Otterbach RHEINPFALZ Plus Artikel Nach der Ortsbürgermeisterwahl: Das meinen die vier Bewerber

Eines von zwei Wahllokalen am Sonntag: die Schulturnhalle.
Eines von zwei Wahllokalen am Sonntag: die Schulturnhalle.

Gegen 18.30 Uhr stand am Sonntagabend fest: Der neue Otterbacher Ortsbürgermeister heißt Marco Reschke. Die erwartete Stichwahl war gar nicht mehr nötig. Was meinen die vier Bewerber zum Ergebnis?

Einen Tag nach der Wahl muss Marco Reschke das Ergebnis erst noch richtig sacken lass. Stolz sei er und überwältigt von dem Zuspruch. „Das spricht für unsere Arbeit in den vergangenen Jahren“, meint er und sieht das Ergebnis auch als Erfolg für die FWG an. Das Wahlresultat fiel am Sonntag eindeutig aus: Von den 1368 gültigen Stimmen entfielen 818 auf Reschke, was 59,8 Prozent entspricht. Brigitte Hörhammer (CDU) kam mit 288 Stimmen auf 21,05 Prozent, die beiden parteilosen Einzelbewerber Andreas Ries und Uwe-Hendrik Zeeb landeten bei 16,74 Prozent (229 Stimmen) beziehungsweise 2,41 Prozent (33 Stimmen).

„Es gibt viele offene Baustellen“

Dass es trotz der drei Mitbewerber gleich im ersten Wahlgang klappen würde, damit hat Reschke nicht gerechnet. Seine Mitstreiter von der FWG waren da anscheinend optimistischer. Wenige Minuten vor dem Ende der Wahl standen sie schon mit Kaltgetränken vor dem Wahllokal, der Grundschulturnhalle, parat, wie der 46-Jährige schmunzelnd erzählt: Die habe er erst einmal etwas bremsen müssen. Den Tag über sei er recht entspannt gewesen, doch als es dann losging und die Wahlurnen geleert wurden, „habe ich unter Strom gestanden“. Als schließlich klar war, dass er tatsächlich die Wahl gewonnen hatte, wurde erst in der Halle etwas gefeiert, bevor es noch in eine Gaststätte ging. Wann er nun ins Amt eingeführt wird, vielleicht noch diesen Monat oder im Dezember, war am Montagmittag noch nicht klar. „Es gibt viele offene Baustellen“, sagt Reschke in Hinblick darauf, was er als Erstes angehen wird. Auf jeden Fall wird ihn der Kita-Neubau beschäftigen, wo es „noch zwei, drei Punkte in diesem Jahr zu klären gibt“, damit es mit dem Projekt weitergehen könne. Treffen mit der Verwaltung stünden ebenso an.

„Die Welt geht für mich nicht unter“

Der neue Ortsbürgermeister habe richtig viel zu tun, stellt gleichfalls CDU-Kandidatin Brigitte Hörhammer fest. „Und ich kann ganz entspannt dabei zusehen“, sagt sie lapidar. Von ihrem eigenen Abschneiden sei sie schon etwas enttäuscht gewesen, gibt die 70-Jährige zu, die schon einmal selbst Ortsbürgermeisterin von Otterbach gewesen ist. Doch: „Die Welt geht für mich nicht unter deswegen.“ So habe sie mehr Zeit für die Familie, könne sich anderen Dingen widmen und führe eben ihre Ratsarbeit fort. Dass die FWG einen Tag vor der Wahl eine Storchenwiese eröffnet habe, hat sie allerdings doch als „nicht fair“ empfunden – worauf Reschke im RHEINPFALZ-Gespräch entgegnet: „Das war nicht entscheidend für die Wahl.“ Falls der FWG-Kandidat nicht schon am Sonntag mehr als die Hälfte der Stimmen bekommen hätte, wäre sie nicht zwingend zur Stichwahl angetreten, berichtet Hörhammer. Hätte er einen großen Vorsprung gehabt, wäre die Wahl ja dennoch gewonnen gewesen. Als „nicht gut“ schätzt sie die Wahlbeteiligung von rund 44,1 Prozent ein. Ein erstaunliches Ergebnis für einen Newcomer hat in ihren Augen Andreas Ries eingefahren, der aktiv Wahlkampf betrieben habe. Und wie sehen Hörhammers Pläne für die nächste Ortsbürgermeisterwahl in eineinhalb Jahren aus? „Ich glaube nicht, dass ich noch mal antreten werde.“ Dann könnten mal die Jüngeren ran, findet die CDU-Frau.

„Die Demokratie hat gewonnen“

„Nach der Wahl ist vor der Wahl“, meint dagegen Andreas Ries und schließt für sich nicht aus, dass er es bei der nächsten Wahl noch einmal probiert. Er habe aus den vergangenen Wochen seine Lehren gezogen, was alles verändert werden könne. Und: „Es hat so viel Spaß gemacht.“ Viele gute Gespräche habe er geführt, viele Otterbacher kennen gelernt und festgestellt: „Sie brauchen einen Ortsbürgermeister, der präsent ist und ihnen zuhört.“ Diese Erfahrungen seien wertvoll gewesen. Dass er nun von null auf 16,74 Prozent der Stimmen gekommen sei, sei toll. Er habe sich in den Wochen vor der Wahl ordentlich ins Zeug gelegt, hatte sogar zwei verschiedene Prospekte in petto. Auch wenn er nicht Ortsbürgermeister geworden ist, fühlt er sich als Gewinner – weil er nun Zeit für seine Familie hat. Marco Reschke habe ein „tolles Ergebnis“ erreicht. Alle vier Kandidaten seien in der Schulturnhalle vor Ort gewesen, seinem einstigen Fußballkameraden habe er also gleich gratuliert. „Die Demokratie hat gewonnen, wir hatten vier Kandidaten, um was uns andere Gemeinden beneiden.“

„Nicht unerwartet“

Dieses Zusammensein im Wahllokal hat Uwe-Hendrik Zeeb als „freundschaftliches Miteinander“ empfunden. Marco Reschke war für den parteilosen Einzelbewerber einer der Favoriten, „nicht unerwartet“ sei nun dessen Wahlerfolg. Allerdings hat Zeeb nicht damit gerechnet, dass der neue Ortsbürgermeister schon jetzt feststehen würde. Vielmehr ging er von einer Stichwahl in zwei Wochen aus, bei der er Reschke und Ries noch im Rennen sah. Sein eigenes Ergebnis von knapp über zwei Prozent empfindet er nicht als demotivierend. Klar: „Mehr geht immer.“ Doch habe er bei gleich vier Bewerbern nicht damit gerechnet, mehr als fünf Prozent Zuspruch zu bekommen. Er habe nicht viel Geld in den Wahlkampf investiert. „Mit Zeit alleine ist es als Neuling ohne Partei dahinter nicht getan.“ Das Ganze sei aber eine Möglichkeit zum Netzwerken gewesen. Und er kann sich vorstellen, sich weiterhin fürs Dorf zu engagieren, entweder als Einzelkämpfer oder auch nicht.

Marco Reschke
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Brigitte Hörhammer
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Andreas Ries
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Uwe-Hendrik Zeeb
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