Kreis Kaiserslautern
Naturfreundehäuser wegen Corona in der Krise
„Gerade, wenn Häuser wie das unsere hauptsächlich von ehrenamtlichen Mitgliedern betreut werden, die die Arbeiten übernehmen, weiß man nicht, ob sich diese Personen nach der Krise wieder engagieren“, sagt Hans Müller von den Naturfreunden Kaiserslautern. Viele der Ehrenamtler seien Älter und gehörten zur Risikogruppe. „Selbst wenn geöffnet wäre, sagen die Mitglieder dann, dass sie nicht helfen können.“ Dafür hat Müller absolutes Verständnis: „Aber wer weiß, ob diese Personen sich nicht ein anderes Hobby suchen.“
„Auch im kommenden Jahr wird da nichts laufen“
Die Hütten der Naturfreunde, der Pfälzerwald Vereine und die verpachteten Forsthäuser, die bewirtschaftet werden, seien ein Alleinstellungsmerkmal im Pfälzerwald. „Das gibt es in dieser Form sonst nirgendwo in Deutschland“, meint Müller. Deshalb hoffen die Naturfreunde, dass die rheinland-pfälzischen Politiker Lösungen für die Hütten finden. „Schließlich bieten die Naturfreundehäuser auch Bildung und Freizeitmöglichkeiten für Menschen mit geringem Einkommen.“
Mit Mindereinnahmen von 60.000 bis 80.000 Euro rechnet das Naturfreundehaus Finsterbrunnertal derzeit nur wegen den entgangenen Übernachtungen von Schulklassen und Kindergärten. „Auch im kommenden Jahr wird da nichts laufen“, ist sich Müller sicher. Denn die Lehrer und Erzieher seien angehalten, auch für das nächste Jahr keine Reisen und Ausflüge zu buchen.
„Da hängt ein ganzer Rattenschwanz hintendran“
Im Gegensatz zu dem Naturfreundehaus im Finsterbrunnertal ist die Fritz-Claus-Hütte des Pfälzerwaldvereins in Martinshöhe verpachtet. Die Pächter hatten – wohl wie alle Gastronomen – gehofft, dass sie im Dezember wieder den Betrieb aufnehmen können. „Gerade die Weihnachtszeit wäre wichtig gewesen. Wir hatten viele Reservierungen im Dezember, und Weihnachten waren wir komplett ausgebucht“, erläutert Gudrun Wolf. Sie macht sich nicht nur um ihren eigenen Verdienst sorgen. „Unser Personal ist in Kurzarbeit.“ Besonders schwer treffe es die Frauen, die geringfügig beschäftigt sind. „Sie bekommen nun gar kein Geld mehr und ich weiß, dass Familien auf dieses Geld angewiesen sind.“ Sie fühle sich für diese Familien als Arbeitgeberin auch verantwortlich. „Da hängt ein ganzer Rattenschwanz hintendran.“ So wisse sie, dass ihr Fleischlieferant mittlerweile auch nicht mehr täglich den Betrieb geöffnet habe. „Es fehlt die Abnahme aus der Gastronomie.“
Auch bei Wolfs kommt ohne das Lokal kein Geld in die Kasse. „Die Novemberhilfe funktioniert auch nicht so“, verrät die Gastwirtin. Lediglich eine Abschlagszahlung sei geflossen. „Und wer weiß, wann das Geld für den Dezember ausgezahlt wird.“ Die Situation zerre ganz schön am Nervenkostüm, beschreibt Wolf die Gemütslage. Einen Abholservice hat das Ehepaar Wolf nur kurz in Erwägung gezogen. „Aber wir liegen nicht im Ort, sondern mitten im Wald. Wer holt da was ab?“ Abholservice hätte sich wohl nur dann gelohnt, wenn man diesen Service auch schon in der Vergangenheit angeboten hätte.
„Wir peilen jetzt vorsichtig die Osterfeiertage an“
Bei Anja und Andreas Steinbach, dem Pächterehepaar der Pfälzerwaldhütte „Zum Himmelreich“ bei Otterbach, ist Daheimbleiben angeordnet. „Klar fühlt es sich nicht gut an, immer nur daheim zu sitzen. Aber ich habe Verständnis für die Maßnahmen“, betont Anja Steinbach. Eine Öffnung mit starken Kontaktbeschränkungen wäre wohl nicht rentabel gewesen, meint Steinbach und beschreibt das Szenario, das sich schon im Sommer öfter abgezeichnet habe. „Wer alleine kommt, möchte natürlich in der derzeitigen Situation keinen Fremden an seinem Tisch haben. Wenn wir Pech haben, haben wir unsere acht Tische dann jeweils mit einem Gast besetzt“, blickt sie zurück auf die Zeit vor dem aktuellen Lockdown. Das hätte sich nicht gelohnt. Gleichwohl zeigt Anja Steinbach vollstes Verständnis: „Das ist auch völlig in Ordnung, wenn das ein Gast nicht möchte.“ Bis auf den ersten November sei das Wetter noch so schön gewesen, dass die Gäste draußen sitzen konnten und somit mehr Tische zur Verfügung standen. „Da war es leichter.“ Den Januar hat das Pächterehepaar schon abgeschrieben: „Wir peilen jetzt vorsichtig die Osterfeiertage an.“