Schallodenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Nach Messerangriff in Schallodenbach: „So etwas hatten wir hier noch nie“

Nach der Messerattacke in Schallodenbach seien kaum noch Kinder auf der Straße, so Friseurmeister Gerd Glod.
Nach der Messerattacke in Schallodenbach seien kaum noch Kinder auf der Straße, so Friseurmeister Gerd Glod.

Einen Tag nach dem Messerangriff kommt der Ort etwas zur Ruhe. Die Polizei sucht weiter nach dem Täter. Der Bürgermeister berichtet – unter anderem über einen Fake-Anruf.

Nach der Attacke auf ein zehnjähriges Mädchen sind die Ermittler der Polizei in der Nacht von Donnerstag auf Freitag mehr als 50 Hinweisen nachgegangen. Und auch am Freitag meldeten sich noch weitere Zeugen. Eine „heiße“ Spur sei aber laut Polizei nicht dabei gewesen. Nach wie vor ist der 22-Jährige, der am Donnerstag in Schallodenbach (Kreis Kaiserslautern) auf ein Kind eingestochen haben soll, auf der Flucht. Konkrete Anhaltspunkte zum Aufenthaltsort des Verdächtigen hätten sich bisher nicht ergeben, sagte ein Polizeisprecher am späten Freitagnachmittag. Daher werde die Fahndungsmaßnahme auch über das Wochenende hinweg aufrechterhalten. Der Mann wird bundesweit- und europaweit gesucht.

Bei einem am Donnerstagabend in Otterberg vorübergehend festgenommenen Mann hat es sich nicht um den Gesuchten gehandelt. Am Freitag suchte die Polizei weiter und konzentrierte sich nach wie vor auf den Bereich der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg.

Der 22-Jährige steht unter Verdacht, in der Nacht zum Donnerstag in Schallodenbach mit einem Messer auf ein zehnjähriges Mädchen eingestochen zu haben. Das Kind wurde dabei nach Polizeiangaben schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Sein Gesundheitszustand sei stabil, es befinde sich in medizinischer Behandlung, informierte die Polizei am späten Freitagnachmittag. Die Familie hat psychologische und seelsorgerische Betreuungsangebote erhalten. Nach ihren Warnungen vom Vortag schreibt die Polizei am Freitagmorgen: „Nach den derzeit vorliegenden Erkenntnissen geht die Polizei nicht mehr davon aus, dass von dem 22-Jährigen eine Gefahr für andere Personen ausgeht.“ Dennoch mahnt sie dazu, wachsam zu bleiben. Wer Verdächtiges wahrnimmt, soll sich umgehend unter der Telefonnummer 0631/369 13210 mit der Polizei in Verbindung setzen.

Vor allem Eltern in Sorge

Vor allem Eltern seien zurzeit in Sorge, schildert Harald Westrich, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg, die Gefühlslage einen Tag nach der Tat. Bei den Schulen hätten sich viele Eltern erkundigt, ob für ihre Kinder eine Gefahr bestehe, ist dem VG-Chef rückgemeldet worden. Was er nicht gut findet: In den sozialen Medien koche das Thema hoch. An der Grundschule Otterberg habe es am Freitagmorgen sogar einen Fake-Anruf gegeben. „Jemand hat sich am Telefon als Polizist ausgegeben und behauptet, die Kinder müssten das Schulgebäude verlassen, was natürlich nicht stimmte.“ Mit einem Anruf bei der Polizei habe die Schulleitung dies schnell als Falschmeldung identifiziert, so Westrich.

In Schallodenbach kehrt Ruhe ein

An der Bushaltestelle in der Schallodenbacher Hauptstraße wartet um die Mittagszeit eine Mutter mit ihrem siebenjährigen Sohn auf den Bus aus Otterberg. Der Verkehr rollt durch die Straße, alles wirkt wie immer. Die Grundschule des Kleinen sei gerade aus und jetzt wolle sie ihre ältere Tochter abholen, sagt die Frau. „Meine Tochter und das betroffene Mädchen sind befreundet. Wir sind sehr traurig darüber, was passiert ist.“ Die Familie kenne sie allerdings nicht. Angst, dass den Kindern jetzt etwas passieren könnte, hat sie eigentlich nicht. Trotzdem ist es ihr heute lieber, die Kinder selbst vom Bus abzuholen, erzählt die 29-Jährige.

„Es tut mir unheimlich leid für die Familie“, sagt ein Mann mittleren Alters aus Schallodenbach, der in deren Nähe wohnt. Er könne sich absolut nicht erklären, wie es zu diesem Unglück gekommen sei. Dass es einen Großeinsatz der Polizei gegeben hat, habe er erst am nächsten Tag aus den Medien erfahren. Jetzt werde vor allem in den sozialen Medien „jede Menge Unsinn“ geschrieben, zeigt sich der Mann verärgert.

Liane Beyer ist gerade dabei, einen Blumenkübel vor ihrem Haus in der Hauptstraße zu bepflanzen. Es sei jetzt relativ ruhig im Ort, meint sie. Die Familie kenne sie nicht persönlich. Wie Gerd Glod, der ein Friseurgeschäft in der Felsenstraße betreibt, und sein Kunde Ralf Leppla, der auf dem drei Kilometer entfernten Holbornerhof wohnt, wurde die 58-Jährige in der Nacht auf Donnerstag von dem Geräusch des Polizei-Helikopters geweckt. „Um vier Uhr war die Nacht rum“, so der Friseurmeister, dessen Geschäft an der Straße zur Grundschule liegt. Er findet, dass deutlich weniger los ist im Ort. „Gestern hat kein Kind draußen gespielt. Die meisten sind heute mit dem Auto zur Schule gefahren worden“, hat er beobachtet. Am Donnerstagabend sei ein leerstehendes Gebäude am Rathausplatz von der Polizei durchsucht worden. „So einen Vorfall hatten wir noch nie“, meint der 65-jährige Friseurmeister. Besorgt seien sie aber nicht sonderlich, sagen die beiden Männer.

Erste Aufregung in Schallodenbach hat sich gelegt

Die erste Aufregung habe sich wieder gelegt, beurteilt auch Schallodenbachs Ortsbürgermeister Marcus Rösner (CDU) die Stimmung im Dorf. Seitdem die Polizei abgezogen sei und kein Hubschrauber mehr über dem Ort kreise, seien alle etwas zur Ruhe gekommen. Außer, dass den Polizisten das Gemeindehaus zur Nutzung der Sanitäranlagen aufgeschlossen wurde, sei die Gemeinde nicht in die Suche des mutmaßlichen Täters involviert.

Aus ermittlungstaktischen Gründen bekomme er auch als Ortsbürgermeister nicht mehr Infos von der Polizei als alle anderen. Von der Suche hat er selbst kaum etwas mitbekommen, da er die größte Zeit des Tages auf seiner Arbeit gewesen sei, so Rösner. Am späten Nachmittag habe er lediglich gesehen, dass die Landstraße zwischen Schallodenbach und Schneckenhausen wegen der Suche nach dem Tatverdächtigen gesperrt worden sei. „Am Friedhof standen einige Einsatzwagen und ein Rettungswagen“, schildert er. Auch etliche Presseleute seien dagewesen. Ein Stück vom Ortsausgang entfernt, hätten sich noch etliche Vertreter überregionaler Medien am Wiesenrand postiert. Die Familie, der das Unglück widerfahren ist, kennt Rösner nicht persönlich. Sie lebten schon seit vielen Jahren im Ort. „Man sieht sich und grüßt sich, wechselt ein paar Worte“, so der Ortschef.

Polizei-Kontakt

Die Polizei ist weiterhin an Hinweisen zu dem 22-Jährigen interessiert und fragt: Wer hat den Mann seit Donnerstag gesehen? Wem ist die Person bekannt? Wer kann Hinweise zu möglichen Aufenthaltsorten geben? Wer hat seit Donnerstag aus dem Kreis Kaiserslautern Anhalter oder Fahrgäste mitgenommen, auf welche die Beschreibung des Verdächtigen passt? Im Internet hat die Polizei unter https://s.rlp.de/x3qQEhV Fotos und den Namen des Gesuchten veröffentlicht.

Einen Tag nach dem Messerangriff in Schallodenbach: In der 861 Einwohner zählenden Gemeinde kehrt langsam Ruhe ein. Das Foto zei
Einen Tag nach dem Messerangriff in Schallodenbach: In der 861 Einwohner zählenden Gemeinde kehrt langsam Ruhe ein. Das Foto zeigt die Situation von Donnerstag morgen.
In Schallodenbach ist einen Tag nach dem Messerangriff wieder etwas Ruhe eingekehrt.
In Schallodenbach ist einen Tag nach dem Messerangriff wieder etwas Ruhe eingekehrt.
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