Kreis Kaiserslautern Neues Leben für verwaiste Häuser

Der Putz bröckelt vom Sockel, die Rollläden sind unten und Werbeprospekte quellen aus dem Briefkasten: Verwaiste Immobilien sind gerade in der Landstuhler Altstadt kein Einzelfall. Im gesamten Stadtgebiet wurden 38 leerstehende Häuser registriert. Thomas Dick nimmt sich ihrer ab sofort als Leerstandslotse an.
Der Verkehrsstrom in der Ludwig- und in der Weiherstraße reißt kaum ab. Links und rechts ein Gehweg, auf dem zwei Personen kaum aneinander vorbeikommen. Fassade an Fassade, die meisten entstanden vor etlichen Jahrzehnten. Hinzu kommt: wenig Grün, meist kein Parkplatz fürs Auto und Sanierungsbedarf an den Immobilien. Dick kennt die Problematik, mit der sich Hausbesitzer im historischen Kern auseinandersetzen müssen. Eine weitere Hürde ist die demografische und gesellschaftliche Entwicklung: „Eigentümer und Erben leben oft weit von Landstuhl entfernt, da fehlt der Bezug zur Stadt“, erläutert der Leerstandslotse. Was bedeutet ein leerstehendes Haus für den Eigentümer, für den Nachbarn und auch für die Stadt? Wie geht es dem Betrachter beim Anblick solcher Immobilien? Und vor allen Dingen: Was kann man dagegen tun? Mit Fragen wie diesen beschäftigte sich Dick bei einem Zwei-Tages-Seminar, das er im Frühjahr 2014 absolvierte. Nachdem vor einem Jahr in der mittlerweile abgerissenen Alten Posthalterei in der Kaiserstraße die Ausstellung „Tatort Leere“ der rheinland-pfälzischen Energieagentur gezeigt worden war (die RHEINPFALZ berichtete), hat er sich um dieses Ehrenamt beworben. „Zug um Zug werde ich nun die betroffenen Hausbesitzer kontaktieren“, kündigt der Leerstandslotse an. Ein Spaziergang durch die Altstadt irritiert und ernüchtert zugleich. Hinter einfach verglasten Fensterscheiben sind Plastikblumen zu sehen. Sie geben vor, dass das Objekt bewohnt ist. Doch Dick weiß: Der Eindruck täuscht. Der Kitt am Rahmen weist wie die Fassade Risse auf. In Bodennähe hat sich der Verputz des Mauerwerks aufgebläht. Der Blick fällt auf den portalähnlichen Einlass des Hauses. Keine Frage: An Holztür und Umrandung haben Könner ihres Fachs einmal Hand angelegt. Hier wird wohl auch der Denkmalschutz ein Thema sein. An anderen Häusern sind die Rollläden herunter. Das ist jedoch nicht immer ein Hinweis darauf, dass darin niemand lebt. „Amerikaner lassen die Rollläden oft den ganzen Tag unten“, erzählt der Leerstandslotse. Doch er weiß auch, dass einige Objekte seit Jahren unbewohnt sind. „Sie verfallen zusehends“, meint Dick. „Wenn ein Haus längere Zeit leer steht, wird sein Zustand ja nicht besser.“ Teils habe die Stadt versucht, solche Immobilien aufzukaufen. „Aber die Eigentümer müssen auch ein Interesse daran haben“, betont der 47-Jährige. Dass auf ihn mit dem Leerstandsmanagement keine einfache Aufgabe zukommt, ist Thomas Dick klar. „Schwierig wird’s, wenn die Eigentümer weit entfernt wohnen und beispielsweise bei Erbengemeinschaften kein Konsens zu finden ist.“ Dennoch will er möglichst alle Beteiligten an einen Tisch holen. „Aber sie müssen sich auch einig darin sein, dass sie verkaufen wollen.“ In seiner Ausbildung habe er allerdings gelernt, bei Gegensätzen zu vermitteln und Gespräche bei unterschiedlichen Interessenlagen zu führen. In der Kirchenstraße, die im Mittelalter als Hauptstraße diente, herrscht heute kaum Verkehr. Für ein Fuhrwerk reichte früher die gepflasterte Gasse aus, heute passen keine zwei Autos aneinander vorbei. Dicht an dicht reihen sich die Häuser mit Fenstern, die teils kaum größer sind als Luken. Zwischen herausgeputzten Schmuckstücken gibt es auch hier geschlossene Fensterläden und wucherndes Unkraut. An der Ecke zur Hinteren Kirchenstraße sticht ein Altbau ins Auge, der gerade saniert wird. „Hier tut sich was“, meint Dick zufrieden. (lmo)