramstein-Miesenbach
Nikolaus für Lastwagenfahrer
Viele Kraftfahrer kannten den Brauch gar nicht, berichtet Pastoralreferent Dominik Schek von der Pfarrei Heiliger Wendelinus in Ramstein. So mussten der Nikolaus – nicht der rotbemantelte Weihnachtsmann, das ist eine andere Geschichte – und seine Helferschar (teilweise mit Nikolausmütze unterwegs) mehrmals das in der Geschenke-Tüte beigelegte Infoblatt (darauf war die gekürzte Geschichte vom Heiligen Nikolaus in mehreren Sprachen abgedruckt) zücken und den Inhalt erläutern, damit die überraschten Männer überhaupt verstanden, weshalb sie an einem für sie normalen Arbeitstag beschenkt wurden.
150 Tüten verschenkt
Die Idee dazu entstand in der Pfarrei, als überlegt wurde, wem man am Nikolaustag etwas Gutes tun könnte. Schek, der in Kindsbach wohnt, fährt tagtäglich am Autohof Ramstein vorbei – und hatte eine Idee. „Die Fahrer verbringen hier ihre Nacht und haben eigentlich nie etwas von diesem Tag – schon gar nicht gemeinsam mit Enkelkindern oder der eigenen Familie“, erläutert Schek. „Wir wollten dementsprechend diesen Menschen eine kleine Freude ins Fahrerhaus bringen.“ Etwa 150 Tüten – gefüllt mit einem Nikolaus und der Geschichte über ebendiesen – brachten Dominik Schek und Gemeindereferentin Tina Becker sowie die Freiwilligen der Gemeinde unter die Berufsfahrer. Verschenkt wurden unter anderem Äpfel und Klementinen sowie Fairtrade Schoko-Nikoläuse. Einen Gutschein für einen wärmenden Glühwein in der Raststätte gab es obendrauf.
Über die gefüllte Papiertüte freute sich unter anderem Frank Jungmann aus dem nordrhein-westfälischen Hövelhof (zwischen Bielefeld, Paderborn und Gütersloh gelegen). Der 62-Jährige fährt seit dreizehn Jahren für eine Firma, die Fensterprofile, Rollläden und Sonnenschutz herstellt. Dabei steuert er jeden Mittwoch auch den Ramsteiner Autohof an. Am nächsten Morgen stand für ihn eine Fahrt ins nahe Dansenberg an. Jungmann ist in seinem langen Fahrerleben schon in ganz Europa herumgekommen und hat dabei schon allerhand gesehen und mitgekriegt – aber in seiner ganzen Laufbahn habe er so eine schöne Aktion noch nie erlebt. Sie wirke umso intensiver in Bezug auf seine eigene Situation. Sein Sohn ist schon erwachsen und wohnt noch weiter im Norden als er selbst: in Cuxhaven. Jungmann ist an fünf Tagen in der Woche unterwegs in seinem Truck, der sein zweites Zuhause geworden ist. Da freut man sich auch als Erwachsener über eine kleine und unerwartete Aufmerksamkeit dieser Art ganz besonders.
Geste der Nächstenliebe
Zurück zu den Initiatoren der Pfarrei und ihren Helfern, die fröhlich ihre Leckereien weiter an die Fahrer verteilten, von denen sich alle sehr über die Überraschung freuten und später am Abend vielleicht auch die kleine Geschichte über den Heiligen Nikolaus lasen. In ihr geht es darum, dass einst ein armer Mann vor Verzweiflung seine Töchter als Mägde auf dem Markt anbieten wollte. Nikolaus hörte davon und schenkte jeder der Töchter nachts und unerkannt je einen Klumpen Gold – so entstand später der Brauch des Schenkens am 6. Dezember, dem Todestag des populären Heiligen. Dank dieser legendenhaft überlieferten Geste der Nächstenliebe blieben den Mädchen üble Schicksale erspart. Sie heirateten und konnten ein glückliches Leben führen.