Ramstein-Miesenbach
Neue Bibliothek aus dem Nachlass Roland Pauls
Über 8000 Bücher zur Geschichte der Pfalz, speziell der Westpfalz, warten momentan darauf, gesichtet, bewertet, katalogisiert und inventarisiert zu werden. Sie sollen den Grundstock für die neue regionalgeschichtlich ausgerichtete Bibliothek bilden, die im Museum im Westrich in Ramstein-Miesenbach geplant ist. Dass der Förderkreis des Heimatmuseums der Verbandsgemeinde (VG) Ramstein-Miesenbach in Besitz dieses Wissensschatzes gekommen ist, hat einen traurigen Grund: den viel zu frühen Tod Roland Pauls. Vor knapp zwei Jahren starb der Historiker und Volkskundler, der aus Steinwenden stammte, mit 72 Jahren. „Er war eine besondere Persönlichkeit, die für Geschichte stand“, sagt VG-Bürgermeister Ralf Hechler. „Deshalb wollen wir den Nachlass erhalten.“
Nicht nur das: Er soll auch kostenlos zugänglich gemacht und nach Anmeldung wissenschaftlich genutzt werden können, etwa von Heimatforschern, Schülern oder Studenten. Da aber die größeren Einrichtungen im Umkreis, zum Beispiel die Pfalzbibliothek in Kaiserslautern, kein Interesse an dem Archiv hatten, kam die Idee auf, mit den Büchern eine eigene Bibliothek in Ramstein-Miesenbach einzurichten. Sie soll später nach dem bekannten Historiker „Roland-Paul-Bibliothek“ genannt werden.
Tourist-Info als Arbeitsatelier
Ausgeliehen werden könnten die Bücher dort nicht, erläutert Hechler, dass eine Präsenzbibliothek vorgesehen ist. Aber es solle möglich sein, digital Kopien zu erstellen und diese dann auszudrucken. Die Einrichtung solle gleichzeitig als Arbeitsatelier dienen. Im Heimatmuseum biete sich dafür der ehemals als Tourist-Info genutzte Raum im Erdgeschoss hervorragend an, findet Hechler – nicht zuletzt deswegen, weil Paul sich sehr für die Gründung des Museums im Westrich eingesetzt habe. Nun werde gerade die Statik der darunter liegenden Gewölbedecke aus dem 18. Jahrhundert berechnet und geprüft, ob sie die papierene Last tragen kann.
Aber auch danach werde es noch nicht sofort mit dem Bibliotheksbetrieb losgehen, sagt der Bürgermeister. „Ein Jahr wird es bestimmt dauern, bis die ersten Bücher bewertet sind und zur Verfügung stehen.“ Erst in zwei bis drei Jahren rechnet Hechler damit, dass die Bücherei vollständig eingerichtet sein wird. Für die Bewertung „brauchen wir wissenschaftliche Hilfe“, betont der Stadtchef, dass dafür fachliche Expertise gefragt ist. Einige Mitglieder des Museumsvereins brächten diese aber mit und hätten schon ihre Unterstützung zugesagt.
Fördergelder aus Europa
Um das Ganze finanzieren zu können, hat die VG Ramstein-Miesenbach einen Förderantrag gestellt, der auch bewilligt worden sei, sagt Hechler. Rund 45.900 Euro plant die VG für das Projekt ein. Ein Zuschuss von 34.420 Euro, also 75 Prozent, durch die „Lokale Aktionsgruppe“ der LEADER-Region Westrich Glantal sei bereits bewilligt. Daran ist allerdings eine Bedingung geknüpft: dass der Mietvertrag der VG für die Räume des Heimatmuseums, das der Stadt gehört, mindestens noch 15 Jahre läuft. Dadurch solle sichergestellt werden, dass die Gelder langfristig für den angegebenen Zweck verwendet werden, berichtet Hechler. Da der Mietvertrag bislang unbefristet war, wurde er nun mit Zustimmung der politischen Gremien geändert.