Enkenbach-Alsenborn RHEINPFALZ Plus Artikel Nach tragischem Tod am Arbeitsplatz ringt hinterbliebene Familie um Hilfe

Hier wollte die vierköpfige Familie bis zum Jahresende einziehen.
Hier wollte die vierköpfige Familie bis zum Jahresende einziehen.

Völlig unverhofft wurde er aus dem Leben gerissen. Bei der Arbeit in Alsenborn von einer tonnenschweren Ofentür unter sich begraben. Die junge Familie des 37-jährigen Verunglückten steht von einer auf die andere Sekunde nicht nur ohne Vater und Ehemann da, sondern auch vor einem riesigen Schuldenberg. Denn sie hatte gerade mit dem Bau eines Eigenheimes begonnen.

Es war am Mittwoch vor knapp drei Wochen. Stanislaw S., seit 2006 Mitarbeiter des Schleifmittelherstellers Lapport in Enkenbach-Alsenborn, arbeitete am Brennofen, in dem die Steine für die Schleifgeräte gebrannt werden. Seit seiner Ausbildung zum Industriemeister in der Fachrichtung Keramik war er Leiter des Ofenbereichs. Als er an jenem Mittwoch jedoch die tonnenschwere Tür öffnete, löste sie sich und begrub den jungen Mann unter sich.

Ein Gutachten zu dem Unfall – in dem es auch um die Verantwortlichkeit geht – ist von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegeben, beanspruche allerdings noch mehrere Wochen, heißt es von dort auf Anfrage. Zweifelsfrei stehe jedoch fest, dass der 37-Jährige tödliche Verletzungen erlitt, als er unter der Ofentür begraben wurde.

Genaue Unfallursache noch unklar

„Man weiß noch gar nichts dazu, wie es zu dem Unfall kam“, erzählt Maria Schechtel aus Idar-Oberstein, die Ehefrau des Cousins des Verunglückten. Sie versucht, der hinterbliebenen Familie, die in Kaiserslautern wohnt, so gut es geht zu helfen. Die Ehefrau Nastja steht nun mit zwei Kindern, einem zwölfjährigen Mädchen und einem zweijährigen Sohn, allein da. „Stanislaw hat uns immer geholfen, zum Beispiel bei unserem Hausbau, wir haben auch oft zusammen gefeiert – jetzt versuchen wir, sie zu unterstützen“, berichtet Schechtel.

Sie steht der jungen Mutter nicht nur moralisch zur Seite, sondern hilft auch bei den vielen Behördenangelegenheiten, die jetzt zu erledigen sind. „Nastjas Welt ist komplett zusammengebrochen, sie ist jetzt ganz allein und hilflos; Stanislaw hat sich immer um alles gekümmert.“

Eine hohe Schuldenlast liegt auf der Familie

Neben dem Schmerz des tragischen Verlustes drückt sie die Last durch die Schulden, die für ein Eigenheim aufgenommen wurden. „Sie haben gerade erst mit dem Bau begonnen. Das war Stanislaws großer Traum: ein Zuhause für seine Liebsten zu schaffen, mit Garten für die Kinder“, erzählt Maria Schechtel weiter. Die Frage sei nun: Schaffen sie es, das Haus fertigzustellen? „Nastja hat lediglich einen 450-Euro-Job, sie hat ja noch den Kleinen zu versorgen.“ Die Tochter besucht ein Gymnasium in Kaiserslautern.

Derzeit hat die Familie gar kein eigenes Heim: Sie zog von der vorherigen Wohnung vorübergehend zu Stanislaws Eltern, „um die Doppelbelastung zu sparen während des Hausbaus“. Nun steht die Familie vor der großen Frage, ob es überhaupt dazu kommen wird. „Wenn wenigstens das gelänge, durch niedrigere Raten und längere Laufzeit bei der Schuldentilgung, wäre das die einzige positive Sache, die wir uns in der derzeitigen Situation erhoffen können.“

Die Hilfsbereitschaft ist groß

Um diesem Ziel etwas näher zu kommen, hat Maria Schechtel eine Spendenaktion für ihre Verwandten ins Leben gerufen: Über eine Internet-Spendenplattform hat sie die nötigen Informationen eingestellt und um Hilfe gebeten. „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass so viele Leute spenden“, gesteht sie. „Anfangs dachten wir, dass wir auf diesem Weg zumindest die Beerdigungskosten finanziert bekommen.“ Jetzt haben sich die vielen kleinen Spenden auf ungefähr 31.000 Euro summiert.

Obwohl gar nicht erwartet, ist jedoch auch diese Summe „nur ein Bruchteil des Schuldenbergs“ für das Haus, das im Rohbau steht. „Zudem wollte Stanislaw vieles selber machen – was er ja nun nicht mehr kann.“ Dennoch hat die Familie noch Hoffnung, denn vor allem an Helfern mangele es nicht, die am Haus mit anpacken wollen. Bis Jahresende, Oktober oder November, wollte die Familie einziehen. „Die Bereitschaft der Helfer ist groß: Vielleicht schaffen sie es sogar mit dem Einzug“, hofft die angeheiratete Cousine.

Die Firma Lapport steht nach Schechtels Angaben in Kontakt mit der Familie und habe auch Hilfe angeboten. „Die Kollegen haben wohl auch gesammelt, aber mehr weiß ich noch nicht.“ Nähere Auskünfte will die Firma derzeit nicht geben. Was die Berufsgenossenschaft zahlt, wie viel Rente die Hinterbliebenen bekommen, dies wisse die Familie noch nicht. „Wir füllen gerade die ganzen Formulare aus“, beschreibt Schechtel den mühsamen Weg, um der Familie zumindest in finanzieller Hinsicht wieder ein wenig auf die Beine zu helfen.

Spendenkonto

Wer die junge Familie in der unverhofften Notlage unterstützen will, kann dies mit einer Spende tun an: IBAN: DE 9456 2500 3010 0039 2780, Stanislaw S. bei der KSK Birkenfeld.

Ein Bild aus glücklichen Tagen: der tragisch Verunglückte und seine Familie.
Ein Bild aus glücklichen Tagen: der tragisch Verunglückte und seine Familie.
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